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Glückssache: Dass alle Rolltreppen am Isartor funktionieren, kommt laut Edith Wölfl eher selten vor.

Anwohnerin beklagt sich

Ärger am Isartor: Defekte Rolltreppen und kein Lift

München - Die Rolltreppen am Isartor sind ein Ärgernis. Anwohnerin Edith Wölfl beklagt, sie seien häufig defekt. Außerdem fehle an der viel genutzten S-Bahn-Haltestelle ein Lift. Laut Bahn ist bis zum Jahr 2020 der Einbau eines Aufzugs geplant. Für den Austausch der Rolltreppen steht noch kein Zeitpunkt fest.

Edith Wölfl wohnt in der Nähe des Isartors. Täglich nutzt sie die S-Bahn und steigt an der dortigen Haltestelle zu oder aus – wie Zehntausende andere Fahrgäste. Klingt simpel, ist aber in der Praxis oft ärgerlich. Die Rolltreppen, so Wölfl, seien ständig defekt. Mittlerweile macht die promovierte Pädagogin ein Spielchen: Rolltreppenbingo. „Wenn tatsächlich einmal alle Rolltreppen vom Sperrengeschoss zur Oberfläche funktionieren, rufe ich innerlich laut Bingo und buche es als Glückszeichen ab“, sagt die Münchnerin. Problem: In den vergangenen vier Wochen sei das nur etwa vier- bis fünfmal der Fall gewesen. Dafür habe es Tage gegeben, an denen drei von vier Rolltreppen defekt gewesen seien.

Sinn für Humor hat Edith Wölfl. Lustig findet sie das Rolltreppen-Chaos am Isartor aber nicht. Sie fordert die Bahn auf, den Missstand zu beheben – und spricht ein weiteres Ärgernis an: Es gibt keinen Lift. Seit Eröffnung der Stammstrecke 1972 habe die Bahn so gut wie nichts für die Modernisierung der Haltestelle am Isartor getan. Dies gehe zu Lasten behinderter Menschen, von Senioren, von Personen mit Kinderwagen oder von Fahrgästen, die ein Rad dabei haben. Rolltreppen mit Wechselrichtung gibt es überhaupt nicht. Und die einzige Rolltreppe, die ganz an die Oberfläche führt, endet im Breiterhof. Ein ziemlicher Umweg, wenn man zügig in die Innenstadt möchte.

Häufig, so Wölfl, müssten Kinderwagen und Reisegepäck mühsam drei Stockwerke nach oben geschleppt werden. Dasselbe Problem stelle sich bei Notfalleinsätzen. Dass Eltern und nicht die Bahn das Risiko tragen, wenn man mit dem Kinderwagen die Rolltreppe benutzt, sei zynisch, meint Wölfl. Für sie steht fest: Der Einbau eines Lifts und eines weiteren Zugangs mit wechselnden Rolltreppen sei dringend geboten am Isartor. Außerdem müsse die Wartung der Rolltreppen bei Betriebsausfall schneller vonstatten gehen.

Die Bahn kann der Beschwerdeführerin indes wenig Hoffnung auf eine schnelle Verbesserung der Situation machen. Anders als die Fahrtreppen am Hauptbahnhof, Karlsplatz und Marienplatz, die 2012 bis 2014 erneuert wurden, seien die Treppen am Isartor noch nicht so alt, heißt es von einem Sprecher. Ein Austausch stehe turnusmäßig erst in den 2020er Jahren an. Immerhin ist nach Auskunft der Bahn bis 2020 der Einbau eines Aufzugs von der Bahnsteigebene bis an die Oberfläche (Ausgang in der Grünanlage Thiersch-/Ecke Kanalstraße) geplant. Nach Angaben des Bahnsprechers verfügt die Station Isartor als einzige auf der Stammstrecke noch nicht über Aufzüge.

Rolltreppen mit Wechselrichtung sind aus Sicht der Bahn an stark frequentierten Haltestellen wie entlang der Stammstrecke „nicht hilfreich“. Die Hauptrichtung sei eindeutig nach oben und sollte möglichst ohne Unterbrechungen für die Fahrgäste zur Verfügung stehen. Der Bahnsprecher räumt ein, dass die Rolltreppe vom Zwischengeschoss auf die Zweibrückenstraße in diesem Winter mehrere Wochen lang ausgefallen sei. Dort mussten eine Stufenkette und mehrere Lager ausgetauscht werden. Einzelne Ersatzteile hätten von der Herstellerfirma speziell angefertigt werden müssen. Die Reparatur habe einen sechsstelligen Betrag gekostet. Im Winter fallen Rolltreppen häufiger aus, weil sich Streusplitt in der Mechanik verfängt und diese zum Stoppen bringt. In der Regel sei die Störung spätestens nach zwei Werktagen behoben. „Wenn Ersatzteile zugeschickt werden müssen oder zur Reparatur die Herstellerfirma benötigt wird, können die Rolltreppen auch länger stehen“, heißt es von der Bahn.

Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) tauscht an den U-Bahnhöfen nach gut 25 Betriebsjahren die Rolltreppen aus. Bis Ende 2019 erneuert die MVG 125 Rolltreppen im U-Bahnnetz.  

Klaus Vick

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