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Stinksauer: Elmar Huéber vor dem Boot, das ein Unbekannter hier bei Nacht und Nebel abgestellt hat.

Anhänger am Straßenrand

Ärger in Fürstenried: Das Boot

Eine großes Segelboot stinkt den Anliegern der Würmseestraße in Fürstenried: Auf einem Anhänger steht das Trumm seit neun Wochen vor ihren Häusern und stört. Das ist verboten, aber kein Einzelfall. Die Polizei kann gegen die Armada von Booten und Wohnwagen am Straßenrand nicht viel tun.

„Ein Riesenapparat“, schnaubt Elmar Huéber, und die Zornesröte steigt ihm ins Gesicht. Der Rentner deutet auf das große, in eine blaue Plane gehüllte Boot vor seiner Haustür. Am 16. November, irgendwann vor Sonnenaufgang, muss der unbekannte Besitzer den Anhänger mit Münchner Kennzeichen hier abgestellt haben. Eine Nacht- und Nebel-Aktion, schimpft Huéber. Keiner der Nachbarn habe etwas bemerkt. Als es hell wurde, stand die Yacht jedenfalls da – um die drei Meter hoch und acht Meter lang. Und es sieht so aus, als solle sie den Winter über hier stehen bleiben, denn seither hat sich der Eigentümer nicht mehr blicken lassen. 

Huéber und seine Nachbarn machten sich schlau: Zwei Wochen lang, so erfuhren sie, dürfe ein zugelassener Anhänger am Straßenrand geparkt werden. Dann müsse er den Platz wechseln (siehe Kasten). Als das nicht geschah, riefen die Anwohner die Polizei. Deren Auskunft hat den Rentner so enttäuscht, dass er sich schriftlich an den Innenminister gewandt hat. „Nach mehrmaliger Rückfrage bei der örtlichen Polizeiinspektion 29 wird uns mitgeteilt, dass der Halter des Fahrzeugs nach zwei Wochen mit 20 Euro verwarnt wurde und jetzt somit sein Fahrzeug stehen lassen kann, solange er will“, heißt es in dem Brief. Eine Antwort hat Huéber noch nicht erhalten. 

"Rücksichtslos und unverfroren"

Das Boot muss weg, da sind sich die Anwohner einig. Eine Unterschriftenliste, die jemand im Haus aufgehängt habe, sei im Nu voll gewesen, berichtet Huéber. Den Nachbarn geht es nicht nur um die Optik. Der Hänger blockiert auch Parkplätze. „Leute mit Kindern oder Nachbarn, die Einkäufe gemacht haben, müssen ihre Autos dann weiter weg abstellen“, schimpft Huéber. Außerdem stehe der Hänger direkt neben der Tiefgaragenausfahrt und versperre die Sicht. „Auf der Straße kommen nachts immer wieder mal Radler daher, die sieht man dann erst im letzten Moment“, berichtet der rüstige Rentner. „Das ist richtig gefährlich.“ Rücksichtslos und unverfroren sei es, so ein Trumm in einem reinen Wohngebiet abzustellen. „Eine Unverschämtheit!“, pflichtet Nachbar Peter Steeg bei. „Warum stellt der Besitzer das Boot nicht an der Drygalski-Allee oder an der Höglwörther Straße ab, da wohnt niemand.“ 

Womöglich wurde der Stellplatz mit Bedacht gewählt. Von hier aus ist man schnell auf der Garmischer Autobahn Richtung Starnberger See. Zudem ist die Würmseestraße ist ein gutes Wohngebiet. Hier ist, anders als in nachts verlassenen Gewerbegebieten, die Vandalismus-Gefahr eher gering. Die Anwohner werden also womöglich auch noch gegen ihren Willen als Aufpasser für das teure Boot missbraucht – und sind entsprechend sauer. „Wenn er sich so ein Schiff leisten kann, warum mietet er dann keinen Winterstellplatz?“, fragt Peter Steeg. Eine Nachbarin, die ein Boot auf dem Chiemsee hat, tue das schließlich auch, erzählt Huéber. „Die zahlt jeden Winter fast einen Tausender.“ 

Ein Strafzettel kostet den Eigentümer viel weniger als ein angemieteter Winterstellplatz

Tatsächlich gibt es Anbieter, die sich auf die Überwinterung von Wohnwagen und Booten spezialisiert haben. Ein Stellplatz unter freiem Himmel kostet beispielsweise in Olching 75 Euro für drei Monate. Dass jemand, der sich nicht an die Vorschriften hält, mit einem einzigen 20-Euro-Strafzettel für die ganze Saison davonkommen soll, ärgert Huéber und seine Nachbarn. Ganz so sei es auch nicht, versichert die Verkehrsabteilung des Münchner Polizeipräsidiums auf Nachfrage. Wenn das laufende Verwarnungs-Verfahren abgeschlossen sei und das Boot immer noch am selben Platz stehe, sei ein neues Verfahren möglich. Dann gehe man von einem vorsätzlichen Verstoß aus, was das Verwarnungsgeld auf 40 Euro verdopple. Doch im Wochen- oder gar Tagesrhythmus sei dies nicht möglich. Die Dauer der Verfahren bewege sich „eher in Richtung eines Monats“. Wer alle Widerspruchsmöglichkeiten und Fristen ausreizt, kann es auch noch weiter in die Länge ziehen „Es ist nicht so, dass das unheimlich teuer wird“, resümiert der Polizei-Experte. Mehr gebe die geltende Rechtslage aber nicht her. 

Für die Polizei stehen ordnungswidrig geparkte Wohnwagen und Bootsanhänger zwar nicht an erster Stelle im täglichen Arbeitspensum. „Aber Beschwerden von Anliegern kommen immer wieder vor“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage. Wie oft, konnte die Polizei am Freitag nicht sagen. Vor allem dauerparkende Wohnwagen nervten die Anlieger, teilte ein Sprecher mit. Kein Wunder angesichts von gut 38 000 Pkw-Anhängern, die in München zugelassen sind – Tendenz steigend. 

Elmar Huéber und seine Nachbarn ärgern sich weiter. Ein Anwohner will herausgefunden haben, dass der Halter des Bootsanhängers in Hadern wohnt. Sollte ihn einer der Nachbarn sehen, wenn er das Boot abholt, wird er sich wohl wenig Schmeichelhaftes anhören dürfen.

Was Hänger-Besitzer beachten müssen

Soweit Schilder oder Fahrbahn-Kennzeichnung örtlich nichts anderes vorschreiben, gilt laut Paragraf 12 der Straßenverkehrsordnung: 

-Solange der Hänger an das Zugfahrzeug gekuppelt ist, gibt es keine Begrenzungen. 

-Ohne Zugfahrzeug darf der Hänger nicht länger als zwei Wochen geparkt werden. Danach muss er den Parkplatz wechseln. Er darf nicht über Parkflächen-Markierungen hinausragen. Verstöße werden mit 20 Euro Verwarnungsgeld geahndet. 

-Lkw über 7,5 Tonnen und Anhänger mit mehr als 2 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht dürfen in reinen und allgemeinen Wohngebieten nachts sowie an Sonn- und Feiertagen nicht parken. 

-Werbeanhänger, die erkennbar nur Werbezwecken dienen, wie etwa die riesige Getränkedose auf Rädern, dürfen in München nicht auf öffentlichen Flächen abgestellt werden. Die Polizei zeigt im Schnitt pro Monat knapp zehn Verstöße an, die mit Geldbußen bis 1000 Euro geahndet werden.Zusätzlich erhebt das Baureferat ein Straßennutzungsentgelt je nach Abstellort und Art zwischen 25 und 200 Euro pro Woche. 

-Für nicht zugelassene Fahrzeuge ist der Straßenrand tabu. Die Behörden kennzeichnen sie mit einem roten Punkt. Vier Wochen danach gilt das Fahrzeug als Abfall und wird abgeschleppt. Die Kosten trägt der Verursacher, ein Bußgeldverfahren wird eingeleitet.

Peter T. Schmidt

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