Mehrere hundert Soldaten sollen am 31. Juli in München ihr Gelöbnis ablegen. foto: dpa

Ärger um Gelöbnis an Nazi-Paradeplätzen

München - Die Bundeswehr will auf dem Odeonsplatz oder dem Königsplatz ein öffentliches Gelöbnis für mehrere hundert Rekruten abhalten – und stößt damit auf Protest der Stadt München.

Die hält die beiden Standorte, die den Nazis als Veranstaltungsstätten dienten, für historisch zu sehr belastet. Als Alternative könnte nun der Hofgarten als Platz für das Gelöbnis in Frage kommen. Vermutlich fiele die Veranstaltung dann aber deutlich kleiner aus als geplant.

Generalmajor Gert Wessels, Befehlshaber des Wehrbereichs IV, will das Gelöbnis gerne am 31. Juli um 11 Uhr auf einem der Plätze veranstalten. Dabei sollen Rekruten aus ganz Bayern öffentlich versprechen, „der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes tapfer zu verteidigen“. Auch mehrere hundert Eltern der Rekruten werden erwartet. Weil dazu ein großer und zentraler Platz vonnöten ist, fragte die Bundeswehr bereits im vergangenen Jahr bei Münchens OB Christian Ude (SPD) an, ob der sich eine solches Gelöbnis vorstellen könnte. Das tue er durchaus, erklärte Ude gegenüber unserer Zeitung. Nur eben nicht am Odeonsplatz oder am Königsplatz. „Ich würde es für äußerst unklug halten, wenn das Gelöbnis mit unzutreffenden Assoziationen belastet würde“, sagte Ude.

Die aber wären an eben diesen Plätzen wohl gegeben. Am 9. November 1923 marschierte Hitler auf die Feldherrnhalle zu. Bei dem Putschversuch wurden 16 seiner Anhänger erschossen. Auch der Königsplatz mit dem Führerbau und dem „Braunen Haus“ galt als Weihestätte der Nazis.

Das die Plätze geschichtlich belastet sind, erkennt die Bundeswehr an. „Das Gelöbnis könnte aber auch Anstoß zur Diskussion bieten“, meint Oberstleutnant Klaus D. Treude, der Pressesprecher von Generalmajor Wessels. Dennoch teilte der Befehlshaber in einem Brief an mehrere bayerische Politiker bereits mit, dass das Gelöbnis leider nicht auf dem Königsplatz stattfinden könne. „Wir werden deshalb auf einen anderen geeigneten Platz ausweichen.“

OB Ude erklärte, die Stadt habe der Bundeswehr als Alternative die Theresienweise vorgeschlagen. Der Ort unterhalb der Bavaria sei repräsentativ und biete wegen der Parkmöglichkeiten für Busse „beste logistische Voraussetzungen“. Die Bundeswehr aber lehnt dies ab. „Die Theresienwiese ist nicht zentral genug“, meint Oberstleutnant Treude. „Wir denken über andere Plätze nach.“

Vor allem über den Hofgarten neben dem Odeonsplatz. Hier hatte die Bundeswehr 2007 bereits den Großen Zapfenstreich anlässlich der Verabschiedung von Ministerpräsident Edmund Stoiber abgehalten. Der Freistaat als Eigentümer des Areals würde da wohl sogar mitspielen. „Ein zentrales Gelöbnis in München an einem zentralen Ort wäre auch ein wichtiges politisches Signal für die Akzeptanz unserer Bundeswehr“, erklärte Staatskanzleichef Siegfried Schneider (CSU). Nun sei die Landeshauptstadt gefordert, im Einvernehmen mit der Bundeswehr eine gute Lösung sicherzustellen.

Matthias Kristlbauer

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