+
Großes Vorhaben: So könnte eines Tages das Islamzentrum mit Moschee, Gemeindezentrum und Bibliothek aussehen.

Geplantes Islamzentrum

Ärger über anonyme Moschee-Spende

  • schließen

München - Das Islamzentrum hat seinen ersten Großspender, das Grundstück kann wohl gekauft werden. So hat es das Münchner Forum für Islam (MFI) der Stadt mitgeteilt. Dass der Millionen-Geber anonym bleiben will, sorgt in der Politik aber für viel Unmut. Der Gegenwind könnte kurz vor dem Ziel noch sehr stark werden.

Offen gegen das Islamzentrum stellt sich weiter kein prominenter Politiker in München. Aber in Gesprächen mit Politikern ist in diesen Tagen ein Unbehagen herauszuhören, seit die Rede von einem anonymen Spender aus Saudi-Arabien ist, der bereit sein soll, Millionen Euro zu geben und damit den Kauf des Grundstücks für die Moschee zu ermöglichen. Öffentlich geworden ist dieses Unbehagen aber kaum. Bis jetzt. Gestern verbreiteten die CSU-Bundestagsabgeordneten Johannes Singhammer und Hans-Peter Uhl eine Mitteilung, in der sich die Sorge Bahn bricht, dass Geldgeber aus dem arabischen Raum doch Einfluss nehmen könnten auf die Arbeit in der Moschee. „Millionenspenden ohne Zweckverfolgung“, schreiben die beiden, „widersprechen der Lebenserfahrung.“

Wie berichtet, sehen der Penzberger Imam Benjamin Idriz und Kuratoriums-Chef Christian Ude sich kurz vor dem Durchbruch. Ude hat angekündigt, es gebe einen Großspender, der den Grundstückspreis sichere – die Kosten sollen bei 4 Millionen Euro liegen. Der Ältestenrat im Rathaus entschied, dass das Münchner Forum für Islam (MFI) ein Jahr mehr Zeit bekommt, um die Komplettfinanzierung des 40-Millionen-Euro-Projekts zu stemmen: bis Ende 2016.

Bis dahin bleibt das Grundstück an der Dachauer Straße reserviert. Der Ältestenrat drängt aber auch darauf, dass der erste Großspender nicht anonym bleiben darf. Der CSU-Fraktionschef im Rathaus, Hans Podiuk, etwa sagt: „Ich will wissen, was über den Mensch bekannt ist.“ Denn was Imam Idriz seinem Kuratorium bisher mitteilte, ist nicht viel. In einer Mail, die unserer Zeitung vorliegt, heißt es, es handele sich um eine „Privatperson aus einem arabischen Land, dem wir Vertraulichkeit zugesichert haben“. Die Frage ist: Wie verträgt sich der offensichtliche Wunsch nach Anonymität mit der Voraussetzung des Rathauses, wissen zu wollen, mit wem man es zu tun hat?

Johannes Singhammer (CSU) Münchner Abgeordneter im Bundestag.

Laut Idriz wurde der Mann („geboren 1932“) bei einem Deutschlandbesuch auf das Projekt aufmerksam. Er habe die MFI-Räume in der Altstadt und das Islamische Forum in Penzberg besucht. „Der Herr ist betagt und möchte mit der Unterstützung des Projekts eine gute Tat von bleibender Bedeutung vollbringen“, schreibt Idriz. Die einzige Bedingung sei eine „bescheidene Inschrift“ an der Moschee. „Darüber hinausgehende Interessen wurden ausgeschlossen.“ Idriz argumentiert: „Angesichts seines Alters und seiner Lebensumstände wäre der Vorwurf, er würde finanzielle oder Machtinteressen, Einflussnahme oder Kontrolle in irgendeiner Form anstreben, abwegig.“ In einem Brief an OB Dieter Reiter (SPD) versicherte Kuratoriums-Chef Ude, er erwarte eine „schriftliche Zusage“ in dieser Woche. „Mit dieser Spende würde noch im Jahr 2015 der gesamte Kaufpreis einschließlich Nebenkosten zur Verfügung stehen“, schrieb Ude. Auf Nachfrage sagte der Alt-OB gestern, die Zahlung sei noch nicht eingegangen. Er rechne nach wie vor noch diese Woche mit ihr.

Ob das Geld tatsächlich eingeht, ist die eine Frage. Die andere, finden viele im Rathaus, ist, was dann passiert. Auch Kuratoriums-Mitglieder mahnen, Transparenz sei entscheidend für eine repräsentative Moschee, in der auf Deutsch ein Islam westlicher Prägung gepredigt werden soll. Der anonyme Spender, so hat das MFI ihnen versprochen, sei bereit, eine Erklärung zu unterzeichnen, in der er sich unter anderem zu dem Ziel bekennt, „jegliche Form von Extremismus und Gewalt sowie Hass zwischen Menschen zu ächten“. Mit der Spende bezwecke er „nichts anderes, als Gottes Wohlgefallen zu erlangen und den Worten des Erhabenen zu entsprechen, Gutes zu tun“.

Vielen ist das nicht genug. Besonders deutlich wurden gestern Johannes Singhamme und Hans-Peter Uhl. „Notwendig ist eine unverzügliche Offenlegung des Spendernamens“, schreiben die beiden. „Warum wird eine solche Spende nicht für andere wichtige Herausforderungen im Zusammenhang mit der Flüchtlingsunterbringung in München zur Verfügung gestellt?“ Singhammer sagte unserer Zeitung: „Wenn der Eindruck entsteht, es gebe Hintermänner, die das Licht scheuen, wirft das ein schlechtes Licht auf das ganze Projekt.“ Man müsse sich fragen, ob es den Spender überhaupt gebe. „Ist das der reiche Onkel aus Arabien, den keiner kennt? Oder steht eine staatliche Organisation dahinter, die nicht genannt werden will?“

Jetzt, da es konkret wird, bekommt das Islamzentrum unerwarteten Gegenwind. Ude scheint das erkannt zu haben. „Wir sind Freunde der Transparenz“, sagte er gestern. Man müsse mit dem Betroffenen jetzt aber erst einmal sprechen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

S-Bahn: Verkehrslage auf der S7 normalisiert sich
In unserem News-Ticker informieren wir Sie über Störungen auf Münchens S-Bahn-Linien. 
S-Bahn: Verkehrslage auf der S7 normalisiert sich
Es geht um ein Handyvideo: Bild-Zeitung stellt Strafanzeige gegen Münchner Polizei
Ein Handyvideo im Zusammenhang mit den Messer-Attacken von München schlägt hohe Wellen: Die Bild-Zeitung stellt Strafanzeige gegen die Münchner Polizei.
Es geht um ein Handyvideo: Bild-Zeitung stellt Strafanzeige gegen Münchner Polizei
Trost für die Derby-Niederlage? Polizei lobt die Löwen-Fans
Pyrotechnik im Stadion, aber keine größeren Auseinandersetzungen der Fanlager: Die Polizei kann insgesamt eine positive Bilanz nach dem Stadtderby zwischen TSV 1860 und …
Trost für die Derby-Niederlage? Polizei lobt die Löwen-Fans
Polizei ermittelt gegen Twitter-Nutzer, die gegen Messerangreifer hetzen
Als „Hetzer“ und „Brandstifter“ bezeichnet die Polizei Kommentatoren auf Twitter, die bewusst falsche Informationen über den Messerstecher vom Rosenheimer Platz …
Polizei ermittelt gegen Twitter-Nutzer, die gegen Messerangreifer hetzen

Kommentare