+
Die Warteschlange vor dem Bürgerbüro in der Leonrodstraße, kurz vor Öffnung morgens.

Überlastung und lange Wartezeiten

Ärger um die Bürgerbüros: So will das KVR gegen das Chaos vorgehen

  • schließen

Lange Schlangen, nervige Wartezeiten: Ein Besuch im Bürgerbüro wird häufig zur Geduldsprobe. Im Stadtrat soll nun ein neues Standortkonzept beschlossen werden – mit mehr Personal. Ab Januar 2018 sind stadtweit 26 neue Stellen geplant, langfristig sogar knapp 100.

München - Der November ist auch immer die Zeit der Verhandlungen über den Haushaltsplan. Neben den geplanten Investitionen geht es dabei um die Stellenmehrung für 2018. Eine wachsende Stadt wie München benötigt auch genug Verwaltungspersonal. Dennoch soll heuer der Rotstift regieren, so heißt es im Vorgriff der Verhandlungen der beiden Rathaus-Koalitionspartner CSU und SPD. Ein Stellenzuwachs im großen Stil ist wohl nicht mehrheitsfähig. Die Stadt soll keine neuen Schulden machen.

Bei den Bürgerbüros wird allerdings eine Ausnahme gemacht. Die dortige Stellenausweitung hält die Große Koalition wegen des Einwohnerwachstums und des ständigen Ärgers mit Wartezeiten für unausweichlich. Sechs Standorte gibt es derzeit in München. Hier können Bürger sich ummelden, Dokumente beglaubigen und Pässe beantragen. Wie drastisch der Andrang in den Bürgerbüros gestiegen ist, zeigt eine aktuelle Auflistung des Kreisverwaltungsreferats (KVR). Waren es 2013 noch 647.305 Besucher, so stieg die Zahl vergangenes Jahr auf 766.143. Für 2017 werden etwa 790.000 Kunden prognostiziert, für 2018 rund 820 000.

Anstieg der Einwohnerzahl führt zu Überlastung der Bürgerbüros

Die Einwohnerzahl stieg zwischen 2013 und 2016 um 80 000 von 1,49 auf 1,57 Millionen Menschen. Folge: Die Bürgerbüros waren aufgrund des Andrangs oft heillos überlastet und mussten vorzeitig schließen, weil sonst die Warteschlangen bis Büroschluss nicht hätten abgearbeitet werden können.

Überdurchschnittlich häufig waren die kleinen Bürgerbüros an der Riesenfeldstraße in Moosach, an der Leonrodstraße (Schwabing) und an der Forstenrieder Allee betroffen. Während 2016 an den großen Standorten Ruppertstraße, Orleansplatz und Pasing zwischen 49 und 67 mal die Nummernausgabe vorzeitig beendet werden musste, war dies an den kleineren Standorten an 116 bis 129 Arbeitstagen – also gut der Hälfte der insgesamt 248 Arbeitstage – erforderlich. Etwas entzerrt wurde die Lage, seitdem ab 1. Juli 2017 in den Bürgerbüros Pasing und Leonrodstraße Online-Terminvereinbarungen möglich sind. Seit vier Wochen gilt dies auch für die Forstenrieder Allee. Der Online-Service soll sukzessive in den weiteren Außenstellen eingeführt und nach Abschluss des Umbaus auch in der Zentrale an der Ruppertstraße eingeführt werden.

Was den Zuschnitt der Standorte betrifft, sieht der KVR-Plan folgende Maßnahmen vor: In der Zentrale ist bis 2030 eine Erweiterung von derzeit 129 auf 168 Arbeitsplätze vorgesehen. Der Standort Orleansplatz wird schon 2018 von 43 auf 58 Stellen aufgestockt. Das Bürgerbüro Pasing soll in größere Räume in der Umgebung (Institutstraße 1 oder 4) umziehen. Dort ist bis 2030 eine Verdoppelung von derzeit 32 auf 66 Arbeitsplätze vorgesehen. Die Bevölkerungsprognose im Westen der Stadt mache diese Erweiterung dringend erforderlich, heißt es.

Die Standorte der Bürgerbüros. In den Textkästen die Besucherzahlen 2016, in Klammern der Anstieg seit 2013.

Schließung einiger Büros? „Das Bürgerbüro an der Forstenrieder Allee sollte unbedingt erhalten bleiben“

Im Norden der Stadt soll voraussichtlich im Oktober 2018 am Scheidplatz ein neues Bürgerbüro mit rund 40 Arbeitsplätzen eröffnen. Im Gegenzug schlägt die Verwaltung allerdings vor, die Dependancen an der Leonrod- und an der Riesenfeldstraße zu schließen. Am Standort Forstenrieder Allee wird geprüft, ob das Bürgerbüro in die frei werdenden Räume der Stadtbibliothek verlagert und erweitert werden kann. Sollte dies nicht möglich sein, soll das Bürgerbüro nur bis zum Abschluss des Umbaus der Bürgerbüro-Zentrale in der Ruppertstraße weiterbetrieben werden, nach aktuellem Stand bis Ende 2019/Anfang 2020. Parallel dazu sucht die Stadt angesichts der steigenden Einwohnerzahlen nach zwei neuen Standorten im Süden (Ramersdorf-Perlach) sowie im Nordwesten (Moosach).

Ob der Stadtrat das Verwaltungskonzept in der geplanten Form beschließt, ist fraglich. Die Rathaus-Koalition aus SPD und CSU will den einen oder anderen Standort erhalten. Man begrüße das neue Konzept im Grundsatz, doch der örtliche Zuschnitt müsse noch besprochen werden, heißt es von der SPD. Die CSU wird konkreter: „Das Bürgerbüro an der Forstenrieder Allee sollte unbedingt erhalten bleiben. Dieser Anlaufpunkt ist für den Münchner Süden bedeutend und stellt eine Entlastung für das KVR dar“, erklärt Stadtrat Sebastian Schall. Auch der Standort Leonrodstraße solle solange nicht geschlossen werden, bis ein besser erreichbarer Platz in Moosach gefunden worden sei.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bald kostenloses WLAN an Trambahnhaltestellen
Schon bald sollen Münchner an den MVG-Trambahnhaltetsellen kostenlos im Internet surfen können. An einigen Stationen stehen bereits jetzt WLAN-Hotspots zur Verfügung.
Bald kostenloses WLAN an Trambahnhaltestellen
Rockavaria-Veranstalter enthüllt weitere Acts: Diese Künstler treten auf
Im Juni 2018 werden sich einige musikalische Größen auf dem Münchner Königsplatz die Klinke in die Hand geben. Nun nimmt das Line-Up für das Rockavaria-Festival weitere …
Rockavaria-Veranstalter enthüllt weitere Acts: Diese Künstler treten auf
Marx widerspricht Papst: Vaterunser soll nicht geändert werden
Die katholische Kirche in Deutschland will an der vom Papst kritisierten Übersetzung des Vaterunser-Gebets festhalten.
Marx widerspricht Papst: Vaterunser soll nicht geändert werden
BMW baut neues Testgelände in Tschechien
BMW will ein neues Testgelände in Tschechien bauen. Der Münchner Autohersteller wird in Sokolow unweit der bayerischen Grenze einen dreistelligen Millionenbetrag …
BMW baut neues Testgelände in Tschechien

Kommentare