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Dynamisches Duo: Florian Pachaly (links) und Fabian Eckert haben die „ReCup“-Becher erfunden.

190.000 Pappbecher täglich

Jetzt kämpft München gegen den Kaffee-To-Go-Wahnsinn

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190.000 Pappbecher werden jeden Tag in München weggeworfen. Dagegen startet die Stadt nun eine Aktion. Helfen soll dabei ein System, das schon in anderen Städten großen Erfolg hatte.

München - München muss noch umweltfreundlicher werden. Damit das gelingt, geht die Stadt nun ein Problem an, das seit Jahren kontinuierlich größer geworden ist: Die wachsende Flut an Pappbechern. Denn in der Landeshauptstadt, so Axel Markwardt, Chef des Abfallwirtschaftsbetriebs, werden derzeit Tag für Tag knapp 190 000 der zwar praktischen, aber auch umweltschädlichen Becher weggeworfen. Das Ausmaß der Verschmutzung kann man in den kommenden Tagen am Marienplatz selbst begutachten. Dort steht seit gestern ein fünf Meter hoher Symbolbecher. In diesem findet der tägliche Ausstoß an weggeworfenen Münchner Pappbechern ziemlich genau Platz.

„München hat’s satt“

Ein totales Unding, findet Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Beim Startschuss zur Aktion „München hat’s satt“ bezeichnete er den Becher-Wahn als Zeichen einer Entwicklung, die sich durch die gesamte Gesellschaft ziehe. Eben eine Wegwerfgesellschaft. Reiter hat für München aber etwas anderes vor: „Es ist unser aller Umwelt, wir müssen die Stadt auch in Zukunft sauber halten.“ Durch die vom Abfallwirtschaftsbetrieb (AWM) und der Stadt unterstützten Aktion solle München beim Thema Umweltschutz wieder einen Schritt weiter kommen. Dabei, so Reiter, müsse sich jeder selber an seiner Bequemlichkeit packen und die Pappbecher in Zukunft vermeiden. „Dadurch tun wir uns alle einen Gefallen.“

Riesenbecher an zentralen Orten

Bei der Kampagne geht es darum, Einwegbecher im Idealfall gar nicht mehr zu benutzen. In den nächsten drei Wochen werden an drei zentralen Punkten Riesenbecher aufgestellt: Am Marienplatz – dieser Becher wandert in einer Woche weiter in die Kaufingerstraße und danach zum Leonrodplatz, am Stachus und am Harras. Zusätzlich wird auf Plakaten, im Fahrgast-TV im öffentlichen Nahverkehr, im Radio und in den sozialen Medien für die Aktion geworben.

Reiter und Markwardt machten am Freitag auch Vorschläge, was jeder in seinem Alltag tun kann. Entweder, die Kaffeeliebhaber bringen sich ihren eigenen Mehrwegbecher mit, oder sie nehmen sich die Zeit, um ihr Getränk in einem Café in Ruhe zu genießen. So weit nichts Neues. Eine neue Alternative ist das seit Mai im Test befindliche System der Firma „ReCup“. Die von den beiden Gründern Fabian Eckert und Florian Pachaly entwickelte Idee wurde schon in Rosenheim erfolgreich umgesetzt. Dabei können Kunden in jetzt schon 170 Münchner Bäckereien und Café-Läden gegen einen Euro Pfand einen Mehrwegbecher mitnehmen. Wenn das Getränk leer ist, wandert der Becher nicht in den Müll, sondern zurück zum ReCup-Partner. Als Bonus obendrauf ist auch noch der Kaffee billiger. Die Becher sind gut 500 Mal verwendbar und bestehen aus dem Kunststoff Polypropylen. Was bedeutet, dass sie spülmaschinenfest, lebensmittelecht und auch noch gut recycelbar sind.

„Berge an Pappbechern haben uns gestört“

Die Idee kam den beiden Gründern im Studium. „Wir sind zwar faul, aber die Berge an Pappbechern an unseren Unis haben uns gestört“, sagt Florian Pachaly. Beide Startup-Chefs kannten sich nicht, hatten aber zum gleichen Zeitpunkt dieselbe Idee. Ein Professor brachte sie zusammen und nach ersten Versuchen in Rosenheim gewinnen sie nun in ganz Deutschland Anhänger für ihren Becher.

Rund 20 000 Becher sind in München schon im Einsatz. Vor allem Bäckereien und Tankstellen wollen sie für ihren ReCup begeistern. Dort entstehe am meisten Pappmüll. Eine Kooperation mit der Stadt besteht nicht, aber Reiter und Markwardt lobten das System am Freitag. Markwardts Zielmarke: Im kommenden Jahr, so hofft er, solle die Zahl der Einwegbecher nur noch fünfstellig sein.

Das sagen Bürger

Wladislaw Trautwein (19) Student aus Mallersdorf: „Ich kaufe öfters mal einen Kaffee für unterwegs. Ich habe eigentlich sogar einen Mehrwegbecher in meinem Rucksack, habe den aber ganz vergessen. Ich finde die Idee an sich aber super. Ich hoffe, dass die Kampagne auch in den sozialen Medien stattfindet. Bei Facebook könnte man mit kurzen Videos vor allem auch die jungen Leute gewinnen.“

Nadine Mundhenk (19) Schülerin aus München: „Eigentlich habe ich nicht so oft Lust auf einen Coffee-to-go. Aber ab und zu dann eben doch. Die Idee von „ReCup“ halte ich für sehr sinnvoll. Es passt einfach gut in unsere Zeit. Ich denke, dass sich vor allem Menschen dafür interessieren werden, die jetzt schon nachhaltig denken. Ich hoffe, dass sich noch mehr Läden in München dafür begeistern können.

Frank Klasen (49) Finanzfachwirt aus Prüm: „Bei uns auf dem Land habe ich leider noch keine Angebote für Mehrwegbecher gesehen. Ich finde die Idee an sich aber super. Die ReCup-Becher sehen auch gut aus und wirken wertig, das gefällt mir. Ich hoffe, dass sich das System auch bald weiter verbreitet, damit wir so etwas auch bald bei uns haben. Dann werde ich das bestimmt auch nutzen.“

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