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Wandelbar sind die Taschen, Gürtel und Rucksäcke von Lederschneiderin Claudia Denkhaus.

Aktionstag für kleine Läden

Schöner Shoppen im eigenen Viertel

München - Das eigene Viertel unterstützen: Mit einem Aktionstag haben kleine und individuelle Läden in mehreren Münchner Viertel um Aufmerksamkeit und neue Kunden geworben. Wir haben uns umgesehen - und viel entdeckt.

In den Regalen der schummrigen Werkstatt türmen sich rechts und links Hüte bis zur Decke: Damenhüte, Herrenhüte, rote, graue, elegante, klassische, Modelle mit Federn und solche gegen die Sonne. „Es gibt für jeden den passenden Hut“, sagt Brigitte Weinl. „Man muss sich nur darauf einlassen.“ Ihr gehört das Atelier „TraumWerkStadt“ an der Dreimühlenstraße in der südlichen Isarvorstadt. Weinl beteiligt sich wie viele andere Kunsthandwerker und Ladenbesitzer am „Tag des schönen Shoppings“. Die Aktion am Samstag sollte Lust machen auf persönliches Einkaufen abseits von Einkaufszentren und Ketten aus der Innenstadt.

In Haidhausen, Neuhausen, der Maxvorstadt und Schwabing, der Isarvorstadt, Hadern und Solln haben mehr als 50 Läden Flyer verteilt und Luftballons an ihre Türen gehängt. Manche bieten Kuchen und selbstgemachte Limonade an.

Die Leute fahren in die Innenstadt oder kaufen im Internet

Profitiert vom Wohlstand der Münchner: Goldschmiedin Juliane Krose.

„Ich hoffe, dass die Münchner mal in andere Viertel fahren und merken, dass es auch am anderen Ende der Stadt schöne Läden gibt“, sagt Juliane Krose. Die Goldschmiedin hat ihren Laden gegenüber von Weinls Atelier. Hier im Dreimühlenviertel sei München noch ein bisschen wie ein Dorf, sagt Krose. Es gebe kaum Laufkundschaft. „Die Leute, die hier wohnen, fahren in die Innenstadt zum Shoppen. Oder bestellen eben bei Zalando im Internet.“

Auch aus den anderen Vierteln kommen nur wenige Kunden. „Wir haben keine S-Bahn-Station und keine Parkplätze hier“, sagt die Goldschmiedin. Daher seien solche Aktionstage wichtig, um neue Kunden zu gewinnen. Krose fertigt ihre schlichten Schmuckstücke alle in Handarbeit. Dafür sei München eigentlich ein gutes Pflaster, es gebe viele Kunstinteressierte. „Für Handgemachtes brauchen die Leute die mentale Ausrichtung“ sagt Krose. Und das nötige Kleingeld: „Im Ruhrgebiet könnte ich so einen Laden nicht führen.“

Früher konnte sie vom Handwerk leben

„Es gibt für jeden den passenden Hut“: Modistin Brigitte Weinl im Fenster ihres Ladens. Die Nachfrage ist geschwunden. Doch Weinl hält durch, dank treuer Kunden.

Juliane Krose kann von ihrem Handwerk leben. Brigitte Weinl konnte das früher auch, aber seit etwa zehn Jahren ist das vorbei. Ihre Hüte kosten ab 200 Euro aufwärts. Aber: „Das, was man wirklich an Zeit investiert, bekommt man überhaupt nicht bezahlt“, sagt Weinl. Sie hat in den 1960er-Jahren ihre Lehre zur Modistin gemacht. Damals seien die Kunden noch im Frühjahr und im Herbst mit Taschen voller Hüte zum Ändern, Ausbessern und Aufbügeln gekommen. Ihre Stammkundschaft heute kauft alle paar Jahre einen neuen Hut. „Man muss schon durchhalten können“, sagt Weinl. „Du brauchst deine Fans.“

Fans, die die Wertigkeit des Handgemachten schätzen, im Gegensatz zur Industrieware. Das sehen alle Ladenbesitzer im Dreimühlenviertel so. Auch wenn die Läden hier Luxusprodukte anbieten, sie beleben das Viertel: „Wenn ich den Laden zumache, wird das ein Büro“, sagt Goldschmiedin Krose. Die Ladenbesitzer setzen auf die persönliche Beziehung zu den Kunden und ihre Beratung. Niemand hier hat einen Online-Shop. Sie fürchten die Zurückschick-Mentalität der Kunden. Aber nicht nur der Versand und der damit verbundene Zeitaufwand seien lästig: „Wenn ich etwas online stelle, gibt es das ein paar Monate später so ähnlich bei H&M“, argwöhnt Lederschneiderin Claudia Denkhaus.

Beim Spaziergang das Viertel neu entdecken

Ihre Taschen, Gürtel und Rucksäcke findet eigentlich nur, wer weiß, wo er suchen muss. In einem Hinterhof an der Ehrengutstraße führt eine Treppe in die Werkstatt im Keller. Hier ist alles voller wandelbarer Lederwaren: Wendegürtel, Handtaschen, aus denen Rucksäcke oder Aktentaschen werden. „Am liebsten würde ich die Tasche umdrehen können, und dann ist es eine Jacke“, sagt Claudia Denkhaus. Auch sie hofft, dass am Aktionstag viele Menschen aus dem Viertel ihre Werkstatt bei einem Spaziergang entdecken. Das einzige Problem an diesem Samstag: Das Wetter ist grau und zugig. Die Cafés am Roecklplatz und an der Ehrengutstraße sind gut besucht. Aber nur wenige Menschen sind auf den Straßen unterwegs. Die meisten frösteln. Ein Tag des schönen Shoppings sieht anders aus. „Richtig was los ist hier erst wieder“, sagt Goldschmiedin Juliane Krose, „wenn die Hofflohmärkte sind.“

Judtih Issig

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