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Der Angeklagte vor Gericht

Sextäter schockt vor Gericht

"Ich dachte, sie wollen vergewaltigt werden"

München - Vor dem Landgericht München I hat gestern der Prozess gegen den mutmaßlichen Sexualstraftäter Ibil B. begonnen, der sich im vergangenen Jahr innerhalb von 38 Stunden an zwei Frauen vergangenen haben soll.

Die Taten hat Ibil B. (39) gegenüber der Polizei bereits gestanden.

Wie berichtet, war Ibil B. seinem ersten Opfer am 1. August 2012 zu deren Arbeitsstelle in einem Bürogebäude gefolgt, um anschließend in einem Aufzug über sie herzufallen. Nur 38 Stunden später zog er eine 24-Jährige am U-Bahnhof Neuperlach-Süd in einen Busch und bedrohte sie mit dem Tod. Nur weil das Opfer sich vehement wehrte, ließ er schließlich von ihr ab. Tags drauf stellte die Polizei Ibil B. am Marienplatz.

Seither hat man ihn nicht mehr auf freien Fuß gesetzt. Zuerst in Untersuchungshaft, sitzt er heute in der geschlossenen Psychiatrie. Diagnose: akute schizophrene Psychose. Sein Geisteszustand ist geprägt von Wahnvorstellungen.

Der Prozess beginnt mit einer Erklärung von B.s Anwalt: „Mein Mandant bekennt sich schuldig im Sinne der Anklage und bereut zutiefst. Es tut ihm unendlich leid.“ Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet: Vergewaltigung und sexuelle Nötigung in Tateinheit mit vorsätzlicher Köperverletzung. Die Opfer sind nicht vor Ort, sie werden am kommenden Montag, dem zweiten und letzten Prozesstag, aussagen.

Was folgt, ist eine zweistündige Befragung durch Richter, Staatsanwaltschaft, Opfer-Anwälte und Gutachter, die B.s Leben bis ins Detail auseinandernehmen. Sein Lebenslauf liest sich so: Ibil B. wurde 1974 als Sohn türkischer Eltern in Bremen geboren und hat drei Geschwister. 1984 zieht die Familie nach München, Ibil B.s Schulzeit endet mit dem Hauptschulabschluss. 1994 beginnt er eine Lehre zum Kfz-Mechaniker, die er nach einem halben Jahr abbricht. Fortan geht er für BMW auf Montage. Er heiratet, wird Vater – und ist heroinabhängig. Außerdem hat er sexuelle Gewaltphantasien. B.s Frau weiß nicht, dass ihr Mann von devoten Frauen träumt, die sich würgen und schlagen lassen und das auch noch genießen. Weil er sein Drogenproblem aber nicht in den Griff bekommt, reicht sie 2003 die Scheidung ein, samt Kontaktverbot. Es ist der Moment, in dem Ibil B.s Leben aus den Fugen gerät.

Er kündigt und lebt fortan von Sozialhilfe. Er verschanzt sich in seiner Wohnung, duscht nur noch einmal monatlich, sieht lieber Tag und Nacht fern. Während sich der Müll in der Wohnung stapelt, werden seine psychischen Probleme immer schlimmer. Einmal rennt er vor lauter Wut mit dem Kopf gegen die Tür. Er sammelt hunderte Pornofilme, alle zwei bis drei Monate geht er ins Bordell, ansonsten vegetiert er auf dem Sofa vor sich hin – bis zum 1. August 2012.

Als die Staatsanwältin von Ibil B. wissen will, was vor den Taten in seinem Kopf vorgegangen sei, antwortet er: „Ich habe mir eingebildet, dass alle Frauen um mich herum wollen, dass ich sie vergewaltige.“ Für einen Moment herrscht eine unheimliche Stille im Gerichtssaal. Seine beiden Opfer, erklärt der Angeklagte, seien Zufallsopfer gewesen, unbekannte Frauen im Minirock, die, wie er dachte, Teil seines sexuellen Rollenspiels sein wollten. Dass sie schrien und sich wehrten, dabei habe er sich nichts gedacht. Schließlich, so B., sei das doch „Teil des Spiels".

Benjamin Krischke

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