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Kostbar: Der Reliquienschrein mit Bennos Gebeinen befindet sich im südlichen Seitenschiff des Doms. Eine Alarmanlage schützt den Schrein.

Heiliger Benno: Allerheiligen-Porträt

So wurde ein Sachse Münchens Schutzherr

München - Fisch und Schlüssel sind seine Symbole: Seit 1580 ist der Heilige Benno Schutzpatron der bayerischen Landeshauptstadt. Seine Reliquien befinden sich im Dom. Kurz vor Allerheiligen sind wir dort auf Spurensuche gegangen.

Da liegt er also, der Schädel des Heiligen Benno. Ein mit Perlen besticktes Seidengewebe verhüllt sein Gebiss und die Nasenlöcher. Nur die knöcherne Stirn und ein Teil seiner Augenhöhlen sind zu sehen. Seit 1580 befinden sich Bennos Schädel und einige seiner Gebeine im Liebfrauendom. Herzog Albrecht V. von Bayern hatte die Reliquie 1576 aus dem sächsischen Meißen nach München geholt – und Benno vier Jahre später zum Patron Bayerns und Münchens erklärt.

Was Allerheiligen und Allerseelen bedeuten

Neben Korbinian, dem Patron des Erzbistums, ist Benno der einzige Heilige, der beim Allerheiligen-Gottesdienst im Dom namentlich erwähnt wird. Eine große Ehre, die ihm, dem Begründer des Weinbaus an der Elbe, in der Stadt des Bieres zuteil wird. Wie kam es, dass ausgerechnet ein Sachse Schutzherr der bayerischen Landeshauptstadt wurde?

"Unser München": Münchner Stadtteile im Porträt

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Bennos Mantel wird in einem Schrank aufbewahrt. Dompfarrer Wolfgang Huber hat ihn für uns geöffnet.

Dem statistischen Amt der Stadt zufolge gibt es derzeit 312 Münchner namens Benno. Ein Modename ist die Kurzform von Benedikt also nicht. Früher war das anders. Zur Blütezeit der Benno-Verehrung um 1600 wurden zahlreiche Bayern auf diesen Namen getauft. Im Löwenbräu-Keller wurde 1910 sogar ein Sankt-Benno-Bier ausgeschenkt. Auch Benno Berghammer, der „Bulle von Tölz“, den Otti Fischer verkörperte, ist nach dem Heiligen benannt. Kein Wunder also, dass viele überrascht sind, wenn ihnen Dompfarrer Wolfgang Huber erzählt, dass Benno gar kein bayerischer Heiliger war. „Er hat auch nie in Bayern gelebt“, sagt der Geistliche.

Vom König des Hochverrats bezichtigt

Heilig: Ein mit Perlen besticktes Seidengewebe schmückt Bennos Schädel.

Benno wurde 1010 in Hildesheim geboren. 1066 wurde der Benediktinermönch und Sohn eines sächsischen Grafen Bischof von Meißen. 1075 bezichtigte ihn König Heinrich IV. des Hochverrats. Benno hatte sich geweigert, dem König im Sachsenkrieg Waffenhilfe zu leisten. „Benno war ein friedliebender Mensch“, erklärt Dompfarrer Huber. „Noch heute zeigt er uns, dass Konflikte nicht mit Waffen gelöst werden sollen.“ Im sogenannten Investiturstreit zwischen geistlicher und weltlicher Macht geriet Benno erneut in die Bredouille – und floh nach Rom.

Der Legende nach hatte Benno beim Verlassen seiner Bischofsstadt den Domschlüssel in die Elbe geworfen. Damit die gegnerischen Truppen das Gotteshaus nicht verwüsten konnten. Bei seiner Rückkehr aus dem Exil 1088 legte Benno eine Rast in einem Gasthaus ein. Dort wurde ihm ein Fisch serviert – in dessen Bauch sich der Schlüssel befand. Seither sind Fisch und Schlüssel die Attribute des Heiligen Benno. Sie zieren auch das Gittertor zur Benno-Kapelle im südlichen Seitenschiff des Frauendoms.

Ein Freund der Armen

Aus Walfischbein ist der Griff von Bennos Hirtenstab, der im Dom aufbewahrt wird.

Benno war bei den Gläubigen beliebt. Er kümmerte sich um die Armen. Er pflanzte bei Meißen die ersten Reben – und begründete damit den Weinbau im Elbtal. Er soll Wasser in Wein verwandelt und Brachen fruchtbar gemacht haben. Auch eine Quelle aus trockenem Boden soll er entsprungen lassen haben.

Bennos Heiligsprechung erfolgte 1523. Seine Reliquien wurden am 16. Juni 1524 feierlich im Meißener Dom erhoben – ein schlechter Zeitpunkt: Martin Luther, der im nahen Wittenberg lehrte, war der Benno-Kult ein Dorn im Auge. Der Reformator lehnte die Heiligenverehrung ab – und statuierte an Benno ein Exempel: Er bezeichnete seine Erhebung als „Narrenspiel“ und hetzte gegen den „Abgott“.

1539 wurde Meißen in der Folge eines Herrscherwechsels protestantisch – und Bennos Reliquien gerieten in Gefahr: Der neue Souverän ließ Bennos Grab im Meißener Dom zerstören. Bennos Gebeine sollten in die Elbe geworfen werden. Soweit kam es nicht. Zwei Bischöfe retteten die Reliquien samt Gewand, Mitra und Stab und versteckten sie.

Katholische Herrschen wollen Bennos Reliquien

Zahlreiche katholische Herrscher bewarben sich um Bennos Reliquien. Schließlich war die Reformation auf dem Vormarsch – die katholischen Herrscherhäuser bangten um ihren Einfluss. Mit der Überführung von Bennos Gebeinen wollten sie ein deutliches Zeichen für den Katholizismus setzen.

Den Zuschlag bekamen die Wittelsbacher. Feierlich wurden die Benno-Reliquien 1576 nach München überführt. Am Isartor wurde sogar eine Triumphpforte errichtet. Unter Glockengeläut wurden die Reliquien dann in die Hofkapelle der Residenz gebracht, vier Jahre später ebenso feierlich in den Frauendom. Anlässlich dieser Überführung wurde Benno zum Schutzpatron Münchens und Bayerns erklärt. Der Dom entwickelte sich in der Folge zu einem der meistbesuchten Wallfahrtsorte in Bayern.

Berichte über Wunderheilungen

Die Menschen baten den Heiligen Benno um Fürsprache bei Gott – und erfuhren offenbar seine Hilfe. In einem „Mirakelbuch“ ist etwa die Genesung der 40-jährigen Agatha Obermayr aus Wessobrunn dokumentiert, deren abgestorbener Fuß geheilt wurde.

Mit der Säkularisation ab 1802 ebbte der Benno-Kult wieder ab. Bennos Todestag, der 16. Juni, wurde als staatlicher Feiertag abgeschafft. Erst Ludwig I. erlaubte das Benno-Fest wieder. Es wird noch heute am 16. Juni gefeiert.

Von Bettina Stuhlweissenburg

 Heilige und Selige im Erzbistum München und Freising

Heiliger Korbinian (20. November)

ca. 680 bis ca. 728

Geistlicher Vater des Bistums Freising

Patron des Erzbistums München und Freising

Reliquien im Freisinger Dom

Heiliger Benno (16. Juni)

ca. 1010 bis 1106

Patron der Stadt München

Reliquien im Münchner Dom

Heiliger Lantpert (18. September)

ca. 895 bis 957

Bischof des Bistums Freising

Seliger Otto (7. September)

ca. 1112 bis 1158

Bischof des Bistums Freising

Heiliger Kastulus (26. März)

Reliquien in Landshut und Moosburg

Heiliger Quirinius (16. Juni)

Reliquien in Tegernsee

Heiliger Nonnosus (2. September)

Reliquien im Freisinger Dom

Heiliger Arsacius (12. November)

Reliquien in Ilmmünster

Heiliger Alto (9. Februar)

Einsiedler bei Dachau

Reliquien in Altomünster

Seliger Batho (30. Juli)

Priester in Freising

Reliquien in Nandlstadt

Selige Irmengard von Frauenchiemsee

(17. Juli)

Äbtissin in Frauenwörth im Chiemsee

Reliquien in Frauenwörth im Chiemsee

Heiliger Marinus und Heiliger Anianus

(15. November)

Bischof und Diakon, Einsiedler am Irschenberg Reliquien in Wilparting

Selige Maria Theresia von Jesu Gerhardinger

(9. Mai)

1797 bis 1879

Gründerin der Armen Schulschwestern

Begraben in der Klosterkirche St. Jakob am Anger in München

Seliger Kaspar Stanggassinger

(26. September)

1871 bis 1899

Priester im Redemptoristenorden

Begraben in Gars am Inn

Seliger Rupert Mayer (3. November)

1876 bis 1945

Priester im Jesuitenorden „Apostel Münchens“ Begraben in der Bürgersaalkirche in München

Selige, die im Konzentrationslager Dachau inhaftiert waren: Titus Brandsma; Bischof Michael Kozal; Karl Leisner; Otto Neururer; Stefan Wincenty Frelichowski; Gerhard Hirschfelder; Georg Häfner; Aloijs Andritzki; Carl Lampert

Selige 108 Märtyrer, Opfer des Nationalsozialismus, davon 44 gestorben im Konzentrationslager Dachau

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