Bio und mehr

Das Allgäu kommt nach München: Amazon und Feneberg starten gemeinsamen Lieferservice

  • schließen

Am Donnerstag startete die Kooperation zwischen Amazon Prime und dem Allgäuer Lebensmittelhändler Feneberg. Prime-Kunden können sich nun Bioprodukte vom Land binnen einer Stunde liefern lassen.

München - Für Hannes Feneberg, den Chef der Kemptener Supermarktkette Feneberg, ist es ein historischer Moment. „Der kleine Krämer aus dem Allgäu sitzt hier mit dem Weltkonzern aus den USA an einem Tisch“, sagt Feneberg. Gemeinsam mit dem Internetgiganten Amazon will Feneberg die Münchner für den Onlinekauf von Lebensmitteln begeistern.

Das Prinzip: Amazon-Kunden, die Prime-Mitglieder sind, können ab sofort 4000 Produkte – von Obst über Fleisch und Tiefkühlkost bis zu Drogerieartikeln – im Feneberg-Shop beim Schnell-Lieferservice Amazon Prime Now bestellen. Geliefert wird dann entweder kostenfrei innerhalb eines wählbaren Zwei-Stunden-Fensters oder für 6,99 Euro Lieferkosten innerhalb der nächsten Stunde. Kunden können dabei die Ladenschlusszeiten austricksen – denn geliefert wird von Montag bis Samstag zwischen 8 und 22 Uhr.

Beim Lebensmittelkauf sind die Verbraucher in Deutschland bisher noch zurückhaltend. Die Branche ist sich allerdings im Klaren darüber, dass sich diese Haltung schnell ändern kann. „Der Lebensmitteleinzelhandel steht vor großen Umbrüchen“, ist sich Hannes Feneberg sicher. Die gesamte Branche sei hoch nervös – weil niemand vorhersagen kann, wann und wieviel sich vom klassischen Ladengeschäft in den Onlinehandel verschiebt. Also basteln alle großen Ketten an ihren eigenen Onlineshops und Liefersystemen. Auch Feneberg experimentiert in München seit fünf Jahren mit dem eigenen Online-Lieferdienst Fresh-foods. „Dem fahrenden Zug hinterherlaufen, das würde uns aber nichts bringen“, ist Feneberg überzeugt. Aus dem Freshfoods-Lager in Laim holt Amazon die Ware ab und bringt sie zum Kunden.

Beim Besuch des Lagers sieht man, dass hier Welten aufeinanderprallen. In den Räumen von Feneberg sieht es aus wie in einem Supermarkt. Das Lager ist nach Produktarten geordnet, Kaffee neben Kaffee, Süßigkeiten neben Süßigkeiten – die Logik des Lebensmittelhändlers. Amazon dagegen ist vor allem ein Logistik-Riese. Die Waren lagern im Amazon-Imperium chaotisch – wo gerade Platz ist. Weil die Waren quer über die großen Lager verstreut sind, lassen sich die Touren der „Picker“, die die Pakete befüllen, optimal planen. Das Chaos spart also Zeit.

Beide Seiten können bei diesem Projekt voneinander lernen. Besonderes Augenmerk wollen die Partner dabei auf Produkte aus dem Allgäu legen. Diese vertreibt Feneberg in seinen Filialen unter der Marke „Von hier“. „Das ist eine Chance für regionale Geschäfte und Produkte“, hofft der Unternehmer. Auch für Amazon war die regionale Orientierung entscheidend. „Kunden schätzen es, wenn regionale Produkte direkt vom Händler schnell und einfach geliefert werden“, sagt Kai Rühl, Chef von Amazon Prime Now.

Bisher galt die Größe als das entscheidende Erfolgskriterium im Lebensmittelhandel. „Jetzt könnte es erstmals eine Chance sein, klein zu sein“, sagt Feneberg, mit 76 Filialen ein Branchenzwerg. Drei Filialen betreibt der Allgäuer in München. Mit dem Shop beim Marktführer Amazon hofft er auf eine Vielzahl neuer Kunden. Offenbar nicht grundlos. Als der Shop online ging, war der erste Käufer nicht wie üblich der Testkäufer von Amazon, sondern eine Familie, die Windeln und Lebensmittel bestellte.

Rubriklistenbild: © Amazon

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgesehene Videos

Video
Der Münchner Christbaum am Marienplatz steht
In den deutschen Großstädten werden schon die ersten Christbäume aufgestellt, so auch in München am Marienplatz.
Der Münchner Christbaum am Marienplatz steht
Video
Münchner Taxler protestieren gegen Uber und Co.
Den Münchner Taxifahrern stinkts gewaltig: die Umsätze sinken kontinuierlich und das vor allem wegen dem Anbieter Uber.
Münchner Taxler protestieren gegen Uber und Co.

Kommentare