Streitobjekt: Der Bodenbelag im Parkhaus der Allianz Arena ist Gegenstand eines Gerichtsprozesses. Foto: Oliver Bodmer

Allianz Arena: Ärger um Schachbrett im Stadion-Parkhaus

München - Ist sie nur hässlich oder ein Baumangel? Eine schachbrettartige Bodenbeschichtung im Parkhaus der Allianz Arena stört die Stadion GmbH. Sie verklagte den Bauträger Alpine.

Da sitzen sich zwei alte Bekannte im Gerichtssaal gegenüber: Auf der einen Seite die Stadion GmbH der Allianz Arena als Klägerin, auf der anderen die Alpine Bau Deutschland AG, Teil des österreichischen Alpine-Konzerns, als Beklagte. Heuer geht es allerdings nicht mehr um die Korruptionsaffäre rund um den Bau der Allianz Arena (siehe Box). Betreiber und Bauträger streiten vor dem Landgericht um den Zustand des Arena-Parkhauses: Schachbrettmuster oder ganzheitliche Bodenbeschichtung - das ist die Frage.

Konkret dreht sich der Streit um eine etwa 175 000 Quadratmeter große Fläche des Parkhausbodens. Die soll vor Chloriden, also Salzen, geschützt werden, die in den Boden eindringen und den verbauten Stahl rosten lassen können. Abhilfe schafft eine Beschichtung. Wie die aufzubringen ist, da gehen die Meinungen von Alpine und Stadion GmbH auseinander.

Alpine entschied sich auf Grundlage eines Gutachtens für eine schachbrettartige Beschichtung. Dabei wird die Fläche dauerhaft beobachtet und beanspruchte Bereiche werden bei Bedarf beschichtet. Laut Alpine ist damit zwar eine optisch nicht ganz überzeugende, aber funktionale und vor allem kostengünstige Variante gewählt worden. „Andernfalls müsste die Schicht nach fünf Jahren komplett erneuert werden“, konstatiert Alpine-Anwalt Hermann Röder. Mittlerweile sind rund 50 000 Quadratmeter beschichtet, weitere 50 000 sollen folgen.

Für die Stadiongesellschaft stellte sich diese Variante als wenig funktional heraus. Sie moniert, dass durch die gestückelte Beschichtung das Gefälle der Fläche gestört werde. Da die Schicht einige Millimeter dick sei, könne Wasser nicht ungestört ablaufen. Folgen machen sich etwa im Winter bemerkbar, wenn die Fläche zur Eisschicht werden kann. Ein weiteres Problem: Je nach Temperatur zieht sich Beton zusammen oder dehnt sich aus. Die Folge: Risse im Boden, die eine Beschichtung verhindern kann. Die Stadion GmbH fordert daher von Alpine, die vorhandene Beschichtung zu entfernen und eine neue, komplette Schicht aufzubringen. Kostenpunkt: fünf Millionen Euro.

Der Streit um den Boden währt bereits seit einiger Zeit und sollte eigentlich außergerichtlich beigelegt werden. 2010 - und damit in dem Jahr, in dem die Gewährleistungspflicht des Bauunternehmens auslief - hielten die Parteien in einer Vergleichsvereinbarung fest, dass ein Schiedsgutachter die Frage klären solle. Da allerdings beide Seiten einen eigenen Gutachter einschalteten, der je für die eigene Variante plädierte, blieb die Lösung des Problems aus: Keine der Seiten hätte wohl das Urteil eines dritten Gutachters akzeptiert, sofern die eigene Variante verneint worden wäre. „Das wäre rausgeschmissenes Geld“, sagt Alexander Scholz, Anwalt der Stadion GmbH. Sie klagte - sehr zum Ärger von Alpine, die weiter auf eine außergerichtliche Einigung pocht. Sollte die Klage abgewiesen werden, muss ein weiterer Gutachter aktiv werden - und im Zweifel landet der Streit danach erneut vor Gericht.

Alexandra Müller

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