Energie tanken: Ärztin Marlies Lincke und Heiler Santiago Guzman nehmen „göttliche Liebe“ auf.

Amma umarmt München

München - Mata Amritanandamayi, von ihren Anhängern nur liebevoll „Amma“ genannt, tingelt um die Welt, um Menschen zu umarmen. Die Inderin will ihre Liebe weitergeben – und so die Welt verbessern. Derzeit umarmt sie in München.

Es gibt Menschen, die können andere spielend leicht für sich gewinnen. „Amma“ ist so ein Mensch. Schon mit einem strahlenden Lächeln auf die Welt gekommen – so wird es jedenfalls erzählt – tourt sie seit Jahren um die Welt und gibt den Menschen mit einer herzlichen Umarmung ihre Liebe. Mittlerweile hat sie auf dem ganzen Globus eine beachtliche Pilgerschar, für die es das größte Glück ist, sich in Ammas Arme zu werfen.

Zum Auftakt ihres dreitägigen München-Besuchs kamen gestern hunderte Heilsuchende aus Deutschland und dem Rest der Welt ins Zenith. Sechs Stunden müssen sie an diesem Tag auf ihre Umarmung warten. Sie ziehen eine Nummer wie auf dem Amt und warten glückselig in einer Stuhlreihe. Es wird indische Musik gespielt und allerlei Esoterik-Düfte hängen in der Luft. Neben der Warteschlange werden Waren aus Indien feilgeboten. Von Schmuck und Kleidung, manches sogar schon einmal von Amma getragen – für viele Anhänger wertvoll wie eine Reliquie.

Amma selbst sitzt auf einem Sessel, umringt von mehreren indischen Begleitern. Es dauert etwas, bis man die kleine Frau in der gut gefüllten Halle erspäht hat. Das Lächeln auf dem runden, südindischen Gesicht ist schüchtern, aber voller Wärme. Die Menschen knien vor ihr, und während sie ihren Kopf in Ammas fülliger Brust vergraben, flüstert die 56-Jährige ihnen indische Mantras ins Ohr. Dann gibt es einen Schmatzer auf die Wange und ein Gutti in die Hand. Manche weinen an Ammas Brust.

Heidemarie Neulinger hat sich gerade umarmen lassen. Sie wirkt tief bewegt. „Es passiert innerlich so viel, wenn man umarmt wird“, sagt sie. Am Anfang, das heißt vor 20 Jahren, so lange pilgert sie schon zu Amma, sei sie schon etwas befremdet gewesen. Schließlich sei sie christlich erzogen. „Aber heute weiß ich: Es ist kein Widerspruch.“

Die Liebe, so sagt auch Amma, ist universell. Diese Liebe weiterzugeben ist das zentrale Prinzip der Inderin, die bürgerlich Mata Amritanandamayi heißt. Die sympathische Frau aus der Kaste der Unberührbaren fing schon früh an, in ihrer Umgebung zu helfen. Denn sie tut weit mehr als nur umarmen. Mit ihrer Hilfsorganisation „Mata Amritanandamayi Math“ ermöglicht sie es armen Kindern, zur Schule zu gehen, und gibt Obdachlosen ein Dach über dem Kopf. Finanziert werden ihre Projekte von den Spendengeldern aus ihren Umarmungs-Tourneen. Die Veranstaltungen organisieren ihre Anhänger ehrenamtlich.

Die Menschen begeistert, wie eine Einzelperson derartiges auf die Beine stellen kann. „Ich empfinde eine tiefe Dankbarkeit“, sagt Mahima Birgit Schnecke. Den ersten Namen hat sie einst von Amma erhalten. Heute ist sie hier, um ihren sechs Wochen alten Sohn Karl-Gustav segnen zu lassen. „Sie ist eine Heilige“, findet auch Marlies Lincke. Die Allgemeinärztin aus München geht seit vielen Jahren den „spirituellen Weg“. „Für mich ist Amma die Repräsentantin der Energie der Gottesmutter“, erzählt sie. „Ich kann mich an diese Energie anbinden und sie auf meine Patienten übertragen.“

So auch Santiago Guzman. Der spirituelle Heiler aus Mexiko tingelt um die Welt, um Menschen eine Verbindung zu ihrem Inneren zu ermöglichen. Für ihn ist Amma einfach „die pure Liebe“.

Dennis Mehmet Yücel

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