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Amoklauf am Münchner OEZ

Schüler tötete neun Menschen

OEZ-Amoklauf: Nun wird ein weiterer Mann angeklagt

Knapp zwei Jahre nach dem Amoklauf am Münchner Einkaufszentrum OEZ, wird nun ein weiterer Mann angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, dem Täter den Kauf der Tatwaffe ermöglicht zu haben. 

Mannheim - Gut zwei Jahre nach dem Amoklauf in München hat die Staatsanwaltschaft Mannheim Anklage gegen den Betreiber einer Internetplattform erhoben. Der Student soll dem Todesschützen den Kauf der Tatwaffe über die Plattform ermöglicht haben. Er wird wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung in neun und fahrlässige Körperverletzung in fünf Fällen angeklagt, wie die Behörde am Freitag mitteilte.

Der 18 Jahre alte Schüler David S. hatte am 22. Juli 2016 im Münchner Olympia-Einkaufszentrum acht Jugendliche und eine 45 Jahre alte Mutter erschossen, bevor er sich selbst das Leben nahm. Er benutzte dazu den Angaben zufolge eine halbautomatische Waffe sowie Munition, die er über die Plattform mit dem Slogan „Keine Kontrolle, alles erlaubt!“ bezogen hatte.

Die Staatsanwaltschaft erhob Anklage beim Landgericht Karlsruhe. Der 31-Jährige aus Karlsruhe sitzt in Untersuchungshaft. Er soll als alleiniger Administrator das von ihm erstellte Forum „Deutschland im Deep Web“ für Verkaufsgespräche bereitgestellt haben. Bei der auf größtmögliche Abschottung ausgerichteten und seit März 2013 betriebenen Online-Plattform handelte es sich laut Staatsanwaltschaft um eines der größten sogenannten Underground-Economy-Foren im deutschsprachigen Raum.

Wie viele solcher Plattformen es im Darknet gibt, ist unbekannt. Das Forum des Studenten mit zuletzt 23 028 registrierten Nutzern war laut Staatsanwaltschaft im Juni abgeschaltet worden. Die Plattform sei nur durch Spenden in der Kryptowährung Bitcoin finanziert worden.

Nach Ansicht der Ankläger hätte der 31-Jährige erkennen können und müssen, dass sich außerhalb des legalen, kontrollierten Waffenmarktes unzuverlässige und labile Menschen eine Waffe verschaffen können und diese auch zur Tötung oder Verletzung von Menschen - wie beim Münchner Amoklauf geschehen - nutzen könnten. Der Mann hat sich zu den Vorwürfen laut Staatsanwaltschaft noch nicht geäußert.

Der Angeschuldigte soll überdies ein Tauschgeschäft zweier halbautomatischer Kurzwaffen mit Munition ermöglicht haben. An diesem war nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft auch der mutmaßliche Verkäufer der Tatwaffe von München beteiligt. Deshalb wurde der Mann auch wegen des Verdachts auf Beihilfe zu Verstößen gegen das Waffengesetz angeklagt.

Weitere Vorwürfe betreffen etwa die Beihilfe zum vorsätzlichen unerlaubten Handeltreiben mit einer Schusswaffe in 17 Fällen, zum vorsätzlichen unerlaubten Erwerb einer halbautomatischen Kurzwaffe in acht Fällen und zum vorsätzlichen unerlaubten Erwerb einer Schusswaffe in neun Fällen. Allein fahrlässige Tötung wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet.

Lesen Sie auch: Amoklauf von München: Gutachten zu möglichen Motiven jetzt öffentlich

dpa

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