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Professor Klaus Hurrelmann.

Interview mit Jugendforscher Hurrelmann

Wie wird aus einem Schüler ein Amokläufer?

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München - Professor Klaus Hurrelmann ist Jugendforscher und Experte für Bildungspolitik. Für das Buch „Amok im Kopf – Warum Schüler töten“, das im Zimmer des Münchner Täters lag, schrieb er das Vorwort.

Wie wird aus einem Schüler ein Amokläufer?

Die Tat wird sehr lange vorbereitet, der Schüler analysiert exakt, was über gleichartige Fälle bekannt ist und verwendet das als Steinbruch für seinen Amoklauf. In München hat der Täter sogar ein Fachbuch in seinem Zimmer gehabt: Darin analysiert ein amerikanischer Kollege zehn Fälle – alle zehn Täter bereiteten sich ähnlich präzise vor.

Kann man so etwas nicht rechtzeitig bemerken?

Doch, kann man. Weil die Tat so lange vorbereitet wird, hinterlässt der Täter unvermeidlich viele Spuren. Familie, Freunde – wenn es sie denn gibt, weil die Täter oft sehr isoliert sind –, die Schulkameraden, die Lehrkräfte, Therapeuten. Sie alle könnten erkennen, dass der Täter etwas plant. Viele Beteiligte fassen sich im Nachhinein an den Kopf und sagen: Warum haben wir diese oder jene Bemerkung, den Hang zu Gewaltvideos nicht richtig eingeschätzt? Man muss schon sagen: Die Schulen haben nach Winnenden viel getan. Aber wir haben nie die Gewissheit.

Könnte die Tat in Würzburg – obwohl sie ganz anders war – Auslöser für den Amoklauf in München gewesen sein?

Der Auslöser nicht, aber das ist ein Hintergrundsummen. Nach so etwas wie Würzburg fühlt sich der Täter noch einmal bestätigt, er sieht, dass so eine Tat möglich ist. Auslöser liegen meist im direkten Umfeld, im Münchner Fall scheint das ja auf denfünften Jahrestag des Breivik-Attentats geplant gewesen zu sein. Da merkt man schon, dass das nichts Spontanes ist. Der Selbstmord ist übrigens auch typisch: Der Täter möchte seine Umwelt strafen, vernichten. Aber dazu gehört auch, dass er sich selbst strafen, schädigen und vernichten will.

Welche Rolle spielen Killerspiele?

Da wurde schon sehr viel gefunden in diesen Fällen, deshalb ist die Debatte berechtigt. Die Täter schauen sich auch Videos an, wie man Menschen vernichten kann. Und sie geraten damit in eine gefährliche Persönlichkeitsdynamik. Zwei bis drei Prozent reagieren krankhaft auf solche Spiele. Der Rest steckt das weg. Ob man ein Spiel so konstruieren kann, dass es für die kleine Risikogruppe nicht gefährlich ist, ist fraglich.

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