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OEZ-Amokläufer David S.

Ermittler sicher

OEZ-Amokläufer plante zweiten Anschlag

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Die Ermittler sind sich sicher: OEZ-Amokläufer David S. wollte ein zweites Blutbad anrichrten: In einem Münchner Jugendcafé.

München - Am Olympia-Einkaufszentrum hat David S. (†18) im Juli 2016 erst ein Blutbad angerichtet und sich dann selbst erschossen. Und: Der psychisch kranke Schüler wollte offenbar noch mehr Menschen ermorden. Vor Gericht kam gestern heraus: Sonboly hatte konkrete Pläne für einen weiteren Anschlag. Auch in der Moosacher Jugendfreizeitstätte Boomerang wollte er ein Blutbad anrichten – ganz in der Nähe des OEZ. Das sagte ein hochrangiger Ermittler der OEZ-Sonderkommission im Prozess gegen Waffenhändler Philipp K. (32) aus.

Demnach hatte Sonboly die Überlegungen zu dem weiteren Anschlag bereits auf seinem Computer gespeichert, später aber nicht mehr weiter verfolgt.

OEZ-Attentäter wollte auch in Münchner Jugendcafé zuschlagen

Wohl, weil er sich gezielt auf den Amoklauf am OEZ konzentrieren wollte, vermuten die Ermittler. Zunächst hatte Sonboly offenbar vorgehabt, potenzielle Opfer in das Moosacher Jugendcafé einzuladen. Dann entschied er sich aber für das McDonald’s. Warum der Amokläufer seine Pläne geändert hat, darüber rätseln die Ermittler noch.

Auch etliche Details zur Tat und deren Vorbereitung wurden am fünften Verhandlungstag des Prozesses bekannt. So hatte Ali David Sonboly den späteren Tatort zuvor mehrfach besucht und im Keller seiner Eltern das Schießen trainiert. 107 Hülsen fanden die Ermittler in der Dachauer Straße 39, wo Sonboly mit seinen Eltern gewohnt hatte. Sein Zimmer durften die Eltern nicht mehr betreten. Jetzt ist der Grund bekannt: Laut Ermittler hatte Sonboly dort die Waffe und die Patronen in einer Diddlemaus-Dose aufbewahrt.

Kurz bevor der Amokläufer seinen Waffenhändler in Marburg besuchte, sprach er ein etwa neunminütiges Memo in sein Handy – Worte voller Hass. „Ihr habt mein Leben zerstört, jetzt zerstöre ich euer Leben. Mit meiner Glock.“ Sonboly handelte aus Hass. In die Mobbing-Vorgeschichte gab der Ermittler gestern Einblicke: Besonders schlimm sei es zwischen 2005 und 2008 gewesen. Von Mitschülern wurde Sonboly nicht nur verprügelt, sondern auch gedemütigt und sogar geschminkt. Immer tiefer rutschte er in seine Welt aus Hass und Vergeltung ab – und drohte am 10. Juni 2016, als er die Fahrschule nicht bestand, den Prüfer zu erschießen. Eine Drohung, die nicht weiter verfolgt wurde. Sechs Wochen später lief Sonboly Amok – und schoss seinen Opfern auch aus nächster Nähe ins Gesicht, wie der Ermittler berichtete. Dabei schrie der Täter: „Ich hab’ gemacht, was ich seit acht Jahren tun wollte! Wegen euch musste ich leiden!“

Andreas Thieme

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