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Das Kriseninterventionsteam arbeitete die Nacht durch: Peter Zehentner (l.) und Alexander Neißendorfer.

Während des Amoklaufs von München

Hilfe nach der Tat: Die schwierige Arbeit der Notfallseelsorger

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München - Die Notfallseelsorger sind während und nach dem Amoklauf von München im Dauereinsatz. Dabei müssen sie auch einige schlimme Nachrichten überbringen.

Es ist zwölf Uhr mittags am Samstag. Alexander Neißendorfer (35) ist seit Freitag um 18 Uhr im Einsatz für das Kriseninterventionsteam (KIT) des Arbeiter-Samariter-Bundes. In dieser tragischen Münchner Nacht hat er viermal eine Todesnachricht an Angehörige der Opfer überbracht und zahlreiche Augenzeugen des furchtbaren Amoklaufs in der Werner-von-Linde-Halle betreut. Jugendliche, die sahen, wie Menschen erschossen wurden. Mütter, die ihre Töchter vermissen. Für die Familien der Opfer aber beginnt das psychische Martyrium erst. Alexander Neißendorfer beschreibt es so: "Plötzlich werden aus Vermissten Tote."

Am Freitagabend werden die psychologisch geschulten Notfallseelsorger gegen 18.20 Uhr von der Polizei benachrichtigt und kurz darauf offiziell vom Bayerischen Innenministerium angefordert. Peter Zehentner, Chef des KIT, zieht alle verfügbaren Kräfte zusammen - 30 Betreuer vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und 20 externe Helfer von anderen Organisationen.

Akutbetreuung am OEZ

Die Helfer sind zur Akutbetreuung in der Umgebung des OEZ und des McDonald's, wo die ersten Schüsse abgefeuert wurden, im Einsatz. In der Werner-von-Linde-Halle am Olympia-Gelände wird ein Nothilfezentrum eingerichtet. Etwa 200 Menschen stranden dort. Menschen, die von bewaffneten Polizisten aus dem OEZ eskortiert wurden. Darunter etwa 20 Leute, die den Amokschützen gesehen haben. Sie sagen: "Wir haben überlebt."

Mädchen weinen, schreien bitterlich. Eltern müssen ihre Kinder trösten, die KIT-Betreuer stehen dabei zur Seite. Zehentner sagt: "Wir sind da, um den Leuten ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Für jeden, der Angehörige vermisst oder trauert, ist es wichtig zu wissen: Es gibt jemanden, mit dem ich sprechen kann." Manche wiederum würden einfach nur unter Schock stehen und vor sich hin starren, berichtet Zehentner.

Neißendorfer hat zwischen 21 und 8 Uhr morgens traumatisierte und trauernde Menschen betreut. Irgendwann wird es zu viel: Er kann keine weitere Todesnachricht mehr überbringen. Menschen, die ständig per Handy ihre vermissten Angehörigen erreichen wollen - und niemand hebt ab. Und Polizisten, die dann berichten, sie hätten ständig in den Taschen der Toten Handys klingeln hören.

Klaus Vick

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