Vor dem Amtsgericht entschieden

Radler getötet: Berufskraftfahrer muss Schein abgeben

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München - Das Gericht spricht trotz drohenden Job-Verlusts vier Wochen Fahrverbot aus - „Wären Sie langsamer gewesen, hätten Sie noch bremsen können“.

Keine Vorstrafen. Keine Unfälle. Keine Punkte in Flensburg. Jahrelang war Roland H. (57) ein pflichtbewusster Arbeiter, tausende Kilometer weit steuerte er seinen Laster quer durch Deutschland. Bis ausgerechnet in Moosach Adolf H. (82) seinen Weg kreuzte: Am 25. Juni 2016 übersah der Berufskraftfahrer beim Rechtsabbiegen den Radler und überrollte ihn.

Für den Rentner endete der Unfall tödlich. Roland H. musste sich am Donnerstag vor Gericht wegen fahrlässiger Tötung verantworten. „Die Kollision wäre vermeidbar gewesen“, warf ihm die Staatsanwältin vor. An der Kreuzung zur Gröbenzeller Straße hätte Roland H. ihrer Ansicht nach anhalten müssen, als er abbiegen wollte. So hätte er den Radweg überblicken können. Tatsächlich fuhr er nach einer Ampelphase aber mit zehn bis 14 km/h los und erwischte den Radler, der seitlich neben ihm fuhr. „Es tut mir ehrlich leid. Ich habe ihn einfach nicht gesehen“, sagte Roland H. Der Blick in den Rück- und Seitenspiegel habe ihm nicht geholfen. „Die Sicht war so schlecht: Auch wenn er angehalten hätte, hätte er raten müssen, ob jemand kommt“, argumentierte Verteidiger Philipp Mohrschulz. Er führte den Berufungsprozess, in dem es nur noch um die Rechtsfolgen ging. Die Tat hatte Roland H. schon gestanden und 3600 Euro Geldstrafe kassiert.

Das Amtsgericht hatte gestern zu entscheiden, ob H. für vier Wochen seinen Führerschein abgeben muss. „Dann werde ich von meiner Firma entlassen“, sagte H. Auch ein längerer Urlaub werde ihm nicht gewährt, um das Fahrverbot auszusitzen. Die Richterin Miechielsen nahm darauf keine Rücksicht. „Hier ist ein Mensch zu Tode gekommen“, sagte sie. Roland H. hätte den Radler durchaus sehen können. „Wenn Sie langsamer gefahren wären, hätten Sie noch bremsen können.“ So hatte es im Prozess auch ein Gutachter gesehen.

Auch das Plädoyer des Verteidigers konnte die Richterin nicht umstimmen: Er hatte extra einen Selbsttest im Lkw gemacht, um die Gefahr einschätzen zu können. Roland H. beschrieb er als „korrekten Menschen.“ Er hatte vor Gericht das letzte Wort: „Diese Sache wird mich bis an mein Lebensende verfolgen“, sagte er mit Tränen in den Augen. 

Rubriklistenbild: © dpa

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