Verhandlung am Amtgericht

An der Staatsoper mit Drogen gehandelt: So fiel das Urteil aus

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München - Bühnen-Handwerker Sascha G. (41) ist vor dem Amtsgericht angeklagt: Er soll Haschisch, LSD-Trips und Kokain an Angestellte verkauft haben. So ging der Prozess aus. 

Es ist ein seltener Moment vor Gericht, wenn der Angeklagte sich persönlich an den Richter wendet. Doch das letzte Wort ist sein gutes Recht. Für Sascha G. (42) ist das sehr wichtig: „Ich habe mein Leben geändert“, beteuert er. „Ich habe heute einen festen Job, eine Frau und zwei Kinder.“ Tränen laufen ihm über das Gesicht, die Stimme stockt. Dann setzt er fort und fleht beinahe: „Ich bitte Sie inständig, von einer Haftstrafe abzusehen. Ich würde sonst alles verlieren.“

Eine gute halbe Stunde hat sich Richter Gerhard Simon am Dienstag beraten, dann fällte er sein Urteil: zwei Jahre Haft für Sascha G. – aber auf Bewährung. Der frühere Bühnen-Handwerker muss also nicht ins Gefängnis. Obwohl er an der Staatsoper einen Skandal ausgelöst hatte: Mehr als ein Jahr lang hatte er er dort ab Sommer 2013 mit Drogen gehandelt. Erst dann war er aufgeflogen und schließlich verhaftet worden. „Nicht nur auf der Bühne der Oper spielte sich Dramatisches ab, auch in den Arbeitsräumen dahinter“, fasste der Richter zusammen.

Etliche Fälle aus der Anklageschrift hatten sich zwar nicht bestätigt, am Ende blieben aber immer noch 14 Taten übrig, für die sich Sascha G. verantworten musste. „Sie lassen sich mit der wirtschaftlichen Not des Angeklagten erklären“, sagte der Staatsanwalt. Er hatte G. eine Serie von Verbrechen unterstellt, mit der er „Gewinne erzielen wollte.“ Im Plädoyer forderte er zwei Jahre und acht Monate Haft, denn der 42-Jährige habe zwar „nicht die ganze Oper versorgt“, aber doch erhebliche Mengen Marihuana verkauft – meistens am Arbeitsplatz. Kollegen hätten dadurch in seine Sucht mit hineingezogen werden können.

Am Ende stand die Staatsoper im Verruf – und hatte den Bühnen-Handwerker sowie den früheren Orchesterwart Ronald D. (48, Name geändert) entlassen. Er war einer der Käufer gewesen und deshalb im Sommer 2015 bereits zu einem Jahr und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Die Strafe wurde ebenfalls zur Bewährung ausgesetzt. Auch deshalb, weil er mit der Polizei kooperiert hatte und Sascha G. mit einem fingierten Drogen-Geschäft überführte.

Im Prozess vor dem Amtsgericht hatte G. sofort gestanden. Sein Verteidiger Stephan Horster führte zu seinen Gunsten an, dass erst der Jobfrust an der Oper zu den Drogenproblemen geführt hatte. „Seit einem Jahr führt er nun ein nachweislich drogenfreies Leben.“ Auch deshalb ließ der Richter Milde walten. Er beurteilte sowohl den Handel als auch den Besitz als „minderschweren Fall“.

Das ist, menschlich gesehen, ein erfreulicher Ausgang für Sascha G. Juristisch aber ist das Urteil speziell: Denn jeder kleinere Dealer muss in Bayern für fünf Jahre in Haft, sofern er neben den Drogen auch ein Springmesser besitzt, weil das als bewaffneter Handel gilt. Sascha G. handelte nur – aber ein Jahr lang. Er durfte nach dem Prozess nach Hause gehen. 

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