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Saß Andy Brehme am Steuer des Audis oder nciht? Der Fußballer sagt: "Nein".

In Gegenwart von Polizisten

Andy Brehme ohne Führerschein davongedüst?

München - Ex-Fußballprofi Andreas Brehme steht vor Gericht: Er soll ohne Führerschein am Steuer gesessen haben – und bestreitet das. Denn der Fall ist etwas mysteriös.

Ein berühmter Ex-Fußballer, zwei Polizisten und ein Chauffeur: Mit dieser Kombination hat es das Münchner Amtsgericht derzeit zu tun. Angeklagt ist der ehemalige Nationalspieler Andreas Brehme (52) – weil er ohne Führerschein Auto gefahren sein soll. Die Krux an der Sache: Niemand hat ihn am Steuer gesehen. Dennoch soll er 10.000 Euro Strafe zahlen. Brehme legte Widerspruch ein. Der Fall landete vor Gericht.

Andreas Brehme, der einst bei der Weltmeisterschaft 1990 den entscheidenden Elfmeter verwandelte, erschien nicht persönlich zum Verhandlungstermin am gestrigen Donnerstag. Sein Verteidiger Peter Pospisil sagte stellvertretend: „Mein Mandant ist an diesem Tag nicht gefahren.“ Vielmehr habe ein Chauffeur den Wagen gesteuert – doch auch den hat offenbar niemand gesehen. Selbst das Gericht kennt diese Version erst seit kurzem. „Wie Phönix aus der Asche“ sei der Fahrer aufgetaucht, bemerkte der Richter.

Die Ermittlungen kamen ins Rollen, nachdem zwei Verkehrspolizisten Brehme beim Falschparken erwischt hatten. Am 9. Juni 2012 waren sie beauftragt, die Leopoldstraße für das Streetlife-Festival zu räumen. Die Straße war an diesem Samstag gesperrt, es herrschte Halteverbot – doch auf Höhe der Hausnummer 52 parkte Andi Brehmes schwarzer Audi A7. „Wir haben das Auto eine Weile beobachtet und dann den Abschleppdienst gerufen“, berichtete der erste Polizist. In letzter Minute sei Brehme mit den Worten „Das ist mein Auto!“ zurückgekehrt. „Er sagte, er habe nur kurz in einem Fanshop einige Artikel verteilt“, erinnerte sich der Polizist. „Ich bin kein Fußball-Fan, ich kannte Herrn Brehme gar nicht.“ Wohl aber sein Kollege, der hinzu eilte – und mit dem Ex-Sportler ein Gespräch über Fußball begann. Brehme schenkte ihm sogar zwei T-Shirts aus seinem Fanartikel-Vorrat. Mehrfach habe er gesagt, er dürfe das nicht annehmen, beteuerte der Polizist, doch Herr Brehme habe darauf bestanden. Was die Beamten zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: Andi Brehme hat keinen Führerschein mehr, seit er im vergangenem Jahr in Garching mit 1,75 Promille am Steuer erwischt worden ist.

Die Polizisten nahmen seine Personalien auf. Danach habe Brehme es eilig gehabt: „Er sagte, er müsste zum Flughafen, um zur Fußball-EM in Polen und der Ukraine zu fliegen.“ Während sich der eine Beamte dem nächsten Falschparker zuwandte, redete der andere mit dem Abschleppdienst – und so verpassten beide den entscheidenden Moment, in dem Brehme in den Wagen stieg. „Als ich mich umdrehte, war das Auto weg“, sagte der erste Beamte. „Und der Herr Brehme war auch weg.“ Er muss gefahren sein, schlussfolgerten die beiden Polizisten – und erfuhren kurze Zeit später von dem Fahrverbot. Ein zweiter Mann, der als Chauffeur in Frage käme, ist keinem von beiden aufgefallen.

Dennoch rechnet sich Verteidiger Pospisil gute Chancen aus – denn offenbar kann niemand beweisen, dass Brehme gefahren ist. „Er ist doch nicht so dreist und fährt vor zwei Polizisten weg“, sagte der Anwalt. Entscheidend ist nun die Aussage des angeblichen Chauffeurs. Er soll am 18. Februar vor Gericht erscheinen.

Ann-Kathrin Gerke

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