Heiß umkämpft: Die alten Häuser an der Bad-Schachener-Straße (links) will die GWG abreißen und durch Neubauten ersetzen, wie sie bereits an der Krumbadstraße stehen (rechts). Die Bewohner laufen dagegen Sturm. Fotos: Klaus haag

Die Angst der Siedler vor dem „Plattenbau“

München - Barackenartige Vorkriegs-Bauten sollen in der „Maikäfersiedlung“ modernen Gebäuden weichen. Während die Planer mit Wohnkomfort locken, wehren sich die Bewohner gegen die „Kasernen“.

Den „Plattenbaustil der früheren DDR“ befürchtet die Interessensgemeinschaft (IG) Maikäfersiedlung in Berg am Laim. Schließlich stamme das Architekturbüro, das hier für die Gemeinnützige Wohnstätten- und Siedlungsgesellschaft mbH (GWG) die Neubauten gestalte, aus Cottbus, moniert IG-Gründer Heinz Gutbrunner. „Dort, wo ehemals Satteldächer und liebevoll gepflegte Gärten der historischen Arbeitersiedlung standen, sollen wohl nun kasernenähnliche Gebilde eine der schönsten Wohnsiedlungen Münchens umrahmen.“ Neben der Architektur kritisieren die „Maikäfer“ die geplanten Flachdächer, triste Fassadenfarben und angebliche Siebenstock-Hochhäuser. Beim Informationsabend mit GWG, Lokalbaukommission und Bezirksausschuss vergangene Woche sieht sich Gutbrunner in seiner Ansicht bestätigt, als eine Zeichnung gezeigt wird, auf der massive graue Kuben die Baumasse verdeutlichen sollen. „Kasernen“ schreit er aufgeregt durch den Saal.

Die GWG will darstellen, wie sie derzeit die Maikäfersiedlung modernisiert. Im Fall der aus den 30er-Jahren stammenden Häuser mit schlechter Bausubstanz und alten Sanitäranlagen heißt dies: Abriss und Neubau. Doch die Pläne kommen schlecht an. Ingrid Doffek beispielsweise regt sich über die Farben auf. Das geplante „Senfgelb“ sei nichts anderes als ein „hässliches Kackbraun“. Die Farbgebung sei noch gar nicht festgelegt, erklärt der GWG-Projektverantwortliche Edmund von Thermann und verspricht eine ansprechende Farbe - „so in Richtung warmer Terrakottaton.“ Die geforderten Satteldächer seien jedoch laut Bebauungsplan nicht möglich. Es habe geheißen, der Siedlungscharakter bleibe im Innenbereich bestehen, beharrt Doffek. Und die Krumbadstraße, an der nun als nächstes gebaut werde, gehöre eindeutig zum Innenbereich. Diesen Unterschied mache der Bebauungsplan nicht, versucht Thermann zu erklären. Dann müsse dies eben geändert werden, schimpfen die Anwohner. Mit derartigen Einwänden seien sie einfach zu spät dran, erläutert GWG-Geschäftsführer Dietmar Bock. Der Bebauungsplan sei seit fünf Jahren rechtskräftig. Bei den Bürgerbeteiligungen davor hätten solche Bedenken vorgebracht werden können. Bock tritt der Behauptung entgegen, es seien siebenstöckige Gebäude geplant. An der Bad-Schachener-Straße hätte man durchgehend viergeschossig bauen können; um mehr Licht in die Höfe zu kriegen, errichte man jedoch nur zwei bis vier Stockwerke. Lediglich als Abschluss zum U-Bahneinstieg sei ein fünfgeschossiger Turm geplant.

Alle Erklärungen helfen nicht viel. In einem Antrag an den Bezirksausschuss fordert Gutbrunner den sofortigen Baustopp und einen neutralen Untersuchungsausschuss. Zudem sollten die Häuser an der Bad-Schachener-Straße nur abgerissen werden dürfen, wenn spätestens vier Wochen danach der Neubau beginnt.

Carmen Ick-Dietl

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