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Neue Studie

Was Araber an München lieben

München - Sie kommen in immer größerer Zahl, kaufen gern ein und das immer öfter in der Fußgängerzone als in der Maximilianstraße: Eine Umfrage unter arabischen Touristen hat erstmals deren Kaufverhalten und ihre Vorliebe für München beleuchtet – mit überraschenden Erkenntnissen.

Vor allem im Sommer sind die arabischen Touristen nicht mehr aus der Innenstadt wegzudenken. 371 000 Übernachtungen von Gästen aus den Golfstaaten und Saudi-Arabien zählten die Münchner Hotels im vergangenen Jahr. Heuer waren es bis Ende Juni bereits 167 000 – ein Plus von 28 Prozent. Damit liegen die Araber auf der Tourismus-Skala auf Platz vier hinter den Besuchern aus den USA, Italien sowie Großbritannien und Irland. Grund genug für den Einzelhandel, mehr über das Konsumverhalten dieser wachsenden Kundengruppe zu erfahren.

H&M statt Dior

Die BBE-Handelsberatung hat erstmals mehr als 300 Touristen aus den Golfstaaten und Saudi-Arabien zum Interview gebeten. Mehr als die Hälfte (53,3 Prozent) der Befragten war zum ersten Mal in München. Doch auch die Zahl der Wiederkommer ist hoch: 25,8 Prozent waren schon drei Mal oder öfter hier. Die meisten sind im Urlaub (89,7 Prozent). 11,7 Prozent kommen wegen einer medizinischen Behandlung – wenig angesichts der Tatsache, dass der Araber-Zustrom in den 90er-Jahren genau damit begonnen hatte, dass sich reiche Scheichs in den Münchner Kliniken behandeln ließen.

Die überraschendste Erkenntnis der Umfrage: Wurden früher fast ausnahmslos die Edelboutiquen an der Maximilianstraße angesteuert, nannten jetzt 95,3 der Befragten die Fußgängerzone mit als beliebtestes Einkaufsziel. Nach Angaben von BBE-Geschäftsführer Joachim Stumpf hängt dies auch mit der veränderten politischen Lage zusammen: „Nachdem Syrien und der Libanon wegen der unsicheren Lage dort als Urlaubziele wegfallen, entdeckt die arabische Mittelschicht zunehmend München.“ Und für die seien eben nicht Dior und Prada interessant, sondern die mittelpreisigen Geschäfte in der Fußgängerzone. „Vor allem arabische Jugendliche wollen hier westlich einkaufen und gehen zu H&M oder New Yorker.“ Immer seltener tragen sie dabei ihre traditionellen Gewänder. Laut Umfrage wächst der Anteil der arabischen Gäste in westlicher Kleidung (58 Prozent).

Egal, wo sie einkaufen – Araber geben viel Geld aus. 94,4 Prozent der Befragten gaben an, vor allem fürs Shopping nach München gekommen zu sein. Im Schnitt bleibt ein arabischer Tourist neun Tage und gibt nur für Einkäufe täglich 274 Euro aus – die Mittelschicht rund 160, die Oberschicht rund 415 Euro pro Person und Tag. „Das ist exorbitant viel“, sagt Stumpf. Für den Münchner Einzelhandel bedeute das etwa 220 Millionen Euro Umsatz pro Jahr – etwa zwei Prozent des Gesamtumsatzes.

Auf der Einkaufsliste steht Kleidung an erster Stelle, gefolgt von Kosmetik und Geschenken. „Die Araber lobten die günstigen Preise, die große Auswahl an Geschäften und das Angebot an Markenware“, so Stumpf. An München schätzen sie vor allem die Sicherheit und die Lage. „Viele nutzen die Stadt als Drehscheibe, um in der Alpenregion Urlaub zu machen.“

Dirndl statt Burka

Als unkompliziert und umgänglich erlebt Eduard Schöwe, Geschäftsführer von Galeria Kaufhof am Marienplatz, seine arabischen Kunden. „Einmal kam eine Gruppe verschleierter Frauen in unsere Trachtenabteilung und alle wollten ein Dirndl kaufen“, erinnert er sich. „Wir schotteten die Umkleiden für sie ab, doch dann stürmten sie freudestrahlend in ihren Dirndln heraus, um sie sich gegenseitig vorzuführen.“ Extrawünsche seien selten. Wohlhabende Kunden schickten ab und zu mal den Chauffeur voraus, um einen Arabisch sprechenden Mitarbeiter zu organisieren – von denen es bei Kaufhof am Marienplatz 17 gibt.

Über Verständigungsprobleme und Unfreundlichkeit klagten die befragten Araber am häufigsten. Laut Schöwe seien daran oft „Berührungsängste“ schuld. Im Handel wolle man diese nun verstärkt abbauen. Von der Stadt indes wünscht man sich eine öffentliche Anlaufstelle für arabische Gäste und ein gezielteres Angebot auf der Internetseite der Stadt. Immerhin informieren sich laut Umfrage fast 60 Prozent der Reisenden vorab im Internet.

Doris Richter

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