Das Geschäft floriert: Arabische Kunden lassen viel Geld in München. foto: Gebhardt

Einzelhandel lockt Araber nach München

München bleibt das Shopping-Mekka

München - Das Geschäft mit arabischen Touristen boomt. Sie kommen zahlreicher nach München und lassen viel mehr Geld in den Läden als noch vor einigen Jahren. Das ist das Ergebnis einer Studie, die der Handelsverband vorgestellt hat.

Ernst Läuger beginnt seinen Vortrag mit einer Pointe. „Salem Aleikum“, sagt er zu den anwesenden Journalisten. „Grüß Gott.“ Der Präsident des Handelsverbandes Bayern (HBE) ist sichtlich zufrieden. München wird bei arabischen Touristen immer beliebter. Sie kommen zunehmend zahlreicher und sie geben auch viel mehr Geld aus. Dies belegt eine aktuelle Studie der BBE Handelsberatung, einer hundertprozentigen Tochter des HBE. Die Vergleichszahlen stammen aus dem Jahr 2012. Seitdem hat sich viel getan – zur Freude des Einzelhandels. „München wird immer mehr zum Shopping-Mekka“, urteilt Läuger.

Die Statistik belegt, was den Handel freut

Statistische Zahlen belegen diese Analyse. Sebastian Deppe, Mitglied der BBE-Geschäftsleitung, hat die aktuelle Studie am Mittwoch vorgestellt. Demnach geben arabische Touristen pro Person und Tag 367 Euro für Einkäufe aus. 2012 waren es noch 274 Euro. Die Aufenthaltsdauer hat sich von durchschnittlich neun auf 12,5 Tage erhöht. Shopping ist auch der wichtigste Beweggrund dieser Kundengruppe, nach München zu kommen. 96,6 Prozent bezeichneten dies als Hauptaktivität, noch vor Sightseeing (73,3 Prozent) und medizinischer Behandlung (15,8 Prozent). Das bevorzugte Preissegment ist beileibe nicht nur die Luxusmeile an der Maximilianstraße. Im Gegenteil: Zum beliebtesten Einkaufsziel haben sich die Geschäfte in der Fußgängerzone entwickelt. Die Maximilianstraße wurde 2012 noch von 69,4 Prozent der Befragten genannt, nun sind es nur mehr 43,8 Prozent. Läuger: „Selbst Außenlagen gewinnen an Beliebtheit.“

Der Präsident des Handelsverbandes Bayern spricht aus Erfahrung. Er ist gleichzeitig Chef des Lederfachgeschäftes Benno Marstaller, das in München vier Filialen betreibt. „Auch in Schwabing haben wir arabische Kunden.“ Besonders gefragt sind der Studie zufolge Kleidung und Kosmetikartikel. Von Januar bis Ende Juli 2015 übernachteten insgesamt 304 000 Menschen aus dem arabischen Raum in München. Das waren 21,5 Prozent oder 54 000 Übernachtungen mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die meisten Touristen kommen nach wie vor aus den USA.

München hat Federn gelassen - auf hohem Niveau

Eduard Schöwe ist Geschäftsführer von Galeria Kaufhof am Marienplatz. „Wir sind ein sehr internationales Haus“, sagt Schöwe. Das gelte sowohl für die Kundschaft als auch für die Belegschaft, die Schöwe zufolge aus 36 Nationalitäten besteht. Mehr als 50 Prozent der Kunden kommen zwar immer noch aus dem Umland oder aus der Stadt. Doch Chinesen, Russen und an dritter Stelle Araber – die wichtigsten Kundengruppen aus Nicht-EU-Staaten – tragen kräftig zum Geschäft bei. Der Schwung aus Nah- und Fernost ist für den hiesigen Handel eine willkommene Belebung. Denn die Übernachtungszahlen von russischen Touristen sind im ersten Halbjahr 2015 um bis zu 40 Prozent eingebrochen. Auch die Frequenz aus dem Münchner Umland ist Schöwe zufolge in den vergangenen zwei Jahren schwächer geworden, wobei der Kaufhof-Geschäftsführer versichert: „München hat auf höchstem Niveau Federn gelassen.“ Dennoch beteuern Läuger und Schöwe unisono: „Wir müssen das durch Touristen auffangen.“ Die Frequenz-Rückgänge in Innenstädten hat auch Deppe festgestellt. Der Internet-Handel spiele hier eine große Rolle.

Was die Kundschaft schätzt

Kaufhof-Chef Schöwe berichtet unterdessen aus dem Alltag. Sein Haus hat sich auf das Geschäft mit Kunden aus dem arabischen Raum eingestellt. Viele Mitarbeiter seien arabischer Herkunft und könnten sich mit den Kunden verständigen. „Das lieben die Leute“, erzählt Schöwe. Ein Trend, der durch die Ergebnisse der BBE-Studie belegt wird: Hatten im Jahr 2012 viele arabische Touristen die Sprachprobleme der Verkäufer beklagt, so werden laut Deppe nun auch die „netten Leute“ und die „angenehme Atmosphäre“ als positives Merkmal genannt. Wobei Schöwe betont, dass die arabischen Touristen auch die „Seriosität“ der deutschen Verkäufer schätzten. Ansonsten seien Kleinigkeiten wichtig wie etwa der Hinweis, dass in bestimmten Süßigkeiten Alkohol enthalten sei. Eine weitere Wahrnehmung Schöwes wird durch die Studie ebenfalls belegt. „Viele Frauen legen die Burka im Hotel ab und gehen in westlicher Kleidung durch die Stadt“, erklärt der Kaufhof-Geschäftsführer. Das Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit sei moderner.

Klaus Vick

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