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Vorarbeiter Zlatko P. (60, li.) wurde freigesprochen, Adem I. (39) und Dennis G. (33, re.) zu Geldstrafen verurteilt.

Mutter wütend: „Stefan hätte nicht sterben müssen“

Arbeiter stürzte in Isar, Kollegen reagierten nicht - Urteil gefallen

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Als Stefan Drescher im Mai 2015 in die Isar stürzte, reagierten seine Kollegen nicht, ließen ihn im Stich. Der 22-Jährige ertrank. Jetzt mussten sie sich vor Gericht verantworten.

München - Vier Wochen lang hatte Irmgard Drescher (56) gehofft und gebangt. Wo war ihr Sohn Stefan? Nach der Arbeit war er nicht nach Hause gekommen – keine Spur von ihm. Am 18. Juni 2015 dann die traurige Gewissheit: Der Bauarbeiter war in der Isar ertrunken, seine Leiche wurde an der Corneliusbrücke gefunden. „Da brach mir das Herz“, sagt die Mutter. „Ich konnte es nicht fassen.“

Die Umstände seines Todes beschäftigten am Montag das Amtsgericht. Dort waren drei Kollegen von Stefan angeklagt. Wegen unterlassener Hilfeleistung. Der Vorwurf: Sie sollen gesehen haben, wie er bei Hochwasser in die Isar fiel – aber ignorierten seinen Überlebenskampf. Und wählten nicht mal den Notruf! „Das wäre so einfach gewesen“, sagt Irmgard Drescher. „Stefan hätte nicht sterben müssen.“

Mutter Irmgard Drescher (56) vor Gericht.

Rückblick: Am 22. Mai 2015 war Stefan auf der Braunauer Brücke als Gleis-Bauarbeiter tätig. Während seine Kollegen Dennis G. (33) und Adem I. (39) ab sieben Uhr begannen, kam Stefan erst gegen 11:30 Uhr. „Ich merkte, dass er betrunken ist und gab dem Vorarbeiter Bescheid. Der schickte Stefan nach Hause“, sagt Dennis G. Aber Stefan blieb. Und lief zur Mitte der Brücke.

„Er stand am Geländer. Ich arbeitete weiter. Plötzlich sah ich ihn nicht mehr.“ Denn Stefan war an einem Netz heruntergeklettert – und hing über der reißenden Isar. Kollege Adem I.: „Wir hatten eine Wette: Für 100 Euro wollte Stefan in den Fluss springen.“ Eher ein Spaß. „Niemand dachte, dass er es wirklich tut.“

Sekunden später sehen die Kollegen nur noch, wie Stefan im Wasser davontreibt. „Ich rief ihm nach, er soll nach rechts ins flache Wasser schwimmen. Er war ein guter Sportler. Ich dachte, das schafft er.“ Hinterher springen? Das habe er sich nicht getraut. „Wir waren sicher, dass Stefan an der Wittelsbacher Brücke rausklettern kann“, sagt Adem I. Auch er rief keinen Sanka. Laut Anklage arbeiteten die beiden „stillschweigend weiter“. Vorarbeiter Zlatko P. (60) sagten sie kein Wort.

Bei der Trauerfeier an der Isar ließen Freunde und Angehörige Ballons für Stefan in den Himmel fliegen.

Doch die Schuld ließ die Bauarbeiter nicht los. Als Stefans Leiche auftauchte, stellten sie sich der Polizei. „Es tut mir so leid“, sagte Dennis G. Er muss 4500 Geldstrafe zahlen. „Wir werden das unser Leben lang ertragen müssen“, sagte Adem I. Er wurde zu 3750 Euro verurteilt. Zlatko P. wurde freigesprochen.

thi

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