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Auch die Altersarmut in München nimmt dramatisch zu.

Bilanz 

Armutsbericht 2011: Das Problem heißt weiterhin Armut

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München - Der letzte Armutsbericht für München 2011 brachte besorgniserregende Ergebnisse: Fast jeder Fünfte lebt an oder unter der Armutsgrenze. Die Stadt leitete daraus dringenden Handlungsbedarf ab.

Fast jeder fünfte Münchner kann das Leben in der Stadt nicht finanzieren. Mehr als 200 000 Menschen leben hier unter der Armutsgrenze, rund 50 000 am Rand der Armut: Diese erschreckenden Ergebnisse hatte der Münchner Armutsbericht 2011 zutage gefördert. Die Gefahr, in Armut abzurutschen, habe weiter zugenommen, sagte damals Sozialbürgermeisterin Christine Strobl (SPD). Vor allem kinderreiche Familien, Rentner, Alleinerziehende und Langzeitarbeitslose „leiden unter den hohen Münchner Lebenshaltungskosten“.

Kommendes Jahr steht der nächste Armutsbericht an. Höchste Zeit also für den Stadtrat, sich den Bericht von 2011 nochmal vor Augen zu führen, wie es der Sozialausschuss am Donnerstag vorhat. Denn darin stand auch, was die Stadt unternehmen müsse, um die Armut einzudämmen.

1987 hatte München als erste deutsche Stadt einen solchen Bericht vorgelegt. 2011 wurde dann Armut erstmals nicht an bundesdeutschen, sondern an Münchner Einkommensverhältnissen gemessen. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens der Bevölkerung hat. In München lag die Grenze bei 1000 Euro Netto-Monatseinkommen für einen Einpersonen-Haushalt (Bundesstatistik: 810 Euro).

Neue Zahlen gibt es noch nicht, die neuesten stammen von 2014 aus dem Geschäftsbericht des Sozialreferats. Doch aus den Ergebnissen des Armutsberichts hatte die Stadt einigen Handlungsbedarf abgeleitet – auch in der Sorge, dass sich mit Münchens rasantem Wachstum die Probleme ebenso rasant verschärfen könnten. Ein Dutzend Aufträge an die Verwaltung wurden formuliert. Was daraus geworden ist, was sich seither verbessert hat? Zwar schreibt das Sozialreferat in der Beschlussvorlage, dass "alle Handlungsempfehlungen aufgegriffen" worden seien. Doch die Bilanz fällt sehr durchwachsen aus.

Langzeitarbeitslose

• 2011 waren 14 000 Münchner seit mehr als fünf Jahren arbeitslos. Vor allem Kranken und Unqualifizierten bleibt der Weg in den ersten Arbeitsmarkt verwehrt. Insgesamt sind es aktuell 45 000 Arbeitslose. 6000 von ihnen haben aus Sicht der Stadt keine Chance, aus eigener Kraft wieder in Beschäftigung zu kommen.

• Der Stadtrat beschloss 2015 das Programm „Dritter Arbeitsmarkt“. Damit will die Stadt heuer die Entstehung von 100 sozialversicherungspflichtigen Jobs bei Wohlfahrtsverbänden finanzieren, zudem 100 Soziale-Hilfe-Stellen. Dafür gibt sie drei Millionen Euro aus.

Wohnungslose

• Bezahlbarer Wohnraum wird immer knapper, ebenso der Bestand an Sozialwohnungen. Die Zahl der Wohnungslosen stieg von rund 3050 (2011) auf 4570 (2014). Der Bericht besagte, dass arme Haushalte 50 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Kaltmiete aufbringen müssen.

• Der Stadtrat beschloss 2014, die Betreuung von Wohnungslosen neu auszurichten. Sozialarbeiter beraten Menschen, damit sie ihre Mietverhältnisse erhalten können. Nun sollen sie Wohnungslose auch dabei begleiten, wenn sie neuen Wohnraum suchen, etwa zu Besichtigungsterminen. Haben die Betroffenen eine Wohnung gefunden, betreiben Sozialarbeiter eine Nachsorge, bis sie sich wieder zurechtfinden. Zudem wird Wohnungslosen geholfen, Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe rasch wieder zu verlassen.

Kinder/Jugendliche

• In München wohnen immer mehr arme Kinder: 2005 lebten hier 17 700 Kinder von Hartz IV, 2011 waren es 21 000 und 2014 bereits 21 500. Familien mit zwei und mehr Kindern haben ein deutlich größeres Armutsrisiko. Und wer in Armut aufwächst, schafft es seltener auf weiterführende Schulen. Der Bericht forderte den damaligen OB Christian Ude (SPD) auf, auf die Bundesregierung einzuwirken, dass das Bildungs- und Teilhabepaket für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche verbessert wird, um gezielte Förderung frühzeitig zu ermöglichen.

Fachkräftemangel

• Ein Gesamtkonzept zur Gewinnung von Fachkräften bei Bildung, Erziehung, Gesundheit und Soziales gibt es nicht. Doch einige Maßnahmen wurden umgesetzt: Die Bezirkssozialarbeit sucht neue Mitarbeiter nach neuem Konzept. Für Erzieher gibt es die Arbeitsmarktzulage von 200 Euro. Und städtische Dienstkräfte sollen besser mit Wohnraum versorgt werden.

Senioren

• Die Altersarmut nimmt eklatant zu: 2006 bezogen erst 8700 Menschen über 65 Jahre Grundsicherung, 2011 waren es 12 500 und 2014 bereits 13 700. Hinzu kommt eine hohe Dunkelziffer, weil viele Betroffene ihren Unterstützungsanspruch aus Scham nicht wahrnehmen. Der Armutsbericht sah hier nichts, was die Stadt unternehmen könnte. Allerdings bietet sie Hausbesuche an: Sozialpädagogen schauen, ob Senioren Hilfe benötigen. Dabei stellt sich oft heraus, dass sie keine Grundsicherung beantragt haben.

Darüber hinaus formulierte der Bericht weitere Aufträge an die Stadt, die höhere Gesetzesebenen betreffen. Einige Dinge haben sich gelöst, etwa die Inklusion: Seit 2011 dürfen Kinder mit Behinderung die Regelschule besuchen.

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