+
Philharmoniker Veit Wenk-Wolff hat sein Cello extra umbauen lassen, um auf der Reise nach New York keine böse Überraschung zu erleben.

Edle Instrumente

Warum der Artenschutz den Philharmonikern das Reisen schwer macht

  • schließen

In vielen Musikinstrumenten ist das Tropenholz Palisander verbaut, seit Anfang des Jahres gelten dafür aber schärfere Bestimmungen.

München - Wer ein hochwertiges Musikinstrument aus Holz zu Hause hat, der könnte nun extra Unterlagen benötigen, ansonsten könnte das Instrument sogar beschlagnahmt werden. Grund ist das Washingtoner Artenschutzübereinkommen CITES. Gemäß dem Abkommen gelten seit heuer verschärfte Regeln für den Handel mit bedrohten Tropenhölzern. Und dazu gehört Palisander, der in zig Instrumenten verbaut ist, zum Teil nur in winzigen Mengen. Auch Münchner Weltklasse-Musiker hatten damit gerade ein großes Problem.

Von der Gitarre bis zum Cello, von Kastagnetten bis zum Klavier. Wenn man die verkauft oder damit auf Reisen geht, braucht man spezielle Unterlagen. Ein Riesen-Verwaltungsaufwand für Musiker, Musikhändler und Ämter. Die Münchner Philharmoniker sind momentan auf Konzertreise in New York – und die wäre an der Palisander-Verordnung beinahe gescheitert. Nur durch einen immensen Verwaltungsaufwand konnten sie starten und geben zum Beispiel am Mittwoch ein Konzert in der legendären Carnegie Hall: unter anderem mit Gustav Mahlers magischer 4. Sinfonie, dirigiert von Valery Gergiev.

Damit dies noch möglich wurde, musste das Orchester wegen der CITES-Verordnung für viele seiner Instrumente komplizierte Unterlagen beschaffen. Sonst wäre am Zoll Schluss gewesen. „Wir sind ganz arg am kämpfen“, sagte eine Sprecherin der Philharmoniker unserer Zeitung vor der Abreise. „Wir müssen bei allen Instrumenten abklopfen, ob sie problemlos einreisen dürfen.“ Geigenbauer sollten Gutachten erstellen, „declarations of materials“ mussten eingeholt werden. Das Bundesamt für Umwelt sollte den Instrumenten Unbedenklichkeitszertifikate ausstellen. Zur Not mussten Instrumente entweder komplett ausgetauscht oder das unerlaubte Holz entfernt werden. Wie etwa das Cello von Philharmoniker Veit Wenk-Wolff: Er ließ sein Instrument extra umbauen. All diese Prozeduren sind nicht nur nervenzehrend für die Musiker, sondern auch viel Arbeit für die Behörden.

Allein in der Unteren Naturschutzbehörde in München besteht seit Wochen ein extremer Verwaltungsaufwand, berichtet Verwaltungsoberinspektor Ingo Trömer. „Ende letzten Jahres wandten sich viele Bürger an die Untere Naturschutzbehörde mit der Absicht, Musikinstrumente anzumelden bzw. registrieren zu lassen.“ All die verunsicherten Bürger wollen genau informiert werden.

Zum Teil geht es bei den laut CITES kritischen Instrumenten nicht nur um Holz. Man glaubt ja nicht, was in einem Geigenbogen oder einer Trommel so alles verbaut sein kann: Walknochen, Elfenbein, Schildkröten-Schildpatt, Leder von Krokodilen, Schlangen oder Eidechsen.

Auch Musik-Geschäfte waren seit Bekanntwerden der neuen Verordnung am Rotieren. Laut Andreas Dick vom Musikhaus Hieber-Lindberg an der Sonnenstraße musste der gesamte Instrumenten-Bestand des Hauses im hauseigenen Computersystem auf den neuen Verwaltungsstand gebracht werden. Für jedes neu zu verkaufende Instrument müssen CITES-Nummern vermerkt werden sowie genau aufgeführt werden, welche Materialien darin in welchen Mengen verbaut sind. „Auch bei unseren Kunden herrscht nach wie vor Konfusion“, sagt Dick. Viele wenden sich an das Musikhaus, weil sie nicht wissen, was sie tun müssen.

Kevin Rodler vom renommierten Musikhaus Thomann in Burgebrach im Kreis Bamberg sagt, er sei seit November zu 80 Prozent seiner Arbeitszeit nur noch mit der Bearbeitung der neuen Verordnung beschäftigt gewesen. „Allein fünf Programmierer arbeiten bei uns daran, dass bei uns die zusätzlichen Daten registriert werden können.“ Rodler bringt es auf den Punkt: „Es ist schrecklich bürokratisch.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Oktoberfest: So reagieren Stadt, Polizei und Wirte auf die Anschläge
Nizza, Berlin, London – und nun Barcelona. Die Welt wird immer öfter von furchtbaren Lkw-Attentaten erschüttert. München hat im Vorfeld der Wiesn reagiert: Der …
Oktoberfest: So reagieren Stadt, Polizei und Wirte auf die Anschläge
Dem Terror entkommen: Diese Münchner erlebten den Anschlag in Barcelona 
Münchner berichten, wie sie in Barcelona den Anschlag erlebten – einige waren nicht weit vom Ort der Tat entfernt.
Dem Terror entkommen: Diese Münchner erlebten den Anschlag in Barcelona 
Isar: München verbietet ab Samstag Baden und Bootfahren
Das Landratsamt München hat am Freitagnachmittag mitgeteilt, dass das Fahren auf der Isar ab Samstag (19. August) verboten ist. Ebenso gilt ab Samstag, 00.00 Uhr, ein …
Isar: München verbietet ab Samstag Baden und Bootfahren
Das alles hat uns München am Wochenende zu bieten
Falls Sie am Wochenende in München sind und nicht wissen, was Sie machen sollen: Wir helfen Ihnen. Das ist die Liste der viel versprechenden Veranstaltungen in unserer …
Das alles hat uns München am Wochenende zu bieten

Kommentare