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Arzt verliert Rechtsstreit gegen Bewertungsportal

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© dpa

München - Ein Gynäkologe hat das Münchner Onlineportal jameda.de verklagt, weil er keine Bewertungen über sich im Internet lesen wollte. Der Arzt unterlag, die Bewertungen sind rechtens. Das Portal wächst unterdessen stetig – nicht alle Mediziner sind darüber erfreut.

Was wird im Internet nicht alles bewertet: Hotels, Bügeleisen, Imbissbuden. Fünf Sterne, soundsoviele Daumen hoch, 89 Prozent Weiterempfehlung. Vor dem Bewertungswahn sind auch Ärzte nicht sicher: Mehrere Onlineportale lassen ihre Nutzer Mediziner benoten – was denen mitunter gar nicht passt.

So regte sich auch ein Gynäkologe in Augsburg auf, als er im Januar 2012 Bewertungen über sich im Netz fand. Dabei waren die gar nicht schlimm: „Toller Arzt“, schrieb einer, „sehr zu empfehlen“ ein anderer. Nur ein Nutzer beschrieb die ärztlichen Leistungen mit „na ja“.

Aber dem Arzt ging es offenbar ums Prinzip, und so zog er gegen das Bewertungsportal jameda.de vor Gericht. Jameda ist die größte Arzt-Bewertungswebsite in Deutschland – 3,5 Millionen Besucher im Monat, tausende neue Bewertungen pro Woche. Klagen von Ärzten gibt es immer mal wieder, meistens verlieren die Mediziner – so auch der Gynäkologe aus Augsburg.

Die Begründung des Amtsgerichts München: Ein Ärztebewertungsportal ist zulässig, wenn eine Nachverfolgung bei beleidigenden oder rufschädigenden Äußerungen möglich ist. Und da Jameda von jedem Kritiker die E-Mail-Adresse speichert, können die Münchner Betreiber bei zweifelhaften Bewertungen Kontakt mit dem Verfasser aufnehmen – und gegebenenfalls die Bewertung löschen.

Grundsätzlich steht die Ärzteschar Bewertungsportalen nach eigener Aussage offen gegenüber. „Es müssen aber bestimmte Kriterien eingehalten werden“, sagt Wolfgang Rechl, Vizepräsident der bayerischen Landesärztekammer. Datenschutz, eindeutige Bewertungskriterien, eine gewisse Mindestanzahl von Bewertungen vor Veröffentlichung.

Jameda beispielsweise erfüllt die allermeisten der Kriterien. Trotzdem wenden sich regelmäßig Mediziner an die Kammer und klagen über schlechte oder ungerechtfertigte Kritiken im Netz. „Wir raten dann vom juristischen Weg ab“, so Rechl. Die Ärzte sollten sich lieber direkt an den Portalbetreiber wenden.

Deshalb gehen bei Jameda auch regelmäßig Beschwerden von Ärzten ein. „Jeder Arzt hat bei uns die Möglichkeit, Bewertungen prüfen zu lassen“, sagt Elke Ruppert, Sprecherin des Portals. Beklagt sich ein Arzt, nimmt Jameda per E-Mail Kontakt zum Verfasser der Bewertung auf. Meldet sich derjenige nicht oder scheint die Bewertung nicht plausibel, löschen Mitarbeiter den Beitrag. Dafür gibt es laut Ruppert bei Jameda ein eigenes, mehrköpfiges Team.

Und es gebe ja auch Mediziner, die von der Plattform ganz begeistert seien, Profilbilder hochladen und eifrig gute Noten sammeln. Ruppert hebt außerdem die Pionierleistung des Portals hervor: „Es gab vorher keine Möglichkeit zu sehen, ob ein Arzt seine Patienten zufriedenstellt“, sagt sie. Das Portal verzeichne deshalb wachsende Zugriffszahlen.

Auch Ärztevertreter Rechl stellt einen zunehmenden Einfluss solcher Portale fest – sagt aber auch: „Insgesamt ist das derzeit noch nicht erheblich.“ Patienten rät er, ihre Arztwahl nicht nur von Bewertungen abhängig zu machen.

Einer Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg zufolge hat mindestens ein Viertel der Befragten schon einmal ein Portal zur Arztsuche genutzt, und zwei Drittel derjenigen haben sich aufgrund der Bewertungen für einen Arzt entschieden. Kein Wunder also, dass Ärzte ihr Abschneiden im Netz sorgsam beobachten – juristisch dagegen vorzugehen, ist aber wenig aussichtsreich.

Moritz Homann

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