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Der Grünstreifen an der Herzog-Wilhelm-Straße: In diesem Bereich der kleinen Parkanlage saßen die beiden jungen Münchner in der Nacht auf Samstag, als sie angepöbelt wurden. Anschließend wurden sie geschlagen und getreten.

18-Jährigen fast tot getreten

Gewaltexzess: Bilder der Täter unter Verschluss

München - Unerklärlicher Gewaltexzess: In der Nacht zum Samstag ist in der Innenstadt ein junger Mann beinahe totgetreten worden. Die Schläger sind flüchtig, es existieren aber Bilder von ihnen.

Der Schüler war mit einem Freund auf einer Bank gesessen, als die beiden von einer Gruppe zunächst angepöbelt und dann geschlagen und getreten wurden. Die Täter sind flüchtig.

Für Nachtschwärmer ist der Parkstreifen an der Herzog-Wilhelm-Straße ein Rückzugsort. Wenige hundert Meter weiter, an Sonnenstraße und Sendlinger Tor, pulsiert in den Party-Nächten das Leben. Hier geht es ein bisschen ruhiger zu, hier ist man auch mal unbeobachtet. Zwei Schülern wurde diese Abgeschiedenheit in der Nacht zum Samstag zum Verhängnis. Sie wurden angepöbelt, geschlagen und getreten. Es hätte nicht viel gefehlt, und einer wäre gestorben.

Es ist Samstagfrüh, 1.40 Uhr: Nach den Erkenntnissen der Polizei sitzen die beiden einfach nur auf der Parkbank nahe dem Sendlinger Tor, ratschen, trinken etwas. Eine Gruppe von drei jungen Männern pöbelt sie an, sagt, sie sollten den Park verlassen. Es kommt zu einem Wortgefecht, die Schüler entschließen sich, lieber zu gehen. Doch die Männer folgen ihnen, der 17-Jährige bekommt einen Schlag gegen den Kopf. Er rennt weg. Als er sich umdreht, sieht er, dass sein Freund am Boden liegt. Mindestens einer der Angreifer tritt auf ihn ein. Der junge Mann wird lebensgefährlich verletzt. „Auf der linken Seite des Gesichts ist so ziemlich alles kaputt, was kaputt sein kann“, so drückt es Markus Kraus, der Chef der Mordkommission, am Sonntag aus. Die Männer bemerken offenbar einen zufällig vorbeikommenden Passanten und flüchten. Der Mann nimmt noch die Verfolgung auf, kümmert sich dann aber um den Verletzten und holt Hilfe. Das junge Opfer ist inzwischen außer Lebensgefahr, die Mordkommission ermittelt.

Nächtliche Straftaten an der nahe gelegenen „Party-Banane“, der Feiermeile zwischen Sendlinger Tor und Maximiliansplatz, hatten mehrfach für Debatten gesorgt. Markus Kraus schließt eine vorausgegangene Auseinandersetzung in einer Disko aber aus. Die Schüler hätten einfach nur auf der Bank in der Grünanlage gesessen.

Die ist in der Nachbarschaft berühmt-berüchtigt – für nächtlichen Lärm. „Die Leute grölen rum und pöbeln“, erzählt die Betreiberin eines nahe gelegenen Hotels. Ihre Gäste würden sich immer wieder beschweren. Als sie am Samstagmorgen um 7 Uhr zur Arbeit kam, war der Platz immer noch weiträumig von der Polizei abgesperrt. Sonst, findet die Frau, „tut die Polizei hier viel zu wenig“.

Möglich, dass sich das bald ändert. Münchens Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle kann sich gut vorstellen, dass die Polizei vorschlägt, auch hier zu filmen. Rund um das Sendlinger Tor sind verschiedene Bereiche mit Kameras ausgestattet, nicht aber der Grünstreifen.

Im konkreten Fall vom Wochenende hofft die Polizei jetzt auf Zeugenhinweise (Telefon 089/29 10 0 oder jede Dienststelle). Die Täterbeschreibungen der Mordkommission:

Täter 1: männlich, südländischer Typ, etwa 1, 75 bis 1,80 Meter groß, etwa 20 Jahre alt, dunkle, längere Haare, zur Tatzeit bekleidet mit schwarzer Jacke mit weißem Reißverschluss und schwarzer Mütze

Täter 2: männlich, etwaetwa 1,85 bis 1,90 Meter, bekleidet mit grauem Kapuzenpullover und schwarzer Schirmkappe mit roter Aufschrift

Täter 3: männlich, etwa 1,80 Meter groß, glatte kurze Haare, schlank.

Obwohl der Bereich selbst nicht mit Kameras überwacht wird, gibt es offenbar Videoaufzeichnungen von den mutmaßlichen Tätern – aus der nahen Tankstelle und vom Sendlinger Tor. Möglicherweise wird bald mit diesen Bildern nach den Tätern gefahndet.

Felix Müller

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