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Gewalt in der Öffentlichkeit

Brutale Attacken an der S-Bahn: Experte erklärt, wie es dazu kommt

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Zwei gewalttätige Attacken an S-Bahn-Stationen halten München derzeit im Atem. Hier erklärt ein Experte, wie es dazu kommen kann.

München - Warum neigen Menschen zu Gewalt in der Öffentlichkeit? Die tz hat bei Dr. Hans Peter Schmalzl nachgehakt. Der 62-Jährige ist Diplom-Psychologe im Polizeipräsidium München, berät die Beamten bei ihrer Arbeit und betreut Kollegen nach schwierigen Einsätzen.

Herr Schmalzl, warum werden Menschen gegenüber Fremden scheinbar grundlos gewalttätig?

Schmalzl: Aus der Sicht des Angreifers geschieht so etwas wohl nicht ohne Grund. Da können viele Faktoren eine Rolle spielen.

Am Montagabend hatte ein Mann am Ostbahnhof vollkommen grundlos einen 11-Jährigen attackiert.

Welche meinen Sie?

Schmalzl: Das kann von einer psychischen Störung über Alkohol- und Drogenprobleme bis hin zu einer existenziellen Lebenskrise wie etwa einer gescheiterten Beziehung oder einem verlorenen Job reichen.

Welche Rolle spielen dabei öffentliche Verkehrsmittel?

Schmalzl: In U- und S-Bahnen, aber auch in angrenzenden Bereichen, haben Menschen verstärkt mit Enge zu kämpfen. Man spricht dabei vom sogenannten Crowding (Anm. d. Red.: „crowd“ engl. für Menschenmenge) Das kann zum Stressfaktor werden.

Dr. Hans Peter Schmalzl.

Das rechtfertigt aber noch keinen Gewaltexzess…

Schmalzl: Das stimmt. Es ist keine Entschuldigung, vielmehr eine Erklärung. Jeder braucht seinen persönlichen Raum. Einige Menschen, gerade die mit den genannten Problemen, verkraften das Gedränge nicht. Dann reicht oft schon ein Berühren, ein Schubser oder der zu geringe Abstand zum Mitmenschen, um gewalttätige Reaktionen auszulösen.

Schon im Februar kam es am Rosenheimer Platz zu einer brutalen Prügelattacke. Nun hat die Polizei Fahndungsbilder veröffentlicht.

Dann könnte das auch auf großen öffentlichen Plätzen passieren?

Schmalzl: Nicht ganz so wahrscheinlich. Beispiel: Stellen Sie sich vor, Sie würden über den vollbesetzten Stachus laufen. Das dauert maximal ein paar Minuten. In einem Zug hingegen dauert eine Fahrt schon mal 20 Minuten. In dieser Zeit können sich Aggressionen aufstauen oder sich die Angst- und Panikzustände verschlimmern.

Gibt es noch andere Gründe?

Schmalzl: Momentan spielt die Hitze eine große Rolle. Hohe Temperaturen, gerade in der Innenstadt, setzen den Körper zusätzlich unter Stress.

Nimmt die Zahl der Fälle zu?

Schmalzl: Es lässt sich keine systematische Steigerung erkennen. Es gibt viel mehr brenzlige Situationen, die von Polizeikräften entschärft werden.

Rubriklistenbild: © Schlaf

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