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Auftakt für Milch-Lieferstopp - Bauern wollen notfalls lange kämpfen

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Neubeuern/München - Deutschlands Milchbauern wollen im Kampf um höhere Milchpreise nicht nachgeben und ihren Liefer-Boykott notfalls lange durchhalten.

Unter dem Motto "Jetzt geht"s los" kündigten am Dienstag mehrere Dutzend Landwirte bei einer der beiden bundesweiten Veranstaltungen im oberbayerischen Neubeuern nahe Rosenheim an, den Lieferstopp fortzusetzen, bis ihre Forderungen nach einem fairen Milchpreis erfüllt werden. Auf Transparenten hieß es "Milchlieferstopp - Ich bin dabei" oder "Bauern brauchen einen fairen Preis - 40 Cent pro Liter Milch". Bayerns Landwirtschaftsminister Josef Miller (CSU) äußerte Verständnis für den Protest der Bauern.

Derzeit erhalten die Landwirte in Deutschland zwischen 27 und 35 Cent pro Liter Milch, fordern aber mindestens 40 Cent je Liter. "Es tut mir mehr als leid, dass wir unsere Milch wegschütten müssen, denn es ist ein Lebensmittel, aber wir haben keine andere Möglichkeit", sagte Landwirt Josef Schneebichler, der die Protestaktion in Neubeuern organisiert hatte. Seine Ehefrau Christine ergänzte, die Teilnehmer an der Boykott-Aktion seien "nicht nur Spinner, das sind stinknormale Bauern". Aus Protest gegen die ihrer Meinung nach mangelnde Unterstützung sind die Eheleute vor einigen Wochen aus dem Bayerischen Bauernverband (BBV) ausgetreten. "Wir können die Politik des BBV nicht gutheißen", sagte die Bäuerin.

Schneebichler geht davon aus, dass etwa die Hälfte der Milchbauern in Bayern an dem Lieferboykott teilnimmt. "Das ziehe ich durch, bis die Milchindustrie einlenkt", kündigte der Landwirt an. "Wir müssen von der Substanz leben und können keine Investitionen machen", beschrieb Schneebichler seine Lage. "Ich erziele keinen Gewinn." Die Milch werde nun aus Protest teils an Kälber und Kühe verfüttert, "der Rest fließt in die Gülle und wird wieder auf die Felder ausgebracht". Der Landwirt ist sicher, dass die Industrie zum Einlenken gezwungen wäre, sollte der Liefer-Boykott flächendeckend nur vier Tage anhalten.

Auch andere Teilnehmer der Protestaktion kündigten ihren Austritt aus dem Bauernverband an. Der Landwirt und CSU-Ortsvorsitzende Georg Unterseher aus dem nahen Rohrdorf rechnet bei anhaltend niedrigen Milchpreisen mit Auswirkungen auf das Abstimmungsverhalten bayerischer Bauern bei der Landtagswahl in vier Monaten. "Ich habe immer wieder gesagt, dass die CSU ihre Politik auf die Bauern ausrichten muss", sagte Unterseher. "Jetzt habe ich große Sorge, dass die Linken in den Landtag kommen."

Der Rosenheimer Kreisvorsitzende der CSU-Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft und Neubeurer Bauer Josef Paul ergänzte: "Die Bauern sind CSU-Wähler, aber wenn sich die Partei nicht bewegt, sehe ich schwarz für die Landtagswahlen."

Bayerns Landwirtschaftsminister Miller kann den Unmut der Landwirte nachvollziehen. "Wir werden die Milcherzeugung in Bayern nur dann aufrechterhalten können, wenn unsere Milchbauern mit ihrer Arbeit auch ein ausreichendes Einkommen erwirtschaften können", sagte der Minister am Dienstag laut Mitteilung. Die Erzeuger bräuchten einen angemessenen Milchpreis, um ihre stark gestiegenen Produktionskosten zu decken, notwendige Investitionen zu tätigen und von ihrer Arbeit auch leben zu können. (dpa/lby)

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