Wollen den Elektroroller deutschlandtauglich machen: Pascal Blum (li.) und Elias Atahi präsentieren ihre „Unus“. Ganz einfach kann man sich die Batterie des Gefährts über die Schulter hängen, nach Hause tragen und dort an der Steckdose aufladen. foto: reinhard kurzendörfer

Zum Auftanken ins Wohnzimmer

München - Zwei Münchner bringen einen Elektroroller auf den Markt - Der Clou daran: Die Batterie lädt man an der Steckdose

Glaubt man den Herstellern, sind Elektrorroller umweltschonend, günstig im Verbrauch und das ideale Stadtgefährt. Warum haben sie sich dann aber in Deutschland noch nicht etabliert? Beim Blick auf Chinas Großstadt-Straßen wollen Elias Atahi und Pascal Blum die Antwort darauf gefunden haben. Jetzt bringen die beiden 25-Jährigen einen Elektroroller auf den Markt, bei dem man die Batterie ganz einfach zu Hause aufladen kann.

„Im Gegensatz zu China sind Elektroroller hier technisch erstens noch nicht überall nutzbar, sie sind doppelt so teuer und meistens hässlich. Diese drei Punkte wollten wir angehen“, sagt Atahi. Auf die Idee, einen eigenen Elektroroller zu entwerfen und zu vermarkten, waren die beiden jungen Männer gekommen, als sie in Asien studierten. „Schnell haben wir gemerkt, dass sie dort in puncto Elektrofahrzeuge sehr viel weiter sind. Und dass wir uns dort einiges abschauen könnten.“

Das ist zwei Jahre her. Zwei Jahre in denen viel passiert ist. Im Januar 2013 gründeten Atahi und Blum „Unu“ - nun hat das Münchner Start-up-Unternehmen den Verkauf seines gleichnamigen Elektrorollers gestartet.

In der internationalen Plansprache Esperanto bedeutet „unu“ einzigartig. „Das sind unsere Unus auch“, meint Atahi. Sowohl im Inneren als auch äußerlich. Denn: „Wir legen viel Wert auf Design“. Für die Entwicklung des Retro-Look-Rollers haben der Elektro- und Informationstechniker und der Wirtschaftswissenschaftler keinen Designer engagiert. „Wir beschäftigen uns viel mit Design, das machen wir selbst“, erklärt Atahi.

Auch seien ihre Roller vergleichsweise günstig, sagt der Wahl-Münchner, der aus Mainz nach Bayern gezogen ist. Dass man einen der zwischen 1000 und 3000 Watt starken Unus ab 1699 Euro haben könne, liege daran, dass die Gefährte direkt und nur auf Anfrage produziert werden. Bei der Fahrzeugbestellung haben Kunden die Wahl zwischen 13 verschiedenen Lackfarben, fünf Sitzbezügen sowie drei Motorisierungen. Und weil sie „ganz individuell zusammengesetzt werden, haben wir keine Kosten für Lagerung oder Zwischenhändler“, erklärt Atahi das Geschäftsmodell. Es dauere nur eine Woche, bis der Roller bis vor die Tür geliefert werde. Mit einem Gewicht von 66 Kilogramm ist der 45 km/h schnelle Unu relativ leicht und darf wie ein konventionell angetriebener Scooter in der 50-Kubikzentimeter-Klasse mit dem Auto- und Moped-Führerschein gefahren werden.

Und dann ist da noch das Argument der Aufladbarkeit. „Die Batterie hat eine Reichweite von mindestens 50 Kilometern“, meint Atahi. Und damit man so weit kommt, muss man nicht etwa an eine Tankstelle oder Ladestation - den Akku könne man ganz einfach in fünf bis sechs Stunden an einer haushaltsüblichen Steckdose aufladen, so das Versprechen der Hersteller. Gegen Aufpreis kann man zwei Batteriereihen nebeneinander legen - „damit schafft man schon bis zu 120 Kilometer“. Das zweite Akkupaket bieten die Jungunternehmer „auch aus psychologischen Gründen“ an. „Manche Leute fühlen sich sicherer, wenn sie wissen, dass sie noch eine Reserve haben“, ist sich der 25-Jährige sicher.

Zusammengesetzt werden die Unus an der Ostküste Chinas, denn „dort ist es derzeit am günstigsten“. Mittlerweile denke man aber schon darüber nach, aus Lieferzeitgründen eventuell nach Europa zu gehen. „Aber das ist Zukunftsmusik.“ Produziert werden die Einzelteile sowohl in Japan als auch in Frankreich. „Die Teile gibt es bereits, man muss das Rad ja nicht neu erfinden“, meint Atahi und ergänzt stolz: „Nur die Batterie haben wir neu erfunden“. Bei der EU kommt das Geschäftsmodell „Unu“ gut an: Atahi und Blum werden mit einem Stipendium unterstützt. Ab kommender Woche kann man sich einige der Roller zur Probefahrt ausleihen. „Da eröffnen wir unseren Pop-up-Store an der Türkenstraße 65.“

Andrea Steiler

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