Bewachter Abtransport: Die 44 Bulgaren mussten gestern die Heimreise antreten. Kurzendörfer

Ausgebeutete Arbeiter müssen zurück in ihre Heimat

München - Sie schufteten wie Sklaven auf einer Münchner Baustelle, bekamen erst kaum Geld und dann gar keines mehr. Jetzt wurden 44 Arbeiter aus Bulgarien mit 150 Euro abgespeist und auf die Heimreise geschickt.

Die Wahl war einfach: Entweder die Bulgaren gaben sich mit 150 Euro zufrieden und stiegen in den Bus nach Hause, oder die Baufirma würde von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und die 44 Arbeiter ohne Geld vor die Tür setzen. „Wir wollen einfach keinen Ärger mehr und gehen nach Hause“, sagte Lyubcho Kostadinov, einer der Arbeiter.

Damit ging gestern das Martyrium der Bulgaren auf der Baustelle des Luxushotels „Leonardo“ zu Ende. Sie hatten dort erst zu Hungerlöhnen, später ganz ohne Gehalt geschuftet, mussten sich ihr Essen erbetteln oder im Müll suchen (wir berichteten).

Schuld an den Zuständen soll der bulgarische Subunternehmer „Altona“ sein, bei dem die Männer angestellt waren. Der Generalunternehmer „Max Aicher Bau“ aus Freilassing will nichts gewusst haben. Inzwischen aber behauptet „Altona“ gegenüber dieser Zeitung, „Max Aicher Bau“ hätte zu wenig Geld überwiesen, weshalb man die Arbeiter nicht habe bezahlen können. Diesen Vorwurf weist Rupert Helminger, Geschäftsführer der Freilassinger Firma, energisch zurück. Man habe so viel Geld überwiesen, dass auch nach Abzug einer Gewinnmarge für den Subunternehmer noch mehr als der Mindestlohn von neun Euro für alle Arbeiter übrig geblieben wäre. Zudem hätten die Arbeiter unterschrieben, dass sie ihren vollen Lohn erhalten hätten.

Zoll-Sprecher Thomas Meister sagte, derzeit sei noch kein Ermittlungsverfahren gegen „Max Aicher Bau“ eingeleitet. Bislang habe man aber auch noch nicht mit dem Chef der bulgarischen Firma sprechen können. Ein Vorarbeiter, der nach der Razzia am Montag festgenommen wurde, ist weiter in Haft.

Die 44 Arbeiter wollen nun versuchen, ihren Lohn einzuklagen. Die Rechtsanwältin Bettina Ogidan will ihre Ansprüche sowohl gegenüber der bulgarischen Firma als auch „Max Aicher Bau“ geltend machen. Geschäftsführer Helminger sieht dem gelassen entgegen, schließlich hätten die Arbeiter zuletzt am 16. Oktober quittiert, dass sie ihr Geld bekommen hätten.

Laut Helminger mussten die Bulgaren die Baustelle räumen, weil man die Container für Arbeiter der Nachfolge-Firma brauche. Die Bulgaren entschieden sich wohl auch für die Heimfahrt und gegen eine Konfrontation, weil etwa ein Dutzend Sicherheitsleute der Firma „Securitas“ ihre Abreise überwachte – und versuchte, die Presse-Berichterstattung zu behindern. Das sei sicher im Übereifer geschehen, sagte Helminger, die Sicherheitsfirma habe nur Diebstähle verhindern sollen.

Philipp Vetter

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