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Kreativ in 90 Minuten: In Robert Webers Galerie kann man Fußball schauen, während Künstler sich von den Spielen inspirieren lassen.

Ein Kunstwerk in 90 Minuten

Ausgefallenes Kunst-Experiment während der WM

München - In der Maxvorstadt bringt der Galerist Robert Weber während der WM Fußball und Kunst auf eine gemeinsame Ebene. Wie das möglich ist:

Am Anfang musste Robert Weber Überzeugungsarbeit leisten. Am Anfang überwog bei manchen Künstlern die Skepsis: „Fußball ist nicht meine Welt“, habe er zu hören bekommen, berichtet der Galerist. Doch das Eis brach schnell, und nun ist die Aktion „One Game One Artwork“ startklar.

Während in Webers Galerie in der Maxvorstadt Menschen 90 Minuten lang Fußball schauen können, entsteht im selben Raum ein Kunstwerk – inspiriert durch die Live-Übertragung des Spiels. 20 verschiedene Künstler haben sich für 20 ausgewählte WM-Partien zur Verfügung gestellt. Einen Tag nach dem WM-Finale werden die Kunstwerke am 14. Juli von 17 Uhr an in der Galerie versteigert. 30 Prozent des Erlöses kommen dem interkulturellen Münchner Straßenfußballprojekt „Bunt kickt gut“ zugute.

Es ist – man darf es ruhig so formulieren – ein originelles Konzept, das sich wohltuend vom mittlerweile eher monotonen Public Viewing abhebt, aber wohl nicht gerade Sache des klassischen Fußballfans ist. Aber das macht ja nichts, und das wollte Weber auch gar nicht. Der Galerist, der Werbestratege Nils van Hoek und der Designer Stefan Melzer haben sich vielmehr bei der Umsetzung der Idee gefragt: „Was ist das verbindende Element zwischen Kunst und Sport?“ Weber gibt die Antwort selbst: „Es ist die Emotion.“ Der Unterschied: „Kunst passiert normalerweise nicht in der Öffentlichkeit.“ Nur das Ergebnis ist öffentlich.

Nun kommt also zusammen, was eigentlich nicht zusammengehört. Oder doch? Niemand mag bezweifeln, dass es filigrane, ja künstlerische Züge trägt, wenn etwa Lionel Messi den Ball streichelt. Es gibt sehr wohl Berührungspunkte. Robert Weber bezeichnet seinen Raum an der Gabelsbergerstraße als „Ist-Galerie, nah am Zeitgeist“. Und Fußball sei immer aktuell. Das zum einen, zum anderen gelte doch sowohl in der Kunst als auch beim Sport: „Man hasst etwas oder man liebt es.“ Die pure Emotion bewegt die Menschen in beiden Welten. „One Game One Artwork – 90 Minutes“ ist eine Art Dreiecksbeziehung. Man kann Fußball schauen und den Künstler bei seiner kreativen Arbeit beobachten. Die Gesamtschau wird per Webcam ins Internet übertragen und aufgezeichnet – 90 Minuten Live-Performance im Netz.

Was werden die internationalen Künstler nun schaffen, wenn sie Brasilien gegen Kroatien, wenn sie Spanien gegen die Niederlande oder wenn sie Deutschland gegen Ghana schauen? Inwieweit inspirieren die Nation, der Spielverlauf oder die Reaktionen der Zuschauer die kreative Arbeit? Robert Weber schmunzelt. Er weiß es natürlich nicht. Niemand weiß es. Das ist das Spannende. Genauso wie niemand vorher weiß, wie ein Fußballspiel ausgeht. Sonst würde es die Massen nicht begeistern. Manche Künstler, erzählt Robert Weber, hätten spontan gesagt: „Da fällt mir sofort etwas ein.“ Andere hätten Respekt vor dem Zeitdruck und der Öffentlichkeit. Wieder andere hätten ihm beschieden: „Mensch, du bist echt verrückt.“ Für Weber nur zusätzliche Motivation. Denn: „Darum geht es mir auch ein bisschen.“

Wer zur Live-Performance kommt? Die TrashArt-Künstlerin Adler A.F. macht den Auftakt zum Eröffnungsspiel Brasilien gegen Kroatien, der Schriftsteller Nikolai Vogel beehrt die erste deutsche Auftaktpartie gegen Portugal, der Bildhauer Carlos Freire aus Brasilien hat sozusagen ein Heimspiel beim Aufeinandertreffen der Selecao gegen Mexiko, der Münchner Maler Denis Stepanovic hat den Zuschlag für das Finale bekommen. Weitere Künstler aus Spanien, Österreich, Frankreich oder den USA werden „One Game One Artwork“ begleiten, genauso wie die Münchner Lokalmatadoren Marc Aurel oder Gerd Scheuerer. Wer mehr wissen will, findet Termine und Informationen im Internet (www.onegameoneartwork.com).

Klaus Vick

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