Kritik am Semesterticket des MVV

Im Ausland studieren, in München zahlen

München - In München wird Kritik am Semesterticket des MVV laut: Alle Studenten müssen zahlen – auch, wenn sie monatelang nicht in der Stadt sind.

Ein Semesterticket für Studenten der Münchner Universitäten kostet 141 Euro, egal ob man nun im Stadtzentrum oder beispielsweise im Landkreis Erding wohnt. Dazu kommt für alle Studenten ein verpflichtender Sockelbeitrag in Höhe von 59 Euro. Das Kuriose: Auch für Studenten, die ein Auslandssemester absolvieren, ist dieses Grundticket Pflicht. Ein Umstand, der für Ärger sorgt.

Patrick Drell (25) zum Beispiel wird auch in diesem Semester wieder Geld für ein Ticket bezahlen, das er überhaupt nicht benutzen kann. Er studiert in Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen und braucht das Ticket derzeit nicht. Seit Patrick vor über sieben Monaten sein Auslandsstudium begonnen hat, war er nicht mehr im 840 Kilometer entfernten München.

Wie Patrick müssen etwa 1500 Münchner Studenten jedes Semester ein Ticket kaufen, dass sie während ihres Auslandsstudiums nicht nutzen können. Denn wer an einer der drei großen Münchner Universitäten eingeschrieben ist, muss den verpflichtenden Sockelbeitrag bezahlen. Eine Befreiung gibt es nur für Gasthörer und schwerbehinderte Studenten, die bereits ein anderes Ticket besitzen. Durch die abwesenden Studenten verdient der MVV so jedes Jahr einen sechsstelligen Betrag.

Studentenvertreter kritisieren das: „Wir hätten schon gerne, dass Studenten im Ausland vom Sockelbeitrag befreit werden”, sagt Sandro Steger von der StuVe der Hochschule München. In der Umsetzung sei das aber schwierig. „Eine Befreiung müsste voraussetzen, dass Studenten wirklich das gesamte Semester im Ausland verbringen, inklusive der Semesterferien. Da ist der Nachweis schwierig.”

Austauschstudent Patrick ärgert besonders, dass er jetzt doppelt für Bus und Bahn bezahlen muss: In München und in Kopenhagen. Gleichzeitig verdient der MVV an den Austauschprogrammen: Denn auch ausländische Studenten, die für eine begrenzte Zeit nach München kommen, müssen das Grundticket erwerben. Das Studentenwerk München verteidigt allerdings dieses Modell: „Es handelt sich um einen Solidarbeitrag, der das Semesterticket für alle Studierenden an den Hochschulen überhaupt erst ermöglicht”, sagt Sprecher Ingo Wachendorfer. Zudem würden auch Austauschstudenten vom Grundticket profitieren, zum Beispiel bei Fahrten zum Flughafen.

Das Münchner Semesterticket steht aber noch immer auf eher wackeligen Beinen. Jahrzehntelang war München die einzige deutsche Großstadt, die ihren Studenten kein eigenes Ticket anbieten konnte. Erst Ende 2012 verständigten sich der MVV und die Universitäten mit den Studierenden auf eine Lösung. In einer Urabstimmung hatten damals Studenten der LMU, der TU und der Hochschule München für die Einführung eines Sockelmodells gestimmt. Seitdem bekommt jeder Student für den verpflichtenden Grundbetrag (59 Euro) ein „Feierabendticket“. Es erlaubt Fahrten im gesamten MVV-Netz, allerdings erst nach 18 Uhr und am Wochenende. Rund um die Uhr kann man die öffentlichen Verkehrsmittel jedoch nur nutzen, wenn man die 141 Euro für die „IsarCard Semester“ bezahlt.

„Ich habe damals sogar für das Semesterticket gestimmt“, erklärt Patrick. „Aber es war nie die Rede davon, dass wir im Ausland auch etwas zahlen müssen.“ Vielen Studenten erging es ähnlich, sie fühlten sich über den Tisch gezogen. Nach mehreren Anfragen stellte die Verwaltung der LMU in einer Rundmail deshalb klar: „Den zusätzlichen Beitrag für das Semesterticket müssen alle Studierenden jedes Semester entrichten, auch im Fall einer Beurlaubung vom Studium.“

Ob das so bleibt, ist indes fraglich. Ende November werden Vertreter des MVV mit den Universitäten und den Studenten die weitere Zukunft des Semestertickets beraten. Studierenden-Vertreter möchten sich dann wieder für eine Befreiung im Auslandssemester einsetzen. Student Patrick wird das nichts mehr nützen. Sein Auslandsjahr endet im September.

Jannik Pentz

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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