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Museumsleiterin Sabine Rinberger will die Geschichten aus dem Museum nach draußen tragen.

Ausstellung im Valentin-Karlstadt-Musäum

Stadthistorie: Das Isartor als Tor zur Vergangenheit

München - Einen tiefen Blick in die Münchner Stadthistorie gewährt die Sonderausstellung „Das Isartor – Geschichte & Geschichten“ im Valentin-Karlstadt-Musäum. Am Donnerstag eröffnet, informiert die Ausstellung noch bis zum 6. November über Hintergründe und Bedeutung des Isartors.

Wer heuer den Innenhof des Isartors betritt, steht bereits mitten in der neuen Ausstellung des Valentin-Karlstadt-Musäums. An insgesamt vier Gerüstwürfeln zeugen große Plakatbanner von bedeutsamen Ereignissen und Abschnitten aus der Historie des altehrwürdigen Münchner Wahrzeichens. Ein Appetithäppchen, das Lust auf den Rest der Sonderausstellung machen soll.

1945 führt der Blick vom Uhrturm des zerstörten Isartors auf ein München in Trümmern. Erst in den 1970er Jahren wurde das Isartor rundum saniert.

„Die Idee dahinter ist, die Geschichten, die wir in unseren Räumlichkeiten erzählen, auch nach draußen in den öffentlichen Raum zu tragen“, sagt Sabine Rinberger, Leiterin des „Musäums“. Nicht umsonst sei dieser Innenhof der Startpunkt so mancher Stadtführung.

Tatsächlich hat das Isartor schon ein beträchtliches Maß an Stadtgeschichte miterlebt: Bereits 1337 wurde es gebaut, mit ihm ließ Kaiser Ludwig IV. den zweiten Befestigungsring des mittelalterlichen München abschließen. Schnell wurde das Isartor zum wichtigsten Zugang zur Stadt. „Weil hier von Osten her die Salzstraße entlangführte“, so Rinberger. Damals mussten also alle Salztransporte die Zollstation am Isartor passieren – sie machten München dadurch zu einer wohlhabenden Stadt.

Alles Salz, das das Isartor passierte, musste dort erst einmal abgeladen, verzollt und zum Verkauf angeboten werden, bevor es weitertransportiert werden konnte. „An dieser Stelle begann der Reichtum Münchens“, so Rinberger.

In seiner Funktion als Stadttor ist das Isartor jedoch auch zur Trennwand zwischen den Gesellschaftsschichten geworden. „Vor dem Tor, also in der buchstäblichen Vorstadt, haben damals Tagelöhner und Diebe gelagert.“

Außerdem hätten in der Vorstadt viele Bauarbeiter gewohnt. Diese hätten nur im Sommer Arbeit innerhalb von München gefunden, im Winter hätten sie nichts verdient. Dementsprechend war das Klima vor dem Isartor von Alkoholismus, Kriminalität und rauen Umgangsformen geprägt. „In kürzester Zeit waren die Vorstädter als Räuber, Diebe und ungehobelte Personen verschrien“, sagt Sabine Rinberger. Als im ausgehenden 18. Jahrhundert die Befestigungswälle abgerissen wurden, verkam das Isartor zur Ruine.

Dass es nicht ebenfalls weichen musste, sondern – im Gegenteil – 1835 renoviert und neu gestaltet wurde, ist König Ludwig I. zu verdanken. Er beauftragte den Baumeister Friedrich von Gärtner, der dem Isartor sein heutiges Aussehen verlieh. So wurde es zum Nationaldenkmal.

Das Isartor im Stadtmodell von Jakob Sandtner, aus dem Jahr 1570.

„1923 ist im Südturm dann die erste Münchner Volkshochschule eingezogen“, so Rinberger. „Hier wurde der Volksbildung zum ersten Mal ein richtiger Raum gegeben.“ Und zwar in Form von sechs Studierzimmern, mehreren Toiletten und einem großen Vortragssaal im Turmstüberl. „Da gab es zum Beispiel einen Kurs für Hausfrauen: ’Wie werde ich glücklich ohne Geld?’“

Am 3. Oktober 1943, im Zuge des Zweiten Weltkriegs, wurde das Isartor zerstört. Von 1946 bis 1957 stellte man es auf eher notdürftige Weise wieder her. Die verbleibenden Baumängel wurden erst restlos behoben, als man das Isartor Anfang der 1970er Jahre rundum sanierte.

Das Valentin-Karlstadt-Musäum selbst hielt 1959 Einzug in das Bauwerk, das Sabine Rinberger zufolge „das einzige begehbare Stadttor“ ist. Wer über dessen Geschichte schon immer mehr erfahren wollte, hat im Valentin-Karlstadt-Musäum bis zum 6. November Gelegenheit dazu.

Informationen zu Preisen und Öffnungszeiten gibt es Internet auf www.valentin-musaeum.de.

Marian Meidel

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