Autorennen im Olympiastadion

München - Der Plan klingt verwegen, aber es gibt ihn tatsächlich: Das Olympiastadion soll zur Rennstrecke für das Deutsche Tourenwagen-Masters (DTM) werden.

Tourenwagen sind Rennautos, die von einem Serienfahrzeug wie dem Audi A 4 oder der Mercedes C-Klasse abgeleitet sind. Viel gemein mit den Straßenversionen haben die Renner aber nicht. Statt aus Blech sind sie aus leichter Kohlefaser gebaut, und unter ihrer Motorhaube stecken rund 470 PS. Von Null auf Hundert reichen in der Regel drei Sekunden.

Wer sich diese Leistung vor Augen hält, dem kommt es zunächst nicht in den Sinn, dass diese Rennwagen ausgerechnet im Münchner Olympiastadion um die Wette fahren sollen. Dennoch stecken die Manager der DTM und des Olympiaparks nach Informationen unserer Zeitung derzeit in Verhandlungen. Es geht um eine Show-Veranstaltung, bei der sich zwei Fahrer auf einem verwinkelten Kurs ein Duell liefern.

Ähnliches gibt es schon: das "Race of Champions", das 2005 und 2006 etwa im Stade de France in Paris stattgefunden hat und die folgenden beiden Jahre im Wembley-Stadion in London. Bei diesem Rennen müssen die Fahrer in verschiedenen Autotypen antreten. Auch der frühere mehrfache Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher und Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel haben daran schon teilgenommen.

Warum also nicht auch im Olympiastadion? Auch hier hat es bereits Motorsport-Veranstaltungen gegeben – etwa 2007 einen Stock-Car-Grand-Prix. Zudem steht das Stadion nach dem Auszug des Fußballs meist leer. Die DTM bewies bereits in der Düsseldorfer Innenstadt ihre Experimentierfreunde. Dort waren die Boliden im vergangenen Jahr auf der Prachtmeile Königsallee unterwegs. Rund 200 000 Zuschauer wurden gezählt.

Wie es heißt, könnte die DTM-Show in den nächsten Jahren in München an den Start gehen. Vielleicht sogar schon 2010. Voraussetzung ist aber, dass die Stadtpolitik dem Plan zustimmt. Dieser soll am 7. Juli dem Aufsichtsrat des Olympiaparks vorgelegt werden. Das Management der städtischen Gesellschaft um Geschäftsführer Ralph Huber wollte sich selbst nicht äußern – aus Rücksicht auf die Entscheidung des Aufsichtsrats.

Die GmbH verfolgt aber noch ein anderes Ziel. Langfristig will der Olympiapark den Innenraum des Stadions umgestalten. Der natürliche Rasen soll raus und dafür künstliches Grün rein, damit nach Open-Air-Konzerten keine Schäden mehr beseitigt werden müssen. Für ein DTM-Spektakel müsste dann freilich darüber eine Fahrbahn, wohl aus einem Spezial-Kunststoff verlegt werden.

"Wir haben dazu noch keine abgeschlossene Meinung", erklärte der Chef der Rathaus-SPD, Alexander Reissl. Er sei zwar selbst "kein Freund des Motorsports", verteufeln wolle er den Plan aber nicht. Es sei nämlich, so Reissl, "außerordentlich schwierig, so ein Stadion zu füllen, nachdem dort der Fußball ausgezogen ist".

Matthias Kristlbauer

Auch interessant

Kommentare