+
Bunt geht es auch im Eingangsbereich zu.

Hort für alternative Kultur in München

Zum 25. Geburtstag: „München braucht das Backstage“

München - Das Backstage ist eines der etabliertesten Zentren für alternative Kultur in München. Am Montag wird die Institution an der Friedenheimer Brücke 25 Jahre alt. Der Weg zum Jubiläum war nicht immer einfach.

„Heute könnte man so etwas wie das Backstage nicht mehr aufbauen“, da ist sich der Chef des Musik- und Kulturzentrums, Hans-Georg Stocker, sicher. Doch vor einem Vierteljahrhundert nahm man es mit der Bürokratie in der Stadt noch nicht ganz so genau, und so war es möglich, dass selbst eine Gruppe Münchner Schüler und Studenten sich als Musikclubbetreiber ausprobieren durfte – und das auch noch eher ungeplant.

Eigentlich wollten Stocker und seine Freunde 1991 ein alternatives Stadtmagazin ins Leben rufen. „Das war zu einer Zeit, als München in Sachen Subkultur komplett tot war“, erinnert sich der heute 48-Jährige. Um das ehrgeizige Projekt zu finanzieren, und auch, um der Stadt überhaupt erst einmal etwas alternative Kultur zu geben, kamen Stocker und seine Freunde auf die Idee, Konzerte zu veranstalten.

Das allererste Backstage war in Fürstenried

Als Veranstaltungsort wählten die Freunde die Turnhalle eines Jugendzentrums in Fürstenried – allerdings eher aus Mangel an Alternativen, statt aus wirklicher Begeisterung für den Stadtteil. „Damals gab es dort nichts, noch nicht einmal die U-Bahn fuhr dorthin“, erinnert sich Stocker lachend. Um den Turnhallen-Charme der neu gefundenen Konzerthalle so gut wie möglich zu kaschieren, verhängten die angehenden Veranstalter die Wände noch vor dem ersten Konzert mit Theatersamt, holten Bier aus dem nächsten Getränkemarkt. Doch trotz dieser Mühen war das erste Punkkonzert am 11. Januar 1991 – einem Sonntag – kein Erfolg. Es kamen lediglich 17 Gäste.

Doch Stocker und seine Freunde gaben nicht auf, und mit der Zeit sprach sich der neue Veranstaltungsort in Fürstenried in der Subkultur-Szene herum. „Die Leute kamen teilweise aus Wien, um bei unseren Konzerten dabei zu sein“, erzählt der Backstage-Chef. Die Fürstenrieder dagegen waren nicht ausnahmslos begeistert vom neuen Szenetreff in der Nachbarschaft. Besonders viele Beschwerden rief das alternative Aussehen der Konzertbesucher hervor – Irokesenschnitt und Band-T-Shirts waren damals im Münchner Westen noch ein ungewohnter Anblick.

Umzug an die Donnersbergerbrücke

Das Foto aus dem Jahr 2000 zeigt, dass Umzüge und Unwägbarkeiten das Backstage seit jeher begleiten.  

Als nach drei Jahren ein Zerwürfnis mit dem Jugendclub Stocker und seine Mitstreiter aus der Turnhalle vertrieb, tat das Backstage zum ersten Mal das, was es in den folgenden Jahren noch mehrmals mehr oder weniger freiwillig tun sollte: Es zog um. Von Fürstenried ging es an die Donnersbergerbrücke. Gleichzeitig wurde es größer – zur Konzerthalle kam ein Club. „Irgendwie war das Backstage immer eine Baustelle“, sagt Stocker.

Doch auch im Stadtzentrum fand das Backstage keine dauerhafte Heimat. Pünktlich zum zehnten Jubiläum hieß es erneut umziehen. Diesmal zunächst in ein Übergangsquartier an die Friedenheimer Brücke, später dann an den heutigen Standort auf der anderen Brückenseite. Den Umzugstag zelebrierten die Backstage-Betreiber mit einer großen Party: Als Stocker im alten Club an der Donnersbergerbrücke die Lichter ausmachte, gingen sie im neuen Laden an der Friedenheimer Brücke schon wieder an.

Trotz häufiger Ortswechsel - das Publikum bleibt

Beliebt: Der Dachbiergarten.

Wenn eine Einrichtung so oft ihren Standort wechselt, dann ist die Angst, dass die Gäste irgendwann buchstäblich auf der Strecke bleiben, nicht ganz unberechtigt. Doch beim Backstage hat sich diese Sorge – zur großen Erleichterung von Stocker und seinem Team – in all den Jahren nicht bewahrheitet. „Jedes Mal, wenn wir umziehen, sagen uns Leute, am neuen Standort würde das nichts“, sagt Stocker. „Das liegt, glaube ich, auch daran, dass es sich für viele anfühlt, als würden sie ein Stück ihrer Heimat verlieren. Aber unser Publikums ist uns trotzdem treu geblieben.“

Um eine Einrichtung wie das Backstage in einer Stadt wie München dauerhaft am leben zu erhalten, braucht man Energie. Viel Energie. Die hat Stocker, und die wird er auch weiterhin brauchen. Denn pünktlich zum Jubiläum stehen Münchens unfreiwilligem Nomaden-Club erneut große Änderungen bevor: Stocker gehört nur die Hälfte des Backstage-Areals, für die andere läuft der Mietvertrag bald aus. Ein angrenzendes Grundstück hat Stocker zwar bereits gekauft, aber der Umzug wird teuer, und die bürokratischen Hürden für das neue Backstage sind deutlich höher, als sie es vor 25 Jahren waren.

Es soll nicht der letzte runde Geburtstag sein

Bunt geht es auch im Eingangsbereich zu.

Doch trotz der ungewissen Zukunft will sich Stocker mit aller Kraft dafür einsetzen, dass das Backstage auch noch seinen nächsten runden Geburtstag erlebt. Denn für ihn, den einzigen verbleibenden Mitarbeiter aus dem jugendlichen Gründungsteam von 1991, ist das Backstage viel mehr als nur eine Konzerthalle. Er glaubt: „München braucht so etwas wie das Backstage.“

Auf seinen Grundsatz „bunt, aber nicht beliebig“ bei der Programmauswahl ist Stocker ebenso stolz wie auf das gemischte Publikum und die entspannte Atmosphäre. Letztere spiegelt sich übrigens auch im Namen wieder, den das Backstage schon seit dem ersten Konzert in Fürstenried trägt. Der Begriff, der die Welt hinter der Bühne beschreibt, sollte neben dem Musikbezug vor allem unterstreichen, dass es im Backstage keine elitäre Trennung zwischen den Menschen hinter, auf und vor der Bühne geben sollte.

All das sei bewahrenswert, findet Stocker, auch wenn das ehemalige Schülerprojekt in der Vergangenheit oft an seinen Nerven gezerrt hat: „Vieles hat sich geändert in 25 Jahren, aber das Lebensgefühl ist geblieben. Und dafür lohnt es sich zu kämpfen.“

Die Geburtstagsfeier findet vom 14. bis 16. Januar statt. Gefeiert wird in Halle, Club und Werk mit Konzerten und Partys. Am Donnerstag ist der Eintritt zu den Veranstaltungen frei. Mehr Informationen zum Programm und den Eintrittspreisen gibt es im Internet unter www.backstage.eu/

Annika Schall

 

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Das wird Autofahrern nicht gefallen: Grüne wollen höhere Parkgebühren
Den Grünen sind die stetig steigenden ÖPNV-Preise ein Dorn im Auge. Nun hat die Partei offenbar einen Weg gefunden, das zu unterbinden. Dafür müssten jedoch die …
Das wird Autofahrern nicht gefallen: Grüne wollen höhere Parkgebühren
Wie München und Bayern von Bahn-Verbesserungen profitieren sollen 
Mit 300 km/h nach Berlin - und im ICE 4 nach Hamburg: Die Deutsche Bahn kündigt für München und ganz Bayern eine Reihe von Verbesserungen an. 
Wie München und Bayern von Bahn-Verbesserungen profitieren sollen 
Mit neuer App: Stadt bietet Übersicht über alle Spielplätze & mehr
Echter Service: Mit einer neuen App können Münchner jetzt Spielplätze, aber auch Freizeitanlagen, Bolzplätze, Rodelhügel und öffentliche Toiletten anzeigen lassen. 
Mit neuer App: Stadt bietet Übersicht über alle Spielplätze & mehr
Hotel-Stadt München: Mehr Betten als in Manhattan - Verband schlägt Alarm
München und seine Hotels: Immer mehr Übernachtungsmöglichkeiten werden geschaffen. Doch mittlerweile fordere nicht mehr der Markt mehr Betten, sondern der Investor, sagt …
Hotel-Stadt München: Mehr Betten als in Manhattan - Verband schlägt Alarm

Kommentare