Schicksal Provisorium: Betreiber Hans-Georg Stocker kann sich nicht mit dem Planungsreferat einigen, wie ein Neubau des Veranstaltungszentrums „Backstage“ aussehen könnte. Zankapfel sind die Parkplätze. Foto: Marcus Schlaf

„Backstage“-Pläne finden keine Gnade

München - Seit Jahren schlägt sich Hans-Georg Stocker mit der Verwaltung herum. Er will sein Veranstaltungszentrum „Backstage“ am Hirschgarten neu bauen. Doch die Stadt weist seine Anträge immer wieder zurück. Jetzt wird die Zeit für eine Entscheidung knapp - Stocker muss einen Teil des Geländes räumen.

Anfang des Jahres feierte das „Backstage“ seinen 20. Geburtstag. Schon damals war Betreiber Hans-Georg Stocker klar: „Es wird ein Jahr der Entscheidungen.“ Gerade hatte er bei der Stadt die Pläne für einen Neubau des „Backstage“ eingereicht. Ein Dreivierteljahr später muss er erkennen: Entschieden ist noch gar nichts.

Die Hälfte des momentan genutzten Areals gehört der „Backstage GmbH“. Sie bekam die Fläche zu einem günstigen Preis vom Immobilien-Vermarkter „aurelis“ - unter der Bedingung, dass sie weiterhin kulturell genutzt wird. Probleme bereitet die andere Hälfte, auf der auch zu einem Teil die größte Halle, das „Backstage-Werk“, steht. Stocker hat sie von der „aurelis“ gemietet und muss sie nach mehreren Aufschüben bis Mitte 2013 räumen - hier entstehen Grünanlagen für das neue Stadtquartier am Hirschgarten.

Stockers Platz schmilzt um die Hälfte, also was tun? Die Lösung, die er im Januar präsentierte: Das „Backstage“ soll unter die Erde. Sowohl das große „Werk“ als auch die kleineren, bislang provisorischen Container „Club“ und „Halle“ sollten unterirdisch neu gebaut werden, alle durch Gänge miteinander verbunden. Über der Erde sollten auf mehreren Geschossen Verkaufsstellen, ein Biergarten sowie Band-Übungsräume entstehen.

Doch das Planungsreferat signalisierte im April, dass der Vorbescheidsantrag „so nicht durchgehen würde“. Bemängelt wurde unter anderem die Bauhöhe, was Stocker wundert: „Das ist doch ein Witz, nebendran entstehen 60 Meter hohe Bürogebäude.“ Entscheidende Schwäche war aber wohl die Parkplatzproblematik. Stocker hatte lediglich ein Parkdeck für Fahrräder eingeplant. Für Pkws wollte er Stellplätze angrenzender Bürobauten nutzen, die in den nächsten Jahren gebaut werden. Man kann nur spekulieren, dass dies dem Planungsreferat zu vage war. Dort wollte man sich zum Antrag jedenfalls nicht äußern.

So hat Stocker nun im Juli ein leicht verändertes Konzept beim Planungsreferat eingereicht: „Ich habe ja schon mindestens 15 Mal neue Konzepte entwickeln müssen. Deshalb war der letzte Ansatz so konzipiert, dass man bei einer Absage nicht alles über den Haufen schmeißen muss.“

An den wichtigsten Bauten, die unterirdisch verlaufen, ändert sich nichts. Bei den oberen Geschossen fällt einiges weg, unter anderem die Band-Übungsräume. Zudem wird das Fahrraddeck nun zu einem Parkplatz für Autos.

Ausreichend Parkplätze entstehen so allerdings nicht. Diese fordert die Stadt aber - dauerhaft und schon bis Ende des Jahres. Da soll Stocker das aktuelle „Werk“ abreißen, um so genügend Stellplätze bereitzustellen. Er zeigt sich uneinsichtig, schließlich müsse er mit der Halle das Geld für den Umbau verdienen, sagt er: „Das kann man komplett vergessen. Die Parkplätze werden immer als Totschlagargument benutzt.“

Er schlägt eine andere, temporäre Lösung vor. Südlich des „Backstage“ liegt eine Fläche, die für eine Tunnelröhre der zweiten S-Bahn Stammstrecke vorgesehen ist. Nachdem diese aber ferner den je scheint, will Stocker die Fläche einstweilen als Parkplatz nutzen. „Wir blockieren damit ja langfristig nichts“, sagt er. Ob die Stadt sich darauf einlässt, scheint aber fraglich. Schließlich forderten die Behörden bislang stets eine permanente Lösung. Im Planungsreferat hieß es lediglich, Stockers Lösungsalternativen würden geprüft.

Die Zeit drängt nun, auch wenn eine Räumung des gemieteten Areals bis 2013 schon jetzt unmöglich scheint. Stocker hofft inständig, dass sein Vorbescheidsantrag genehmigt wird. Bei einer erneuten Ablehnung droht er recht unverhohlen: „Dann wird’s krachen. Die Stadt muss endlich mal bekennen, ob sie das Backstage will oder nicht.“

Das „Backstage“ hat eine bewegte Geschichte. Nach drei Umzügen sollte das Gelände an der Reitknechtstraße 6 endlich einen dauerhaften Standort bieten. Dorthin zog man im Jahr 2007. Immer noch stehen dort jedoch nur provisorische Bauten. Denn Stockers Pläne für ein festes „Backstage“ beschäftigen das Planungsreferat seit Jahren.

Angelo Rychel

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