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Nicht immer ein sauberes Handwerk: Bei einem Münchner Bäcker fanden Kontrolleure Abstoßendes.

Schmutz in der Backstube

Bäcker verurteilt wegen Schimmel und Insekten in der Butter

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München - Ein Münchner Bäcker hat Schimmel und Ungeziefer in der Backstube. Erst nach mehreren Kontrollen beseitigt er die Mängel. Deswegen muss er nun eine Geldstrafe zahlen.

Schimmel, Staub, Spinnweben und Ungeziefer in der Backstube – erst nach mehreren Kontrollen hat ein Bäcker seinen Laden auf Vordermann gebracht. Das Amtsgericht verurteilte den 53-Jährigen nun zu einer Geldstrafe von 6500 Euro wegen „vorsätzlichen Inverkehrbringens von für den Verzehr durch Menschen ungeeigneten Lebensmitteln“, wie es in der Mitteilung des Gerichts heißt.

Bei einer Kontrolle im August 2014 stellte die Lebensmittelüberwachung einmal mehr Abstoßendes in der Bäckerei fest, die laut Gericht im Gebiet Pasing-Obermenzing liegt. „Die unhygienischen Zustände hätten bei einem normal empfindlichen Menschen Ekel und Widerwillen ausgelöst, wenn er hiervon Kenntnis erlangen würde“, so das Gericht.

Spülmaschine verunreinigt

Die Spülmaschine war laut Gericht durch „schleimige Schmutzablagerungen und Rotschimmelbildung“ verunreinigt, in einer Schüssel mit Butterfett schwammen Insekten, die Backofenroste waren mit Teigresten und „undefinierbaren Schmutzrückständen“ verkrustet, im Gärraum gab es Staub, Flusen, Spinnweben und vergammelnde Lebensmittel. Aufsteigender Wasserdampf sammelte sich an der schmutzigen Decke und tropfte auf die Teiglinge, an Öffnung und Dichtung der Sahnemaschine breitete sich Schwarzschimmel aus. Im Kühlraum fanden sich Speisereste, Teig- und Mehlrückstände, Ofenhandschuhe waren innen und außen verdreckt, an Rohren, Kabeln und Schaltern hafteten „ekelerregende Rückstände“. Und zu guter Letzt gab es am Waschbecken keinen Seifenspender, so dass sich das Personal die Hände nicht richtig waschen konnte.

Das Amtsgericht hatte gegen den Betrieb bereits zuvor zweimal Geldstrafen wegen hygienischer Mängel verhängt. In dem Prozess nach der erneuten Kontrolle sei der Bäckermeister einsichtig gewesen und habe gestanden – zudem habe sich bei einer weiteren Kontrolle im November 2014 „vieles zum Guten gewendet“. Zuletzt sei der Betrieb in ordnungsgemäßem Zustand gewesen, teilte das Gericht mit. So habe der Bäcker die Backstube teilweise frisch streichen lassen sowie neue Ofenhandschuhe und Backformen angeschafft.

Bäcker und Metzger werden häufiger kontrolliert

Wie oft die Lebensmittelkontrolleure Betriebe aufsuchen, hängt von der Branche ab, wie Daniela Schlegel vom Kreisverwaltungsreferat erklärt. So würden Bäcker, Metzger und Restaurants häufiger kontrolliert als Kioske und Getränkemärkte. Insgesamt gebe es in den rund 20 000 Lebensmittelbetrieben knapp 20 300 Kontrollen im Jahr. Etwa zehn Mal jährlich komme es vor, dass ein Laden vorübergehend geschlossen werde. „Die Kontrolleure kommen immer unangekündigt“, sagt Schlegel. In Betrieben, die selbst Lebensmittel verarbeiten, sei das etwa alle ein- bis eineinhalb Jahre der Fall. Es sei denn, es gibt Beschwerden. Dann schaut der Kontrolleur zusätzlich nach dem Rechten. Routinemäßig überprüft würden Lebensmittelsicherheit, Hygiene, Dokumentation und Kennzeichnung, also ob auf den Produkten die Zutaten und die Mindesthaltbarkeit richtig ausgezeichnet sind.

Mögliche Mängel können ganz unterschiedlich ausfallen. „Manchmal fehlt ein Deckel auf einem Mülleimer oder es müssen Fliesen an der Wand erneuert werden.“ In einfacheren Fällen genüge eine Belehrung oder Anordnung. Auf keinen Fall aber dürften Lebensmittel gefährdet sein und Ekel erregt werden. Dann drohen ein Zwangsgeld oder ein Strafverfahren. „Ultima Ratio ist die sofortige vorübergehende Schließung.“ Das komme selten vor. „Insgesamt ist die Lebensmittelqualität auf einem gutem Niveau.“

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