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Elektronik-Module müssen zum Testen in eigens gefertigte Adapter gespannt ...

Bahn eröffnet neues Werk

Die Zug-Doktoren von Neuaubing

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München - 120 Spezialisten halten in Neuaubing die Deutsche Bahn am Laufen. Im Elektronikzentralwerk München (EZW) reparieren sie Schäden an Bauteilen, für die es anderswo keinen Ersatz gibt. Am Montag wurde der einzigartige Neubau eröffnet.

Diesen Zielort haben die Techniker eigens für die Eröffnungsgäste programmiert: „EZW München“ ist auf den Zugzielanzeigen zu lesen, die an Susanne Rüttens Arbeitsplatz blinken. Vier Technik-Generationen, vom sogenannten „Flipdot“-System, in dem kleine Plättchen mit Elektromagneten bewegt werden, bis zur modernen LED-Anzeige zeigen diesen Text, und auch der Laie erkennt kleine Fehler: Hier bleibt ein Punkt schwarz, der leuchten sollte, dort fehlt ein ganzer Buchstabe. Rüttens und ihre Kollegen werden das wieder in Ordnung bringen.

Elektronik-Module müssen zum Testen in eigens gefertigte Adapter gespannt ...

Im Raum nebenan sind Fehler nicht mit bloßem Auge erkennbar. Robert Lohner drückt ein Elektronik-Modul in eine Halterung, die er selbst gebaut hat: Dutzende Kontaktstifte greifen alle wichtigen Punkte der Platine ab, und ein Computer beginnt mit der Diagnose. Sobald feststeht, welche der vielen hundert Komponenten – Widerstände, Kondensatoren, Dioden und ICs – defekt ist, wird Lohner zum Lötkolben greifen und sie auswechseln. Ein paar Meter weiter spart man sich den aufwändigen Adapter-Bau. Hier arbeitet der der ganze Stolz der Abteilung: Der „Flying Prober“, der mit frei beweglichen Prüfspitzen vollautomatisch die Platine durchcheckt.

Arbeitsalltag im EZW, der Antwort der Bahn auf die zunehmende Digitalisierung im Fahrzeugbau. 1901, als das Bahn-Ausbesserungswerk in Aubing gebaut wurde, funktionierte die Bahn noch weitgehend mechanisch. Doch heute geht nichts mehr ohne Strom und Computer, vom Antrieb über Türsteuerung und Zugfunk bis zu Beleuchtung und Klimaanlage. Ein defektes elektronisches Bauteil im Wert von wenigen Euro kann einen kompletten Zug lahmlegen. Um bei der Reparatur nicht auf Fremdfirmen und Zulieferer angewiesen zu sein, wurde 1981 im Ausbesserungswerk das EZW gegründet. Es zog mehrmals um, wurde immer wieder vergrößert und residiert jetzt in einem maßgeschneiderten Neubau an der bertha-Kipfmüller-Straße – als letzter Vertreter der Bahn an diesem traditionsreichen Standort. Das Ausbesserungswerk wurde 2002 geschlossen.

Was Werkleiter Herbert Scheller und ein Team tun, geht weit über bloße Reparatur hinaus. „Wir erleben zunehmend Abkündigungen“, sagt Scheller. Das heißt: Hersteller kündigen an, dass sie die Produktion bestimmter Bauteile einstellen. Es wird keine Ersatzteile mehr geben – lange bevor der Zug, in dem die Module verbaut sind, sein Dienstalter von rund 30 Jahren erreicht hat. Dann sind die Spezialisten des EZW gefordert, sich eine Ersatzlösung einfallen zu lassen. Manchmal, wenn es den Hersteller nicht mehr gibt und keine Schaltpläne aufzutreiben sind, müssen sie detektivisch die Funktionsweise der Module ergründen, um sie nachbauen zu können.

Damit die Bordküche nicht kalt bleibt: Wilhelm Ziegel repariert einen Drehrichter, der die Küche des ICE mit Strom versorgt.

Nicht überall freilich geht es um Computertechnik und filigrane Prüfgeräte. Um ein Batterieladegerät oder ein Modul der Bordstromversorgung zu prüfen, müssen höhere Ströme fließen. Bis zu 80 Kilowatt leisten etwa die Module, die im ICE3 jeweils drei Wagen des mit Strom versorgen. „Das wäre genug für mehrere Einfamilienhäuser“, sagt Mehlstäubel.

Gerade hier, in der Abteilung Bordnetz-Elektronik, spielt das neue Haus seine größten Trümpfe aus. Die Energie, die hier fließt, wird zum Teil wieder ins hauseigene Stromnetz zurückgespeist, Abwärme wird im Winter zum Heizen genutzt. Weil das Gebäude zudem an die nahe gelegene Geothermie-Anlage der Stadtwerke angeschlossen ist, erwartet man eine Verringerung des CO2-Ausstoßes um 45 Prozent – obwohl die Produktionsleistung gestiegen ist.

50 000 Aufträge erledigt das EZW im Jahr. Das Ganze funktioniert in einem Kreislauf-System: Defekte Bauteile werden gegen Ersatzteile ausgetauscht, damit der Zug schnell wieder fahren kann. Das kaputte Teil kommt per Spedition nach München, wird repariert und landet im Ersatzteillager. Ein automatisches Lager hilft, die Warenströme mit rund 2000 unterschiedlichen Komponenten zu bewältigen. Den 120 EZW-Mitarbeitern wird die Arbeit so schnell nicht ausgehen.

Peter T. Schmidt

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