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Die CSU fordert: Für das Chaos bei der S-Bahn soll die Bahn Strafe zahlen.

Bahn soll für S-Bahn-Chaos Strafe zahlen

München - Die massiven Störungen bei der S-Bahn in dieser Woche schlagen hohe Wellen. Der CSU-Landtagsabgeordnete Markus Blume fordert nun Sonder-Strafzahlungen für die Bahn.

Nein, es war keine gute Woche für die Münchner S-Bahn. An gleich zwei Abenden, dienstags und mittwochs, kam es zu Störungen im gesamten System. Vor allem am Dienstag nahmen sie verheerende Ausmaße an. Teilweise mussten Fahrgäste Verzögerungen von bis zu einer Stunde in Kauf nehmen. Auch der Regionalverkehr war betroffen. Viele Fahrgäste beklagten sich auch darüber, am Bahnsteig wieder einmal nicht ausreichend darüber informiert worden zu sein, wie es weitergeht.

Der Bahn zufolge hatten die Malheurs ganz verschiedene Ursachen. Am Dienstag trafen gleich drei Probleme zusammen: Im Stellwerk Pasing fiel ein sogenannter Stelltisch aus – die Mitarbeiter konnten nicht mehr sehen, wie Signale und Weichen gestellt sind. Zudem wurde bei Bauarbeiten ein wichtiges Kabel beschädigt und es ereignete sich ein schwerer Unfall: Ein Mann stürzte auf die Gleise. Am Mittwoch gab es dann obendrein noch eine Signalstörung in Laim.

Die fortwährenden technischen Störungen im S-Bahn-System ärgern zunehmend die Politik – auch Abgeordnete im Landtag. Für den CSU-Mann Markus Blume ist das Maß jetzt endgültig voll. „Ich fordere Extra-Strafzahlungen für die Schlechtleistungen bei der S-Bahn in München.“ Blume will, dass der Freistaat auslotet, ob über die in der Vergangenheit verhängten Strafzahlungen hinaus nicht deutlich höhere Strafen gegen die Deutsche Bahn angeordnet werden können. „Fortgesetztes Missmanagement, die verzögerte Umsetzung von verabredeten Sofortmaßnahmen und die verheerende Informationspolitik gehören extra bestraft.“

Blume ist nicht der einzige, der sich ärgert. Auch die Grünen im Rathaus drängen in drei Anträgen auf die „schnelle Beseitigung der S-Bahn-Missstände“. Stadträtin Sabine Nallinger fordert, man müsse endlich mit Sofortmaßnahmen beginnen, um die Störanfälligkeit zu verringern.

Doch der CSU-Abgeordnete Blume geht noch weiter. Er wirft der Bahn vor, Defizite im System absichtlich nicht zu beheben. „Die Bahn hat viele dringend notwendige Verbesserungen bisher nicht durchgeführt, weil sie den verkehrlichen Nutzen der zweiten Stammstrecke nicht mindern wollte.“ Blume zufolge geht die Bahn also, vereinfacht gesagt, nach folgender Logik vor: Machen wir das S-Bahn-System bloß nicht zu stabil, sonst lohnt sich ja der Bau der zweiten Röhre nicht mehr.

Blume fordert daher nun neben Strafen auch einen schonungslosen Stresstest für das gesamte S-Bahn-System – und ein Sofortprogramm, mit dem die dringendsten Probleme unverzüglich behoben werden. „Über beide Punkte werden wir im Landtag nach der Sommerpause reden müssen.“

Die Bahn dementiert die Vorwürfe entschieden. „Wir haben im vergangenen Jahrzehnt 260 Millionen Euro in die bestehende Stammstrecke investiert“, sagte Sprecher Franz Lindemair. Das heißt, man habe viel getan, um die Situation zu verbessern. In wenigen Tagen werde auch das alte Stellwerk Pasing durch ein neues ersetzt. Richtig sei aber, dass der zweite S-Bahn-Tunnel dringend notwendig sei – als Bypass, wenn auf der alten Röhre Störungen auftreten.

Zu den Klagen über die schlechte Information der Fahrgäste am Dienstag sagte Lindemair: „Das ist auch aus unserer Sicht nicht gut gelaufen. Ich möchte mich dafür entschuldigen.“ Es sei für die Bahn sehr schwierig gewesen, schnell zu informieren, da sich die Situation durch die verschiedenen Störfälle dauernd änderte. Schon seit geraumer Zeit arbeite die Bahn daran, die Fahrgastinformation zu verbessern. „Wir sind aber noch nicht am Ende.“ Es müsse erst eine neue EDV entwickelt werden, die es ermögliche, den Fahrgästen bei Störungen schneller aktuelle Daten zukommen zu lassen.

Johannes Patzig

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