Der sogenannte „Bahndeckel“ zwischen Bavariapark und Ganghoferstraße. Oben entsteht eine Spiellandschaft, darunter verlaufen die S-Bahn-Gleise. foto: marcus schlaf

Der Bahndeckel strahlt

München - Vier Millionen Euro sind in den Bau der neuen Spiellandschaft auf der Schwanthalerhöhe geflossen. Einen Spielplatz für Kleinkinder wird es dort trotzdem nicht geben.

Seit dem Umzug der Messe nach Riem hatte die Stadt überlegt, was auf der 12 800 Quadratmeter großen Stahlbetonbrücke entstehen könnte. Unter der Brücke verlaufen Schienen der S-Bahn, weshalb der Quartiersplatz in dem Neubaugebiet auf der Theresienhöhe auch „Bahndeckel“ genannt wird. Man entschied sich für eine Spiellandschaft in Form einer bespielbaren Landschaftsskulptur. Die Außenmauern und die ersten Metallgestelle für die Klettergerüste stehen bereits. Im Juni soll die 300 Meter lange Fläche zwischen dem Bavariapark und der Ganghoferstraße den Münchnern als Grünanlage zur Verfügung stehen.

Auf Pyramiden aus Rasen, Springböcken, Kletterdünen und Trampolinen können Kinder, Jugendliche und Erwachsene künftig ihre Freizeit verbringen. Kleinkinder allerdings werden hier nichts Passendes für sich finden. Ihren Spielplatz hat die Stadt vorsorglich auf ein kleines Dreieck neben der Stahlbetonbrücke am Max-Hirschberg-Weg verlegt.

Der Grund ist die strahlende Oberleitung der S-Bahn. „Weil die Oberleitungen der S-Bahn unter der Fläche verlaufen, haben wir 2003 die Messung von elektromagnetischen Strahlungen vornehmen lassen“, sagte Ulrich Rauh, Planer im städtischen Gartenbau, am Dienstagabend im örtlichen Bezirksausschuss.

Die Untersuchung zeigte zwar, dass der gesetzlich festgesetzte Grenzwert für die magnetische Flussdichte von 300 Mikro-Tesla über den Gleisen bei Weitem nicht erreicht wird. Die Stadt habe aber keinerlei Risiko eingehen wollen und sich gegen einen Kleinkinderspielplatz an dieser Stelle entschieden. Die Satdt bezieht sich dabei auf eine Studie über den Zusammenhang von kindlicher Leukämie und Magnetfeldern. So heißt es darin: „Ein Zusammenhang zur Leukämierate zeigt sich bei einem Wert von über 0,4 Mikro-Tesla.“

Direkt auf dem Asphalt des „Bahndeckels“ hatte die Stadt im Durchschnitt Werte zwischen 0,1 und einem Mikro-Tesla gemessen. Einen Meter über dem Boden lag die magnetische Flussdichte im Schnitt unter 0,4 Mikro-Tesla. Sprich: Direkt am Boden ist die Strahlung am höchsten.

„Weil kleine Kinder oft unmittelbar auf dem Boden spielen, haben wir hier auf den Spielplatz verzichtet“, sagte Harald Gabler vom städtischen Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) den Bezriksausschuss-Mitgliedern. Auch die Rasenflächen der Anlage seien erhöht angelegt worden, um sich von der möglichen Gefahrenquelle zu entfernen.

Umweltmediziner Hubert Maiwald vom Gesundheitsreferat der Stadt gab aus medizinischer Sicht Entwarnung: „Solche niedrigen Werte führen zu keinerlei Befindlichkeitsstörungen bei Erwachsenen.“ Fahrgäste der S-Bahn seien im Zug einer höheren magnetischen Belastung ausgesetzt.

Tanja Wolff

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