Verbringt die nächsten Jahre hinter Gittern: Boris R. schaut von der Anklagebank aus in den Zuschauerraum – zu seiner Freundin und seinem acht Monate alten Baby. fkn

Prozess

Bankdaten ausgespäht: Mann muss ins Gefängnis

München - Boris R. arbeitete als Gehilfe für eine Bande, die Münchner EC-Automaten manipulierte und mehr als 100 000 Euro ergaunerte - jetzt wurde er dafür verurteilt.

Die Bankkunden ahnten nichts von dem Betrug, als sie ihr Geld abhoben: Unauffällig hatten Kriminelle die Automaten manipuliert, um die Geheimzahlen auszuspähen. Sie klebten falsche Tastaturen auf und versteckten Kameras - bis sie irgendwann erwischt wurden. Mehr als 100 000 Euro hatten sie bis dahin erbeutet. Gestern ist nun einer der Täter vom Landgericht München I verurteilt worden.

Wenn man Boris R. (39) glaubt, dann war er nur ein kleines Licht im Geflecht einer osteuropäischen Bande, sein Anwalt Dimitros Kotios nennt ihn einen „Gehilfen“. Sein direkter Auftraggeber in München sei Ivo M. gewesen, den das Landgericht bereits zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt hat. „Mein Mandant ist für Herrn M. als Fahrer tätig gewesen“, erklärte Kotios gestern. Zwei Mal habe er zudem auf Anweisung seines Chefs das Betrüger-Equipment an den Geldautomaten wieder abgebaut und M. übergeben. Doch das reichte am Ende für eine Haftstrafe. Die Vorsitzende Richterin Rosi Datzmann, die bereits Ivo M. ins Gefängnis geschickt hatte, verurteilte Boris R. gestern zu drei Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe.

Die zwei Taten, an denen Boris R. demnach beteiligt war, passierten im November und Dezember 2011. Laut Anklage gingen die Täter immer gleich vor: Sie brachten an den Automaten ein sogenanntes „Aufsatzlesegerät“ an, das die Magnetspur von EC-Karten auslesen und die Daten speichern kann. Um die dazugehörige PIN auszuspähen, klebten die Täter eine Videoleiste über die Tastatur oder brachten eine zweite Tastatur über der echten an (siehe Beispielbild). Nach einigen Tagen bauten die Betrüger das Equipment wieder ab und stellten mithilfe der gesammelten Daten Duplikate der EC-Karten her. Im Ausland hoben unbekannte Mittäter dann mit diesen gefälschten Karten Geld von den Konten der ahnungslosen Opfer ab. Die Masche wird im Kriminaler-Jargon „Skimming“ genannt.

Allein in den beiden Fällen, die Boris R. nun gestanden hat, waren 89 Karteninhaber betroffen, es gab mindestens 427 missbräuchliche Abhebungen - und einen Schaden von rund 112 500 Euro, den die Banken zu tragen hatten. Der Weg des Geldes zeigt, dass die Bande weltweit vernetzt ist: Im Fall von Boris R. wurde ein Sparkassen-Automat an der Tegernseer Landstraße und einer an der Leopoldstraße manipuliert - und das Geld wurde in Mexiko, den USA, in Thailand und im Libanon abgehoben. Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrer Anklage noch drei weitere Fälle in München aufgelistet, bei denen Boris R. aber offenbar nicht dabei war.

Ein Beamter des Landeskriminalamts erinnerte sich vor Gericht an den Fall: „Wir hatten damals eine ganze Serie von Geldautomaten-Manipulationen“, sagt er. „Die Konten deutscher Inhaber sind sehr attraktiv.“ Im Jahr 2010 hatten die Fahlzahlen beim „Skimming“ bundesweit einen Höchststand erreicht, das Bundeskriminalamt bezifferte den Schaden damals mit 60 Millionen Euro. Im Jahr 2011 waren es noch 35 Millionen Euro.

Was Boris R. von all dem wirklich geahnt hat, blieb vor Gericht unklar. Die Staatsanwältin attestierte auch ihm eine „hohe kriminelle Energie“ Nach seinen Angaben bekam er von Ivo M. 1000 Euro im Monat für die „Fahrdienste“. Die Beamten kamen ihm auf die Spur, weil er schon 2007 in Grenoble gemeinsam mit Ivo M. kontrolliert wurde, auch damals fanden die Polizisten Skimming-Werkzeug. Zudem führte die Überwachung von Ivo M. die Ermittler auf die Spur seines Komplizen. Nun gibt es womöglich ein Wiedersehen in Stadelheim.

A. Gerke

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Münchner Polizei warnt vor Ebay-Betrügern: Achten Sie beim Online-Einkauf auf diese eine Sache
Die Münchner Polizei rät allen Menschen, die online shoppen – zum Beispiel auf Ebay –, vorsichtig zu sein. Achten Sie auf diese eine Sache bei der Zahlungsaufforderung.  
Münchner Polizei warnt vor Ebay-Betrügern: Achten Sie beim Online-Einkauf auf diese eine Sache
Pendler-Wahnsinn: 400.000 kommen täglich nach München - und es werden immer mehr
Münchens Prosperität macht die Stadt bei Arbeitnehmern attraktiv - Hunderttausende kommen täglich in die Isarmetropole und mit ihnen auch viele Autos. 
Pendler-Wahnsinn: 400.000 kommen täglich nach München - und es werden immer mehr
Als Schwarzfahrer abgestempelt - Münchner soll trotz seines entwerteten Tickets Strafe zahlen
Wer sein MVV-Ticket in den Stempelautomaten schiebt, der ist aus dem Schneider? Denkste! Denn wenn das Gerät versagt, wird der Fahrgast schnell zum Schwarzfahrer …
Als Schwarzfahrer abgestempelt - Münchner soll trotz seines entwerteten Tickets Strafe zahlen
Falscher Polizist zockt Münchnerin um Viertelmillion Euro ab - mit diesem Trick
Eine 88-jährige Münchnerin ist auf die Betrugsmasche eines falschen Polizisten hereingefallen und um fast eine Viertelmillion Euro gebracht worden.
Falscher Polizist zockt Münchnerin um Viertelmillion Euro ab - mit diesem Trick

Kommentare