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Friedens-Lieder vor dem Rüstungskonzern: Davide Martello spielte am Klavier „Imagine“.

Video vom Protest-Pianisten

Bataclan-Pianist spielt vor Münchner Waffenhersteller

München - Mit seinem Auftritt vor dem Konzertsaal Bataclan wurde er weltberühmt – heute spielte Davide Martello in München unter anderem für Flüchtlinge und als Protest gegen Waffenhersteller Krauss-Maffai.

„Stell dir vor, alle Menschen würden in Frieden leben“, heißt es in John Lennons Hit „Imagine“. Es ist ein Lied, dessen Botschaft sich Davide Martello zu Herzen genommen hat. Und es ist ein Lied, das den Pianisten weltberühmt gemacht hat. Einen Tag nach den Anschlägen von Paris im November spielte der 34-Jährige vor der Konzerthalle Bataclan, in der Islamisten 89 Menschen getötet hatten, John Lennons Lied über den Weltfrieden – die Bilder gingen um die Welt. Am Freitag stimmte er das gleiche Stück vor den Toren des Rüstungsunternehmens Krauss-Maffei-Wegmann in München an. „Ich will den Mitarbeitern ins Gewissen spielen“, sagte er zu der Aktion.

Sein Auftritt vor dem Club Bataclan in Paris machte ihn weltberühmt, heute spielte der Protest-Pianist in München. "Imagine" von John Lennon vor dem Firmensitz des Waffenexporteurs von Krauss-Maffei. Wo Davide Martello noch unterwegs war: http://bit.ly/1YmRdZy

Posted by Merkur-Online on Freitag, 18. Dezember 2015

Seit einigen Jahren schon tourt der ehemalige Friseur mit seinem Klavier als Straßenmusiker durch die Welt. „Ich möchte die Welt bereisen und die Reaktionen der Menschen auf meine Musik sehen“, sagt Martello. Immer wieder haben diese Reisen aber auch eine sozialkritische Komponente. Martello spielte während der Proteste auf dem Istanbuler Taksim-Platz und auf dem Maidan in Kiew in der Ukraine. „Ab und zu muss ich einfach Orte und Dinge belichten, die noch dunkel sind“, erklärt er. Zu dem Konzert in Paris entschloss er sich, kurz nachdem er von den Anschlägen in den Medien gehört hatte: „Dort wurde Musik angegriffen, ich wollte mit Musik antworten.“

Momentan ist Martello auf Straßenmusik-Tour durch Deutschland. Dass er auf seiner Station in München auch vor dem Rüstungskonzern spielen sollte, stand für ihn schnell fest. Denn seiner Meinung nach wüssten noch viel zu wenige Menschen von den hohen Gewinnen, die die deutsche Rüstungsindustrie durch Waffenexporte erziele: „Wir müssten alle mit anpacken. Ohne uns ist wäre diese Industrie schnell nichts wert.“

In der Regel sind die Straßenmusik-Aktionen des 34-Jährigen nicht angemeldet. In Dresden geriet er deswegen zuletzt mit den Behörden aneinander. Ändern will er sein Verhalten trotzdem nicht – auch die Aktion vor Krauss-Maffei-Wegmann war nicht abgesprochen. „Ich lasse mir mein Wort – die Musik – nicht verbieten“, sagt er dazu. In Allach konnte der 34-Jährige sein Konzert dann ohne Eingreifen der Autoritäten spielen. Auch die Mitarbeiter zeigten sich zunächst begeistert von der unerwarteten musikalischen Einlage. „Die Leute standen am Fenster und haben geklatscht“, berichtet er. Sogar ein kleines Weihnachtsgeschenk habe ihm einer der Mitarbeiter vorbeigebracht. Als er allerdings seinen an ein Fahrrad angehängten Flügel so drehte, dass das Friedenszeichen auf dem Deckel vom Firmengelände aus sichtbar wurde, sei der Applaus dann doch merklich zurückgegangen. Zwei Lieder spielte Martello: „Imagine“ und „We Are The World“.

Danach zog der Musiker dann weiter zur Flüchtlingsunterkunft in der Bayernkaserne. Denn auch auf den Zusammenhang zwischen diesen beiden Orten wollte er bei seinen Münchner Konzerten hinweisen. „Alle kamen in den Innenhof und haben sich wirklich gefreut, dass ich da war“, berichtet er. Auf seinem Pianodeckel hatte Martello allerdings vorher die Aufschrift auf dem Piano ausgetauscht. Statt dem mahnenden „Hier spielt die Musik“ das vor den Toren von Krauss-Maffei-Wegmann zu lesen war, hatte Martello für die Flüchtlinge „Danke fürs Zuhören“ auf sein Instrument geschrieben.

Annika Schall

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