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Die Münchner Bank erwies sich als schwieriges Konstrukt – der Abbruch verzögerte sich. Jetzt gibt die Baulücke den Blick auf die Frauenkirche frei.

Die Baustellen in der Innenstadt

München - Wo gehobelt wird, da fallen bekanntlich Späne. In der Münchner Innenstadt wird an etlichen Ecken gehobelt, doch auf vielen Baustellen sind Späne und Sand ins Getriebe gekommen. Nahezu alle Großprojekte sind in den vergangenen Monaten in Verzug geraten.

Die Gründe für die Verzögerungen auf den Großbaustellen rund um die Fußgängerzone sind unterschiedlich: finanziell, bautechnisch, klimatisch. Eine Inspektion:

Stachus

Zuerst gab es Querelen mit alten Pächtern, dann war die Decke undicht, und noch immer gibt es Probleme mit dem neuen weißen Boden, der schnell rissig wurde. Die Suche nach einer Lösung für die Risse im Stachus-Untergeschoss geht weiter: Kürzlich wurden auf drei Testflächen die Risse mit unterschiedlichen Füllmassen ausgebessert. Ein kompletter Austausch des Bodens sei derzeit aber kein Thema. „Bis zum Ende des Frühjahres beobachten wir die Entwicklung, dann wird großflächig mit dem besten Material ausgebessert“, erklärt Brigitte Reibenspies, Sprecherin der LBBW Immobilien-Gruppe.

Die Tochter der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) hat das Stachus-Bauwerk 2007 für 33 Jahre von den Stadtwerken gepachtet. Generell sieht sich der Investor langsam auf der Zielgeraden. Laut Reibenspies sind nur noch Restarbeiten zu erledigen – mal abgesehen vom Boden. Parallel zu den von der LBBW durchgeführten Arbeiten sanieren die Stadtwerke die (Roll-)Treppen. Da die Aufgänge nur zur Hälfte gesperrt werden dürfen, zieht sich auch dies seit Monaten hin.

Von den insgesamt 56 Geschäften sind bislang 46 vermietet. Davon sind fast alle bezogen und geöffnet. Voraussichtlich im Mai sollen alle Passagen übergabefertig sein, glaubt Reibenspies. Mit rund einem Jahr Verspätung.

Hofstatt

Vornehme Einkaufspassagen, teure Wohnungen und Büros an der Sendlinger Straße – mit diesem gewinnversprechenden Konzept wollte die LBBW Immobilien auch am einstigen Standort des Süddeutschen Verlags das Stadtquartier „Hofstatt“ hochziehen. Anfang 2011 sollte die Top-Adresse nach ersten Planungen fertig werden. Nun, davon ist jetzt wirklich nichts zu sehen.

Bereits der Start verlief unglücklich: Die Beseitigung von Altlasten verzögerte die Arbeiten. Die Architektur wurde kritisiert. Und die Finanzkrise zwang die in Turbulenzen geratene LBBW, die Wirtschaftlichkeit des Projekts noch einmal zu überprüfen. Schließlich wird mit rund 325 Millionen Euro kalkuliert. Man entschied sich aber, an der Hofstatt festzuhalten.

Jetzt heißt es: Anfang 2013 ist alles fertig – zwei Jahre später als ursprünglich gedacht. Dann soll hier eine dreiarmige Einkaufspassage mit Eingängen an Sendlinger Straße, Hackenstraße und Färbergraben das Areal durchlässig machen – es entsteht eine neue Verbindung vom St.-Jakobs-Platz zur Fußgängerzone. In der Passage sollen sich kleinere Boutiquen ansiedeln. In Zentrum entsteht ein Marktplatz, dazu mehrere Innenhöfe, teils für Restaurants oder Cafés. Zudem wollen die Bauherren 19 000 Quadratmeter Büroflächen in dem Komplex unterbringen. Die 69 Wohnungen reichen von Single-Appartements bis zu Luxus-Wohnungen. Gespräche mit Interessenten für die Laden- und Büroflächen werden geführt. Man könne aber noch keine Namen nennen, heißt es.

Palais an der Oper

Auch das „Palais an der Oper“ – wie die alte Residenzpost künftig heißt – stand zwischenzeitlich auf der Kippe. Rund drei Monate ging im vergangenen Jahr nichts weiter am Max-Joseph-Platz. Der Grund war derselbe wie bei der Hofstatt: Geldnot bei der LBBW. Der Investor rechnete auch dieses Projekt nochmals mit spitzem Stift durch. Seit sieben Monaten wird wieder gearbeitet. Anfang 2013 sollen die Bauarbeiten angeblich abgeschlossen sein. 2009 hieß es noch, heuer könnte alles fertig sein.

Was kommt rein? Die Einzelhandels-Flächen im Erdgeschoss sind alle vergeben: Die Koffer- und Taschen-Marke „Louis Vuitton“ hat den größten Teil hin zur Residenzstraße angemietet. Roland Kuffler eröffnet einen „innovativen Gastrobetrieb“, dazu kommen „Daniels“ (Herrenoberbekleidung) und eine kleine Bar. Für die Büros und Wohnungen laufen Verhandlungen.

Joseph-Pschorr-Haus

Der frühere Karstadt am Dom ist beinahe Geschichte. Der hintere Bereich wurde bereits in Schutt und Asche gelegt. Womöglich fällt ab kommender Woche auch die Fassade an der Neuhauser Straße – je nach Wetter. Eigentlich war der Abriss an der Fußgängerzone schon für 2010 angekündigt. Die Bayerische Hausbau hatte sich während des Abbruchs aber entschlossen, erst einen größeren Teil des Gebäudes von Innen her abzureißen, sagt Unternehmens-Sprecherin Sabine Hagn. Die Entscheidung sei mit Blick auf die Nachbarn und das Weihnachtsgeschäft getroffen worden.

In Zukunft steht hier das „Joseph-Pschorr-Haus“ – ein moderner Bau, in dem bis zu vier Geschäfte eröffnen sollen. Der Hochbau soll in den kommenden Monaten beginnen. 2013 – so die ehrgeizige Ankündigung – soll das neue Haus fertig sein. Ganz ohne Ärger geht es aber nicht: In der Kommission für Stadtgestaltung sorgte der Nachfolgebau am Dienstag für hitzige Diskussionen. So kritisierten Mitglieder der Kommission die geplante Fassade am Altheimer Eck. Der Investor wolle hier statt der ursprünglich vorgesehenen Steinfassade nun eine Metall-Glas-Fassade realisieren, erläutert CSU-Planungsexperte Walter Zöller, der die Sitzung der Kommission leitete. Diese Außenhülle passe nicht zur umliegenden Bebauung. Die Kommission legte daher den Bauherren nahe, die Fassade zu überarbeiten.

Ebenfalls diskutiert wurde der Plan, auf dem Flachdach des Neubaus Solaranlagen anzubringen. Zwar werden die Solarzellen von der Straße aus nicht zu sehen sein, wohl aber von umliegenden Türmen aus, etwa vom Alten Peter. Zöller kritisiert dies – er sorgt sich um die Ästhetik der Dachlandschaft der Altstadt. „Ich fürchte, hier wird ein Präzedenzfall geschaffen.“ Die Mehrheit der Kommission befürwortete jedoch die Solaranlagen – allen voran Stadträtin Sabine Nallinger (Grüne): „Wir wollen uns an die Spitze der urbanen Photovoltaik stellen.“

Münchner Bank

Auch bei der zentralen Münchner-Bank-Filiale am Dom gab es bereits beim Abriss Verzögerungen. Der Grund: Die beiden unmittelbar aneinander angrenzenden Häuser waren deutlich mehr miteinander verbunden, als es bei den vorab durchgeführten Untersuchungen erkennbar war. „So mussten wir von unserem Plan, das Gebäude an der Augustinerstraße weitgehend mit Großgerät abzureißen, Abstand nehmen“, erklärt Peter Heinrich, Vorstandsvorsitzender der Bank. „Denn bereits beim ersten leichten Zupacken des Großgerätes kam es beim Hirmer zu heftigen Erschütterungen.“ Inzwischen sind die letzten Arbeiten zum Befestigen der Frauenplatzfassade abgeschlossen – bis Ende Januar sollen die letzten Gebäudeteile abgebrochen sein.

Ab Februar wird die Baugrube zwischen Frauenplatz und Augustinerstraße ausgehoben. Dieser Bauschritt soll rund vier Monate in Anspruch nehmen. „Mitte 2011 wollen wir die Grundsteinlegung feiern“, sagt Heinrich. Auch hier muss das Wetter mitspielen: Gerade der Spezialtiefbau mit seinen Betoninjektionen kann nur bei Temperaturen über minus 7 Grad durchgeführt werden.

Abgeschlossen sein soll das gesamte Bauvorhaben im ersten Quartal 2013. Neben der Bank-Filiale wird es eine Augustiner-Wirtschaft geben. Auch Hirmer wird Verkaufs- sowie Büroflächen anmieten. Sven Rieber

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