Leih-Radl: Im Stadtbild sind die Fahrräder von „Call a Bike“ schon heute präsent. Foto: dpa

MVG baut eigenen Radl-Verleih auf

München - Die Münchner Verkehrsgesellschaft wird zum Fahrradverleiher - noch Ende dieses Jahres beginnt das Projekt „MVG Rad“. Bis in zwei Jahren werden 1200 Räder an 125 Stationen aufgestellt. Langfristig platziert die MVG Leih-Räder sogar in den Außenbezirken.

Die MVG will ihre neuen Radl-Mietstationen vor allem an U-Bahn- und Tramhaltestellen aufbauen, außerdem in Stadtteilzentren sowie an wichtigen öffentlichen Standorten und touristischen Zielen. Am morgigen Dienstag soll ein entsprechender Grundsatzbeschluss im Stadtrat gefasst werden. Wenn von dort grünes Licht kommt, kann die europaweite Ausschreibung starten: Die MVG sucht für den Verleih einen Betreiber und will natürlich auch Fahrräder und Stationen nicht selber bauen.

Bisher gibt es in München bereits zwei größere Anbieter - die sich beide für die Rolle des Betreibers interessieren und bereits angekündigt haben, sich zu bewerben: Die Bahn-Tochter „DB Rent“ bietet unter dem Namen „Call a Bike“ schon jetzt 1200 Leihräder in München an. Sie dürfen innerhalb eines definierten Bereichs - von Schwabing bis Sendling und von Neuhausen bis Bogenhausen - abgestellt werden. Nextbike bietet 500 Fahrräder an, die nur an offiziellen Stationen abgestellt werden dürfen.

Die MVG wolle mit den Radln ihr Angebot ergänzen, sagt Sprecher Matthias Korte. „Die Kombination von Mietfahrrädern und öffentlichem Nahverkehr schafft zuverlässige Reiseketten bis zum Zielort.“ Bislang beginne und ende das öffentliche Mobilitätsangebot an der jeweiligen Haltestelle. Jetzt könne man von dort bis vor die Haustür fahren - oder ausschließlich das Rad benutzen. „Das macht es noch einfacher, auf Autofahrten zu verzichten.“ Damit kommt die MVG auch einer Forderung der Stadtratsgrünen aus dem vergangenen Jahr nach.

Die erste Ausbaustufe - 125 Stationen mit etwa 1200 Fahrrädern - soll nach und nach in zwei Jahren realisiert werden, Start ist voraussichtlich Endes 2014. „Der weitere Ausbau ist natürlich auch abhängig von der Resonanz und den Nutzerzahlen“, sagt Korte. Dennoch betont er: „,MVG Rad‘ soll es grundsätzlich auch in weniger zentralen Bezirken geben.“ Auch dort lasse sich ein wirtschaftlicher Betrieb organisieren, „wenn man die richtigen Standorte mit hoher Kundenresonanz wählt“. Ob nun als Zubringer zum ÖPNV, vom Bahnhof zum Bürozentrum mit dezentraler Station oder auch für Wege ohne öffentlichen Nahverkehr.

Das mit der Wirtschaftlichkeit ist so eine Sache. „Finanziert werden soll der Betrieb von ,MVG Rad‘ durch die Mietgebühren“, betont Korte. Werbung will man keine auf die Radl kleben - nur das eigene MVG-Logo. Zwar hatte eine MVG-Mitarbeiterin in der Sitzung des Bezirksausschusses Ludwigs-/Isarvorstadt betont, die Leihsysteme würden „nie wirtschaftlich betrieben“, doch dem widerspricht der Sprecher. „Wir werden ,MVG Rad‘ intensiv bewerben und auf gute - und gut erkennbare - Standorte setzen. Zuschüsse von der Stadt, über die Wirtschaftsreferent Dieter Reiter (SPD) laut nachgedacht hatte, wolle man keine. „Das Kostenrisiko liegt bei uns.“

Die DB Rent, die „Call A Bike“ betreibt, wollte auf Anfrage unserer Zeitung keine Auskunft darüber geben, ob sie bei ihrem System draufzahlt. Der Mitbewerber Nextbike schreibt in München schwarze Zahlen - aber nur, weil er Werbung auf seine Fahrräder klebt, wie Unternehmenssprecherin Mareike Rauchhaus auf Anfrage betonte: „Nur über die Leihgebühr ist der Betrieb nicht wirtschaftlich.“

Nextbike rechnet im 30-Minuten-Takt ab. Die halbe Stunde kostet 1 Euro, maximal 9 Euro am Tag. Mit einer „RadCard“ zahlt man pauschal 36 Euro im Jahr, dafür ist die Fahrt bis zu einer halben Stunde gratis, später kosten 30 Minuten 50 Cent und maximal 5 Euro am Tag. Bei „Call A Bike“ kostet der Tagestarif 15 Euro, mit Bahncard 9 Euro. Ansonsten werden minütlich 8 Cent berechnet. Auch hier gibt es eine „Flatrate“: Die Jahrespauschale kostet 48 Euro (mit Bahncard: 36 Euro), die erste halbe Stunde ist dann gratis, danach kostet’s wieder 8 Cent pro Minute.

Wie viel und auf welche Weise die MVG-Radler zahlen müssen, ist noch nicht sicher. „Das werden wir durchrechnen“, sagt Korte. Ein Standort-Konzept für die erste Ausbaustufe stimme man mit der Stadt und den jeweiligen Bezirksausschüssen ab.

Johannes Löhr

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