Bayerisches Pilgerbüro: Reisen für das Seelenheil

München - Beten auf dem Kreuzfahrtschiff, Besinnungstage im Kloster, Rom im Advent. Seit 86 Jahren bietet das bayerische Pilgerbüro Reisen zu christlichen Wallfahrtszielen in aller Welt an - und erreicht damit keineswegs nur gläubige Senioren.

Es ist nicht unbedingt ein spiritueller Ort, an dem sich das Bayerische Pilgerbüro findet. An der Dachauer Straße 9, zwischen Café Cosmos, einer Parkgarage und einer Table-Dance-Bar, warten die katholischen Reiseexperten im Hauptbahnhofviertel auf Kundschaft. Aber wo ein bisschen Sünde ist, kommt das Angebot des Pilgerbüros vielleicht noch besser zum Tragen. Das Pilgerbüro ist spezialisiert auf Glaubensreisen.

Vor 86 Jahren wurde das etwas andere Reisebüro begründet. Damals, 1925, waren Reisen in die Ferne noch was Besonderes. Umso größer die Aufregung, als es nach Rom gehen sollte. Der Papst hatte ein Heiliges Jahr ausgerufen - für die pilgerfreudigen Bayern ein schöner Anlass, zu Buße und Gebet in die italienische Hauptstadt zu fahren. Die bayerischen Diözesen gründeten dafür eigens das bayerische „Pilgerkommittee“, als gemeinnützigen Verein. Heute heißt das Traditionsunternehmen „Pilgerbüro“, organisiert professionell Glaubens- und Studienreisen und auch Kreuzfahrten. In allen sieben Diözesen gibt es Filialen, sogenannte Pilgerstellen.

Das Ziel der katholischen Reisegesellschaft stammt noch aus der Satzung von 1929: Bei passenden Anlässen „von Bayern aus einheitliche Pilgerzüge für Katholiken zu volkstümlichen Preisen zu veranstalten und in religiös wertvoller Weise durchzuführen“. Das Konzept zieht noch immer. Rom, Lourdes, das Heilige Land, und seit über 30 Jahren der Jakobsweg ziehen massenweise Pilger an. „Und nicht erst seit Hape Kerkeling“, wie Angela Bürvenich vom Pilgerbüro betont.

Warum Menschen pilgern? Meist aus Herzensangelegenheiten. Sei es eine Krankheit, um deren Linderung in Lourdes gebeten wird, sei es die Antwort auf eine wichtige Frage, auf die die Pilger in der Jerusalemer Grabeskirche hoffen. Eine Mission für jede Reise, das prägt auch die Atmosphäre. „Immer wieder melden sich hinterher Teilnehmer, die von dem tollen Gemeinschaftsgefühl berichten“, erzählt Bürvenich.

Davon kann auch Norbert Parucha erzählen. Seit 14 Jahren macht der 57-Jährige Touren für das Pilgerbüro, vor allem auf dem Jakobsweg und nach Lourdes. „Jede Reise ist ein Gesamtwerk aller Teilnehmer“, sagt er. Mehr Verständnis füreinander und ein liebevollerer Umgang seien spürbar. Paruchas Reisen leben nicht nur von guter Organisation. Meist ist auch ein geistlicher Leiter dabei, der Gottesdienste abhält und sich um die seelischen Belange der Pilgerschäfchen kümmert.

Studienreisen, Schienenpilgern, Trauerreisen, „Reisen mit Exzellenz“, bei denen hochrangige Kirchenvertreter mitfahren. Das Pilgerbüro will sich von der großen Reisebüro-Konkurrenz abgrenzen. Weil der Trend zur Individualisierung geht, kann der Kunde selbst entscheiden, ob er den Jakobsweg mit dem Bus fährt oder alleine wandert. Komfort ist auch bei religiösen Reisen wichtiger denn je, bei älteren Kunden sind vor allem medizinisch betreute Fahrten beliebt.

Senioren sind zwar das Hauptgeschäft, aber das Klischee von den rüstigen Rentnern auf religiösen Reisen hat sich überholt. Auch jüngere Leute pilgern wieder vermehrt, unabhängig von ihrer Bibelfestigkeit. In jeder Gruppe seien drei bis vier der Reisenden nicht streng christlich, sagt Parucha. Viele Teilnehmer seien zwar „christlich verwoben“, hätten aber sonst nicht viel mit der Kirche zu schaffen. „Ich finde es wichtig, dass sich auch Teilnehmer wohl fühlen, wenn sie nicht römisch-katholisch sind.“

Genau solche Menschen möchte die katholische Kirche verstärkt ansprechen. Für die Kirche sind die Reisen mit ihren jährlich rund 30 000 Kunden eine Möglichkeit, wieder mehr Menschen anzuziehen. Die Reisenden, sagt Parucha, sollten „anderes sehen, andere spirituelle Erfahrungen haben“ - und so vielleicht neue Zugänge zum Glauben finden.

Zum Konzept gehört auch, dass aktuelle Vorfälle, wie jüngst in Ägypten, wo Anfang Januar sechs koptische Christen vor einer Kirche erschossen wurde, die Routen beeinflussen. Etwa, indem Solidaritätsbekundungen mit Kopten ins Programm aufgenommen werden. Bei Reisen ins Heilige Land wiederum können die Pilger entscheiden, ob sie in Jerusalem bei den Israelis oder in Betlehem bei den Palästinensern übernachten wollen. „Bei uns geht es um den Austausch von Kulturen und Religionen, da kann man die Politik gar nicht außen vor lassen“, erklärt Angela Bürvenich vom Pilgerbüro.

Höhepunkt dieses Reisejahres wird eine Familienwallfahrt mit Kardinal Reinhard Marx Ende August sein. Außerdem findet eine Reise anlässlich der Seligsprechung von Papst Johannes Paul II. Ende April statt.

Lea Hampel

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