Nichts geht mehr: Auf der Linie der U3 und U6 standen die Fans Schulter an Schulter. mvg

Bayern-Finale: U-Bahn kann Fan-Ansturm nicht bewältigen

München - Münchens U-Bahn hat zum Champions League-Finale und in den Stunden danach die Kapazitäts-Grenze erreicht. Einen solchen Ansturm von Fahrgästen habe es noch nie gegeben, so die MVG.

Mehrfach mussten Menschen von den Gleisen geholt werden. Wegen des Massenandrangs an Marienplatz, Odeonsplatz und Olympiazentrum vor Spielbeginn wurden mehrfach Bahnhöfe gesperrt. es gab Verzögerungen und Verspätungen.

Eng gedrängt standen die Fahrgäste am Bahnsteig, blockierten sich gegenseitig beim Einsteigen und hinderten die Züge am Abfahren. Besonders problematisch war laut MVG der Antransport der mehr als 100 000 Fans zu Arena und Olympiastadion. Zudem hätten übermäßig betrunkene Fans den Betrieb erschwert: Mehrfach zogen sie mutwillig ohne Grund die Notbremsen und brachten den U-Bahnbetrieb zum Stillstand.

Die MVG hatte schon im Vorfeld vor einer Überlastung des öffentlichen Verkehrssystems gewarnt und 75 Prozent mehr Waggons, 120 zusätzliche Mitarbeiter allein auf den Bahnsteigen, 40 zusätzliche Fahrer sowie weiteres Personal eingesetzt. MVG-Chef Herbert König wurde am Sonntag deutlich: „Gestern Abend war das Ende der Fahnenstange definitiv erreicht“. Die Konsequenz: Künftig sollen bei derartigen Großveranstaltungen die U-Bahnhöfe früher an der Oberfläche abgeriegelt werden. Dies bringe zwar die Gefahr von Randale mit sich, minimiere aber die Gefahr von Panik im Untergrund oder Unfällen mit Zügen. Am Samstag mussten laut einer Stadtwerke-Sprecherin mehrfach Personen von den Gleisen geholt werden. Ob diese gestoßen oder im Übermut selbst hinuntergesprungen waren, blieb unklar.

In den vollgestopften Zügen kämpften Menschen laut Augenzeugen mitunter gegen aufsteigende Panik an. Konkret verletzt wurde nach bisherigem Kenntnisstand der MVG niemand. „Für uns werden solche stadtweiten Festivals immer mehr zum Problem, weil unsere Kapazitäten begrenzt sind - vor allem auch die Aufnahmefähigkeit der Bahnhöfe“, sagte König. „Wir werden unsere Erfahrungen detailliert auswerten und überlegen müssen, wie wir entsprechende Events auch künftig sicher abwickeln können.“

Auch in den S-Bahnen herrschte nach dem Spiel qualvolle Enge, denn die Bahn schickte - wie zu dieser späten Stunde üblich - nur Kurzzüge. Lediglich die Flughafen-S-Bahn sei in Absprache mit den Veranstaltern verstärkt worden, damit Fans aus England ihre Sondermaschinen nach Hause erreichen konnten, sagte Bahn-Sprecher Franz Lindemair auf Anfrage. Dass man zehntausenden von Besuchern aus dem Umland kein besseres Angebot gemacht hat, begründete Lindemair so: „Sie wissen ja nicht, wann die kommen. Es war davon auszugehen, dass sich das verteilt.“ Eine Fehleinschätzung, wie Augenzeugen berichten. Immerhin, so Lindemair, habe man das Regionalzug-Angebot verstärkt: in der Nacht fuhren zehn Züge zusätzlich.

Sven Rieber, Peter T. Schmidt

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