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Beatrix Zurek.

Referentenwahl in München

Mieteraktivistin Zurek wird Bildungsreferentin

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München - Eine Mieteraktivistin wird Bildungsreferentin: Am Mittwoch soll Beatrix Zurek vom Münchner Stadtrat gewählt werden. Kinderbetreuung, Ausbau der Ganztagsschulen, marode Schulhäuser: Zurek übernimmt für sechs Jahre ein schwieriges Feld.

Beatrix Zurek ist Verteidigerin. In ihrer Hobby-Fußballmannschaft stellt sie sich den Sturmläufen der gegnerischen Teams entgegen. In der Politik aber kann die glühende Löwen-Anhängerin auch Angriff. Auf vielen Podien hat die Mietervereins-Vorsitzende in den letzten Jahren zur Attacke geblasen. Nun wartet eine neue Aufgabe: Am Mittwoch wird Beatrix Zurek vom Stadtrat zur neuen Bildungsreferentin gewählt werden. Wenn nicht alles täuscht, wird dann vor allem eine Mannschaftsspielerin Chefin von 14 000 Mitarbeitern. Eine, die gemeinsam nach Lösungen für die vielen Probleme sucht.

Vor Zurek liegt eine sehr große Aufgabe

Ein paar Tage vor der Wahl sitzt Beatrix Zurek im Stadtcafé am Jakobsplatz. Sie bestellt eine Ingwer-Orange-Bionade, sorgt sich erstmal ausführlich um den mal wieder kriselnden TSV 1860. Der aber hat ihr die Laune noch immer nicht verdorben. Zurek, 56, Juristin, verheiratet, drei Kinder, strahlt große Herzlichkeit aus – auch so hat sie sich im Stadtrat bei vielen Kollegen beliebt gemacht. In diesen Tagen aber kann man auch eine ernste Beatrix Zurek erleben. Vor ihr liegt eine sehr große Aufgabe.

Das Bildungsreferat gilt als Problembereich. Referent Rainer Schweppe ist der Einzige, der bei der aktuellen Wiederwahlrunde seinen Stuhl räumen muss. Die Kinderbetreuung, die maroden Schulen: Fachmann Schweppe kam aus Nordrhein-Westfalen nach München, wollte vieles anders machen. In seine Amtszeit fiel die Entscheidung zu der riesigen Schulbauoffensive, der Rechtsanspruch auf Kinderkrippenplätze führte nicht zur befürchteten Klagewelle gegen die Stadt. Trotzdem muss er gehen. Gestolpert über den fehlenden Stallgeruch in der Münchner SPD, so sehen es manche im Rathaus. Andere sagen, er habe zu wenig in die Öffentlichkeit gewirkt, habe die Münchner Debatten nie verstanden. Wieder andere beklagen, Schweppe habe sich zu sehr um seine Pädagogik-Debatten gedreht, zu wenig um die konkreten Probleme von Schülern, Lehrern, Eltern.

"Ich bin wahrscheinlich vielen zu pragmatisch"

Beatrix Zurek würde nicht so über ihren Vorgänger sprechen, der noch bis zum Herbst im Amt ist. Dennoch vermittelt sie den Eindruck, die Aufgabe anders angehen zu wollen, weniger grundsätzlich vor allem. „Ich bin wahrscheinlich vielen zu pragmatisch“, sagt sie. „Man kann und soll sich Gedanken machen, welches medienpädagogische Konzept man haben will – ich will aber erstmal, dass alle Schulen schnelles Internet haben.“ Staatlichen Schulen könne sie ohnehin nicht vorschreiben, was zu tun sei. „Ich führe ungern Diskussionen, die nicht weiterführen. Ich bin ja nicht allein diejenige, die entscheidet, ob etwas eingeführt wird.“

Um die Unterstützung im Stadtrat hat Zurek nicht werben müssen. Die SPD schlug sie vor. Ihre Partei hat sich in den Koalitionsverhandlungen mit der CSU das Vorschlagsrecht für das Ressort Bildung gesichert. Zurek wurden schon länger Ambitionen nachgesagt, Karriere zu machen. Eine Kampfkandidatur gegen SPD-Fraktionschef Alexander Reissl soll Zurek 2014 erst im letzten Moment abgelehnt haben, weil sie nicht genug Unterstützung in den eigenen Reihen sah. Vor allem aber hatte Zurek es auf die Leitung des Kreisverwaltungsreferats abgesehen. „Mich hat der Bereich schon immer gereizt“, sagt sie. „Politisch, aber auch juristisch.“ Die SPD trug ihr aber das Bildungsreferat an.

Sie fühlt sich gut gerüstet

Durch die Jahre im Bildungs-Ausschuss fühlt sie sich gerüstet. Im Rathaus gibt es durchaus Stimmen, die ihr das Amt fachlich nicht zutrauen. Die SPD aber ist sicher, die richtige Wahl getroffen zu haben. Fraktionschef Reissl schwärmt von Zureks Fleiß, der die Voraussetzung für ein solches Amt sei. Und OB Dieter Reiter sagt, er sei überzeugt, dass Zurek das Referat „mit Fachkompetenz, Ideenreichtum und persönlichem Charme sehr gut führen wird“.

Zurek selbst kam in den Neunzigern über die Mieterkämpfe in die SPD. Sie wird sich sicher nicht auf Bildungspolitik beschränken – was auch dem Zuschnitt des Referats entspricht. „Unter anderem“, betont Zurek sei man ja auch für „Kitas, die städtischen Musikschulen, das Pädagogische Institut“ zuständig. „Und für den Sport.“ Gut möglich, dass Zurek, die Verteidigerin, vorhat, auch in diesem Bereich mehr reinzugrätschen.

Das sind die Kandidaten für die städtischen „Minister-Posten“

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