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Erwartbarer Umzug: Dominic Staat würde mit seinem Fahrrad-Laden „Pedalhelden“ am liebsten in der Müllerstraße 6 bleiben.

„Bellevue di Monaco“

Kein Platz für Pedalhelden

München - Der Stadtrat hat die sanierungsbedürftigen Gebäude Müllerstraße 2-6 erwartungsgemäß an „Bellevue di Monaco“ vergeben. Die Sozialgenossenschaft will hier eine Begegnungsstätte für Flüchtlinge einrichten. Ein Radlladen muss dafür weichen – der Besitzer beschwert sich.

Manchmal bringt eine gute Nachricht eine schlechte Nachricht mit sich. Etwa im Fall der „Pedalhelden“ an der Müllerstraße. Denn das Geschäft, in dem Räder verliehen, verkauft und repariert werden, muss wohl bald umziehen.

Der Grund – und die gute Nachricht: Am Mittwochmittag hat der Stadtrat beschlossen, dass die Sozialgenossenschaft „Bellevue di Monaco“ um Kleinkunst-Veranstalter Till Hofmann den Zuschlag für ihr Sanierungskonzept der dortigen Gebäude bekommt. Es soll eine Unterkunft und Begegnungsstätte für Flüchtlinge und Münchner eingerichtet werden – so wie es die Ausschreibung der Stadt forderte. Doch in diesem Entwurf ist kein Platz für die Pedalhelden, dem Laden von Dominic Staat. Der schimpft: „Das Bellevue-Konzept ist doch eine Mogelpackung. Warum entwurzelt man deswegen unser Geschäft, das hier seit fünf Jahren existiert?“

Hofmann kann die Argumentation nicht nachvollziehen: „Letztendlich haben unsere jahrelangen Bemühungen dazu geführt, dass die Pedalhelden dort länger bleiben konnten als erwartet.“ Denn eigentlich wollte die Stadt den Gebäudekomplex bereits vor drei Jahren abreißen. Erst der Einsatz von „Bellevue di Monaco“ sorgte dafür, dass die Häuser eine Zukunft haben.

Staat sieht das anders und möchte bleiben. Er sagt, er habe in Vorberichten zur Stadtrats-Entscheidung gelesen, dass eine andere Fahrradwerkstatt in der Müllerstraße 6 einziehen soll – ein Missverständnis, wie sich herausstellt. „Da kommt kein gewerblicher Radl-Laden rein“, betont Hofmann. „Wir hatten nur ein Angebot von einer Rad-Werkstatt, die den Flüchtlingen zeigen will, wie man eine Kette wechselt oder den Schlauch austauscht.“ Anstelle des jetzigen Geschäftes soll ein zentrales Element des Bellevue-Konzeptes eingerichtet werden: das Beratungscafé für Bewohner und andere Flüchtlinge. Hofmann: „Wir brauchen jeden Quadratmeter für unsere Pläne. Es ist sogar so, dass wir noch mehr Platz bräuchten.“

Staat sorgt sich derweil um seine Stammkundschaft. So eine Innenstadtlage werde er wohl so schnell nicht wieder finden. Aber rein rechtlich ist eigentlich alles klar, das weiß er, das sagt auch der Sprecher des Kommunalreferats Bernd Plank: „Im Mietvertrag mit Pedalhelden ist eine Passage, die klar darauf hinweist, dass die Nutzung der Ladenfläche vorübergehender Natur ist.“ Eigentlich müsse man da über kurz oder lang mit einer Kündigung rechnen. Im Vertrag heißt es sinngemäß: „Das Gebäude ist sanierungsbedürftig, ein dauerhafter Verbleib kann nicht garantiert werden.“

Der Beschluss des Stadtrats steht ohnehin seit Mittwochmittag fest. „Bellevue di Monaco“ und die Stadt München werden demnächst einen Erbpacht-Vertrag unterzeichnen. Er wird voraussichtlich eine Laufzeit von etwa 40 Jahren haben. Dann ist „Bellevue di Monaco“ quasi der neue Eigentümer, mit allen Rechten und Pflichten. „Wir haben sechs Architekur-Büros beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten“, sagt Hofmann. „Eines davon wählen wir bis Ende der Woche.“ Irgendwann danach kann die Sanierung starten. Wann genau den Pedalhelden gekündigt wird, ist unklar.

2,6 Millionen Euro wird die Sanierung voraussichtlich kosten. Die Stadt bezuschusst sie mit 1,7 Millionen Euro. Den Rest hat „Bellevue di Monaco“ durch freiwillige Spenden und Anteilsscheine gesammelt. Hofmann geht davon aus, dass die Sanierung etwa 14 Monate dauert.

Hüseyin Ince

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