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Eine große Zukunft haben die Häuser Müllerstraße 2-6 als "Bellevue di Monaco".

Kompetenzzentrum für Integration

Bellevue di Monaco: Stadtrat entscheidet am Mittwoch

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München - Ein Leuchtturmprojekt will das „Bellevue di Monaco“ sein. Flüchtlinge sollen mitten in der Stadt mit Münchnern zusammenfinden. Am Mittwoch entscheidet der Stadtrat über das Projekt, das vor drei Jahren mit der Rettung dreier Häuser durch Münchner Prominente begann.

München bekommt jetzt sein eigenes Schloss Bellevue. Hier residiert zwar nicht der Bundespräsident, und einem Schloss ähneln die Efeu-umrankten Häuser Müllerstraße 2 bis 6 auch nicht. Aber was hier entsteht, wenn der Stadtrat am Mittwoch zustimmt, könnte tatsächlich ein Leuchtturm-Projekt für München werden. Eine Herzkammer der Weltstadt, sozusagen. Und das nicht nur, weil es um Flüchtlinge geht.

Integration im besten Sinn

Das „Bellevue di Monaco“ will ernst machen mit der Integration. 35 junge Flüchtlinge und Familien sollen hier in der Stadtmitte wohnen, ein Café soll es geben, eine Radlwerkstatt, Beratungsstellen, Kultur- und Informationsveranstaltungen. Bürger sind eingeladen, den Migranten zu begegnen, ins Gespräch zu kommen. Kontakte ins Viertel sollen gepflegt werden, zu kleinen Betrieben, um ihnen syrische oder afghanische Azubis zu vermitteln. Von der Zahl der Flüchtlinge her sei es „ein kleines Projekt“, gibt Mitgründer Till Hofmann zu. Aber es habe „hohen symbolischen Wert: Wir wollen Geflüchtete in die Stadtgesellschaft hineinholen – und München ins Bellevue. Wir schaffen ein Kompetenzzentrum für Integration.“

Klingt fast nach CSU: „Kompetenzzentrum“. Hofmann grinst. Wenn er übers „Bellevue“ redet, landet er schnell bei der Landes- und der Weltpolitik, auch beim Münchner Sozialwohnungsbau. Seine Devise: „Wir dürfen weniger hysterisch sein, müssen ruhig und sachlich anpacken.“ Sagt er, nachdem der Weg bislang weit und widerstandsreich war. Der Kleinkunst-Veranstalter („Lustspielhaus“, „Lach und Schieß“) ist froh, dass es fast geschafft ist, und lädt für am Mittwochabend im Hofbräuhaus schon mal zum Feiern des Stadtratsbeschlusses ein. Der hielte dann Schwarz auf Weiß fest, wie virtuos sich diese Bürgerbewegung entwickelt hat.

Alles beginnt mit einem Bolzplatz...

Trommelte Prominente zusammen: Till Hofmann ließ eine Wohnung im Haus Müllerstraße 6 günstig renovieren.

Es beginnt mit einem Bolzplatz. 2012 präsentiert Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD) Pläne, die leerstehenden Häuser Müllerstraße 2 bis 6 abreißen und überbauen zu lassen – auch den Bolzplatz der Glockenbachwerkstatt. Protest keimt auf, Stars wie Bastian Schweinsteiger machen sich für den Erhalt stark. 2013 gründet Hofmann die fiktive Immobilienfirma „Goldgrund“, die im Glockenbachviertel gegen Immobilienspekulation ätzt. Höhepunkt der satirischen Aktionen: Als Gorillas verkleidete Prominente – darunter Dieter Hildebrandt – stürmen eine Wohnung in der Müllerstraße 6, renovieren sie.

Die Geschichte schafft es bundesweit in die Medien – und zwingt Markwardt zu erklären, warum er für sechs Millionen Euro neu bauen will, wo doch renovierbare Wohnungen da sind. Zumal der Neubau nur ein Dutzend Wohnungen mehr gebracht und lange gedauert hätte. 2014 plant das Kommunalreferat neu: Das grüne Eckhaus Nummer 6 bleibt erhalten. Im Juli 2015 gibt der Stadtrat dem „Bellevue“ grünes Licht und rettet auch die Häuser 2 und 4: Sie sollen in Erbpacht auf 40 Jahre vergeben werden. Dass „Bellevue“ am Mittwoch den Zuschlag erhält, ist quasi sicher, es hat sich sonst niemand beworben.

Viel ist seitdem passiert

Für das Bellevue-Bündnis – dem Akteure der Sozial- und Kulturszene angehören – gab es seitdem viel Arbeit. Sie gründeten die Sozialgenossenschaft „Bellevue di Monaco“, der Hofmann, Angela Bauer vom Verein Heilpädagogisch-Psychotherapeutische Kinder- und Jugendhilfe und Matthias Weinzierl vom Bayerischen Flüchtlingsrat vorstehen. Auch der Verein für Sozialarbeit und andere Institutionen sind mit im Boot, es soll mit Wirtschaftskammern und Bildungsträgern kooperiert werden. Hofmanns Vorbild: das Integrationshaus in Wien, gegründet vor 20 Jahren.

Über Anteilsscheine und Spenden wurden mehrere Hunderttausend Euro gesammelt. Die Sanierungskosten schätzt Hofmann auf 2,6 Millionen Euro, von denen die Stadt 1,7 Millionen zahlt. Im Rathaus munkeln einige, sie seien gespannt, ob „Bellevue“ das finanziell hinkriegt. Die Macher können wohl auf starken Rückhalt zählen: Als 2015 das Vergabe-Prozedere festhing, mahnte OB Dieter Reiter (SPD) die Verwaltung, auf die Tube zu drücken. Dafür, dass die Häuser so lange leerstanden, ist ohnehin sein Amtsvorgänger verantwortlich.

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